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Das Thema ist nicht neu. Ich habe hier meine mal Überlegungen neu strukturiert und eine Art Checkliste für die Umsetzung im Unterricht erstellt.

Das Prinzip des Flipped classroom war hier im Blog schon Thema. Ich habe die Methode allerdings bisher wenig eingesetzt. Würde das aber gern häufiger. Angeregt durch den Vortrag von Mareike Gloeckner auf den Jornadas Hispánicas und ihre Praxiserfahrungen habe ich Fragen zusammengestellt, die man sich vor der Umsetzung stellen sollte.

Wann lohnt es sich, den Unterricht umzudrehen?

Sicherlich immer dann, wenn der Kenntnisstand zu einem Unterrichtsgegenstand sehr unterschiedlich ist, also wenn

  • entweder ein Thema neu einsetzt und die Vorkenntnisse weit auseinander gehen
  • oder ein Thema für einige SuS bereits eine Wiederholung ist und für andere etwas Neues darstellt.

Das bedeutet für mich, dass ich diese Methode eher für Spanisch als 3. Fremdsprache einsetzen würde (da die Erfahrungen mit Fremdsprachen dort meist sehr unterschiedlich ausfallen) oder für fortgeschrittene Lernjahre von Spanisch als 2. Fremdsprache (wenn die Zusammensetzung der Gruppe sich bereits verändert oder der Lernstand sich mit der Zeit weit auseinander dividiert hat).

Welche Materialien verwende ich für die häusliche Vorbereitung?

Im Zusammenhang mit Flipped classroom ist immer von Erklärvideos die Rede. Wenn man Videos einsetzen will, hat man die Wahl,

  • entweder Videos selbst zu erstellen (mit erheblichem Aufwand verbunden, besonders bei den ersten – macht aber auch Spaß, wenn erste Ergebnisse entstehen). Erklärvideos selbst erstellen
  • oder vorgefertigte Filme zu verwenden, wobei ich bei der Art der Darstellung, der Tiefe der Behandlung oder bei Stil der Zeichnungen meistens Kompromisse eingehen muss und immer denke „Hätte ich selbst vielleicht besser, aber auf jeden Fall anders gemacht.“

Die fertigen Filme kann man auf Youtube suchen oder man besorgt sich einen Account bei Sofatutor.com. Was ich bisher nicht wusste: Man kann als Lehrkraft dort ein Jahr lang einen kostenfreien Zugang bekommen.

Andererseits steht und fällt das umgedrehte Klassenzimmer nicht unbedingt mit dem Einsatz von Videos. Ebenso gut kann man andersartiges Material verwenden: Kopien aus einem Grammatikbuch, Lexikonartikel, Websites, auf denen Informationen gesucht werden sollen. Mit all dem können SuS sich einen ersten Zugang zum Thema verschaffen.

Was mache ich mit den SuS, die ihre HA nicht gemacht haben?

Diese Methode basiert darauf, dass SuS sich zu Hause Kenntnisse aneignen, die sie im nächsten Unterricht überprüfen, vertiefen und einüben sollen. Das bedeutet, dass die Hausaufgaben eine entscheidende Konsequenz für den Unterricht haben. Deshalb sollte man sich vorher überlegen, wie man mit unvorbereiteten SuS umgeht. Denkbar ist:

  • Die Hausaufgabe könnte im Unterricht nachgeholt werden. Bei Lernvideos muss dafür sicher gestellt sein, dass die technische Möglichkeit besteht.
  • Man bildet Tandems, in dem jeweils ein vorbereiteter Schüler einem unvorbereiteten die Informationen vermittelt. Guter Nebeneffekt: Viele lernen besonders gut, indem sie Stoff an andere vermitteln.
  • Ich kann als Lehrerin ganz traditionell die Wissensvermittlung für die Unvorbereiteten und eventuell diejenigen, die sich nicht gut vorbereitet fühlen, im Unterricht nachholen. Hierfür trenne ich die Gruppe, so dass die anderen wie geplant üben können. Das ist u.U. auch eine gute Variante zum Einsteigen, weil vielleicht das selbstständige Erarbeiten von Stoff erst einmal eingeübt werden muss.

Ganz konkret: Für welche Aspekte eignet sich der Flipped classroom?

  • Wortschatzarbeit: Insbesondere in den ersten zwei Lernjahren der 2. Fremdsprache kann man viele Wortfelder spielerisch vermitteln. Hierfür gibt es gute Beispiele auf Sofatutor. (Zur Veranschaulichung der Anfang eines Sofatutorials für Farben und Kleidung.)
  • Einführung eines Grammatikkapitels (zB Formen und Anwendung des Indefinido – ein beliebiges Lernvideo bei YouTube)
  • Thematische Arbeit: Informative Videos zur Landeskunde, Geschichte oder als Hintergrundinformation zu Lektüren in der Oberstufe

In den drei Fällen kann man ein Arbeitsblatt mit zur Vorbereitung geben, damit den SuS deutlich ist, was sie sich aneignen sollen. Im anschließenden Unterricht können dann weitere differenzierte Arbeitsblätter die Lernergebnisse überprüfen.

Zwei weitere Anwendungsbereiche habe ich noch nicht getestet, sie entsprechen auch nicht dem klassischen Modell, ich stelle mir das aber lohnend vor:

  • Leseverstehen: Ein Text wird zu Hause gelesen und das Verständnis durch Stichworte oder eine Textgliederung dokumentiert. Im Unterricht werden die Stichworte in Gruppen verglichen, korrigiert, am Text verifiziert, evtl. werden gemeinsam Fragen zum Text beantwortet.
  • Hörverstehen: ebenso wie Leseverstehen, aber ausgehend von einem Hörtext, den die SuS zu Hause hören können, so oft sie wollen.

Ein ganz praktischer Tipp: Um den jeweiligen Link zur häuslichen Vorbereitung zu verteilen eignet sich die Darstellung mithilfe des QR-Codes.

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Was ist die flipped classroom-Methode und funktioniert sie auch für den Fremdsprachenunterricht?

cc-by-sa Bundesarchiv Bild 183-S77144

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Bundesarchiv Bild 183-S77144

Der umgedrehte Unterricht (flipped oder inverted classroom) wurde zunächst hauptsächlich im naturwissenschaftlichen Unterricht eingesetzt. Die Idee war es, ganz knapp gesagt, die wertvolle Unterrichtszeit nicht für Vorträge der Lehrperson und Erklärungen zu verwenden, die SuS sich auch allein erarbeiten können, sondern für Schüler/in-zentrierte Aktivitäten, bei denen die Anwesenheit der Lehrperson viel sinnvoller eingesetzt werden kann.

Der Stoff, die Erklärungen, Einführungen von Theorien und Faktenwissen werden in diesem Modell durch Lehrfilme (zB YouTube) transportiert. Die SuS können die Filme in Vorbereitung des Unterrichts zu Hause in der eigenen Geschwindigkeit, wenn nötig auch mehrmals ansehen. Im anschließenden Unterricht werden die neuen Kenntnisse dann gemeinsam überprüft, eingeübt, diskutiert, transferiert.

Zumindest überall, wo es um die Vermittlung von Faktenwissen geht, kann diese Methode sinnvoll auch im Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden. Besonders, wenn die SuS von verschiedenen Voraussetzungen in ein Thema starten, kann man so den Prozess der Aneignung von Wissen binnendifferenzieren.

Ich habe zB filmische Techniken im Spanischunterricht per flipped classroom eingeführt. Das hat mir die absoluten Basics im Unterricht erspart, die manchen ohnehin schon bekannt waren. Ich konnte beobachten, wie der eigenverantwortliche Umgang mit Unterrichtsstoff einige SuS sehr motiviert: Sie haben die Möglichkeit, im Unterricht nicht nur das wiederzugeben, was ich als Input angeboten habe, sondern sich zu spezialisieren, eigene Interessen zu vertiefen und sich einen Wissensvorsprung zu erarbeiten.

Hier einige weiter gehende Erklärungen zum flipped classroom:

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„El Kilo“ ist einer der Songs, die sich die SuS selbst ausgesucht haben, um sie im Kurs vorzustellen: Latino-Rap mit eingängiger Melodie, kraftvollem Rhythmus und kubanischem Slang. Die Botschaft ist eine Hymne an lebendige und authentische Musik aus Kuba.

CC by-nc-sa by bramloquet http://www.flickr.com/photos/amloq/with/194714394/

CC by-nc-sa
by bramloquet

Das Stück vom gleichnamigen Album „El Kilo“ (2005) von Orishas ist eine weitere Entdeckung aus der Reihe Lieder im Spanischunterricht, in der SuS selbst spanischsprachige Lieder ausgesucht und präsentiert haben (hier der Text, hier das Video). Auf jeden Fall sollte man, wenn man das Stück im Unterricht besprechen will, etwas zur Musikrichtung sagen, zur Herkunft des Rap und auf einige Besonderheiten hinweisen.

Musik:

  • Verschmelzung von Rap und karibischen Rhythmen, die Tradition der kubanischen Musik, die auch im Text zentral ist.
  • kubanische Instrumentierung (in diesem Stück leider kaum zu hören)

Ryhthmus/Klang:

  • Es ist typisch für den Rap, dass der Rhythmus der Musik die Metrik und Betonung der Worte bestimmt und manchmal „verzerrt“.
  • Das Spiel mit dem Tempo („flow“ genannt): Manche Passagen werden sehr schnell gesungen, andere betont in die Länge gezogen.
  • Typische Rap-Reime: Binnenreime, mehrfach gereihte, identische und auch unreine Reime

Die SuS können Beispiele für die einzelnen Merkmale im Song suchen.

Text:

  • viele regional geprägte Ausdrücke („asereo“: „Kumpel“, „Alter“, vielleicht auch mit „Digga“ übersetzbar; „el kilo“: der kubanische Céntimo als kleinste Münze); „guaguanco“: kubanische Rumba)
  • Slang-Ausdrücke / Szene-Sprache („flow“ als spezieller Rhythmus des Rap)
  • offene Kritik oder Anklage („politica cochina“, „de pendencieros mentirosos“)

Zum Audruck „el kilo“: Laut Ruzzo, einem der Orishas, kann man in Kuba für einen Céntimo ein Kilo Reis, Zucker, Bohnen oder Kartoffeln kaufen – die Grundnahrungsmittel. Daher der Begriff „kilo“. Die Wendung „no tiene vuelto“, die im Text ebenfalls vorkommt, bezieht sich darauf, dass es für diese kleinste Münze kein Wechselgeld geben kann – man erwartet nichts zurück dafür. Das lässt sich metaphorisch auf die Musik beziehen, da auch das Album „El Kilo“ heißt.

Zum Inhalt des Textes: Wahrscheinlich muss man nicht jede Zeile übersetzen, man kann eher nach Themenbereichen suchen lassen. Dabei könnten die SuS  auf folgende Wortfelder kommen:

  • „kubanische Musik“
  • „Ehrlichkeit vs. Lüge“
  • „verlogene Politik“
  • vielleicht noch etwas wie „sein eigen Ding machen“
  • oder auch „Wertschätzung von (musikalischen) Traditionen“

Noch ein Hinweis: Es gibt im Netz auch eine deutsche Übersetzung des Textes, die vielleicht als Vorlage zum Bessermachen für SuS dienen kann 😉

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Eine nette Ergänzung für den Spanischunterricht und ebenso geeignet für Selbstlerner: Jeden Tag ein Wort lernen mithilfe eines meist ungewöhnlichen Fotos – das ist die Idee, die hinter diesem Blog steckt.

rosa

Foto: Banco de imágenes del CNICE (cc by nc sa)

Hier kommt die tägliche Minidosis Wortschatzerweiterung: Das Blog Photo Vocab nimmt sich jeden Tag eines anderen spanischen Wortes an und thematisiert es in Bild und (spanischsprachigem) Text. Die Wörter sind häufig sehr alltäglich, wie zB „metro“, „juguete“ oder „brazo“, manchmal aber auch eher ungewöhnlich, wie „tobogán acuático“ oder speziell wie „pan de coco“. Es finden sich nicht nur Substantive, sondern auch andere Wortarten: „pasear“, „sonriente“ oder grammatische Formen wie „más grande“. Interessant sind außerdem Abstrakta wie „altura“. Jedes Wort ist zusätzlich als Audiofile abgelegt.

Die Fotos sind immer irgendwie (be)merkenswert und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass man sich die Vokabel einprägt. Die Herkunft der Bilder wird genannt, meistens stammen sie aus spanischsprachigen Ländern und thematisieren einen kulturellen Aspekt.

Die Texte sind kurz, meist nur wenige Zeilen lang und man kann das Wort des Tages sehr leicht in wenigen Minuten in den Unterricht einbeziehen. Wenn das Wort schon bekannt ist, ist der Text immer noch eine Herausforderung, für Anfänger kann man den Text weg lassen und sich auf Wort, Aussprache und Bild beschränken.

Auch für Selbstlerner eine nette Idee.

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Der Einsatz von Wikis im Unterricht kann nicht nur motivierend wirken, weil SuS sich in einem Medium bewegen können, in dem sie sich zu Hause fühlen. Wikis haben auch den Vorteil, dass sie zu strukturiertem Denken anhalten und dass ich als Lehrerin einen perfekten Einblick in den jeweiligen Arbeitsstand der SuS habe.

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Foto: Andrew Laing / wikimedia commons

Wiki kommt von dem hawaiianischen Wort wikiwiki für „schnell“. Es ist der Name für eine Onlineplattform, die es ermöglicht, schnell Informationen zusammenzuführen, sich schnell zu vernetzen und schnell gemeinsam an einem Thema oder Projekt zu arbeiten. Die grundsätzlichen Darstellungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten sind jedem von Wikipedia her bekannt: Es handelt sich um Seiten und Unterseiten, die von überall aus bearbeitet und untereinander durch Hyperlinks verknüpft werden können.

Einer meiner Kurse arbeitet an individuellen Aufgaben, wofür die SuS recherchieren, das Material strukturieren und für eine Präsentation zusammenstellen sollen. In der vergangenen Woche habe ich eine Doppelstunde mit dem Kurs im Computerraum verbracht, um sowohl die Recherche als auch die Sicherung und Strukturierung des Materials anleiten zu können. Vorher habe ich ein Wiki angelegt, in dem jede/r Schüler/in eine Seite für das eigene Thema hat.

In der Stunde habe ich zunächst kurz erklärt, wie sie mit dem Wiki arbeiten. Dann konnten alle das www nach Informationen durchforsten. Gegen die Strukturierung durch Überschriften oder durch Listen haben sich einige anfangs gewehrt, schließlich fanden aber alle die Instrumente sehr hilfreich, die das Wiki bietet, um die eigenen Gedanken zu sortieren. Zu Hause können die SuS ihre Seite weiter vervollständigen. Ich habe Zugriff auf alle Seiten, so dass ich nicht nur sehen kann, ob und wieviel gearbeitet wird, sondern ich kann auch selbst kleine Hinweise auf die Seiten schreiben, vielleicht einen hilfreichen Link oder ein Stichwort hinterlassen.

Ich verwende dafür Dokuwiki, ein kostenloses Wiki, das einfach zu installieren und bedienen ist. Man kann damit sowohl öffentliche als auch geschlossene Wikis anlegen. Ein weiterer großer Vorteil aus meiner Sicht ist ein Template (eine Layout-Vorlage), das den Seiten das Aussehen von Wikipedia gibt. Dadurch wirkt der eigene Inhalt „irgendwie professionell“, wie die Schüler sofort begeistert feststellten. Außerdem motiviert dieser Wiedererkennungseffekt bei der Arbeit.

Vorteile eines Wikis:

  • schnelle Sammlung von Material, Links, Texten
  • Ideal zur Strukturierung von Material und Gedanken
  • Zugriff ist von überall
  • Kontrolle und Hilfe durch Lehrkraft jederzeit möglich
  • Wikipedia-Design wirkt professionell und motiviert

In meinem Beispiel für die Nutzung eines Wiki, vernachlässige ich die kooperative Komponente, die eigentlich ein wesentlicher Bestandteil der Wiki-Kultur ist (siehe Wikipedia). Sobald es sich anbietet, werde ich deshalb auch Projekte im Team per Wiki realisieren.

Hier ein kleiner „Lehrfilm“ über Wikis auf Spanisch (4 min):

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Ein weiteres Lied, das eine Schülerin zur Präsentation im Unterricht ausgesucht hat. Das Stück von Manu Chao aus dem Jahr 2007 ist aufgrund der Thematik nicht unbedingt als Pausenfüller oder für eine Spaßstunde geeignet: Auf seine bekannt feinfühlige Art, aber mit Blick auf die ungeschönte Realität singt Manu Chao über Prostitution.

princesasWenn ich dieses Stück (hier auf YouTube) mal von mir aus im Unterricht behandeln sollte, werde ich sicherlich Formales und Grammatik weitgehend außen vorlassen und den Fokus auf den Inhalt lenken, bzw. auf dessen Darstellung, die unter die Haut geht.

Der Song gehört zum Soundtrack des Filmes Princesas der von zwei Freundinnen auf dem Straßenstrich von Madrid handelt.

Der gesamte Text ist zerrissen von den zwei Gesichtern des Ich, von zwei Zuständen, vom Hin und Her die Straße entlang und vom Auf und Ab des Lebens. Dabei streift Manu Chao die Klischees der Gedemütigten und der Stolzen, des gefallenen Mädchens und der

Unabhängigen:

La revoltosa y tan perdida
[…]
Me llaman puta, también princesa

An vielen Stellen steht die Hoffnungslosigkeit im Mittelpunkt:

Calle sufrida, calle tristeza de tanto amar
[…]
Me llaman calle, hoy tan cansada, hoy tan vacía
[…]
Me llaman calle la sin futuro
Me llaman calle la sin salida

aber da sind auch diese drei Zeilen Hoffnung:

Yo sé que un día llegará, yo sé que un día vendrá mi suerte
Un día me vendrá a buscar, a la salida un hombre bueno
Pa toa la vida y sin pagar, mi corazón no es de alquilar

Es ist ein Lied von Erniedrigung einerseits und dem Hüten eines Innersten, Unberührbaren, Unzerstörbaren andererseits:

No me rebajo ni por la vida
Me llaman calle y ése es mi orgullo

Zwischen den Zeilen, die von Gefühlen, Trauer und Hoffnung berichten, stehen andere, die nüchtern vom Alltag erzählen („Como maquinita por la gran ciudad / Me llaman calle, me subo a tu coche“).

Natürlich kann ich es mir nicht verkneifen, auf ein paar sprachlich besondere Stellen hinzuweisen: Der Begriff „malegría“ zum Beispiel, den Manu Chao ein paar Jahre zuvor bereits geprägt hat und der sogar Titel eines Liedes der Scheibe Clandestino aus dem Jahre 1998 wurde. Manu Chao erklärt den Neologismus folgendermaßen:

es esa dulce y a la vez amarga emoción que se tiene cuando la alegría y la melancolía se funden en una sola sensación, cuando todo parece ir bien, pero no cómo más nos gustaría. Es lo que sientes cuando la mujer a la que amas no está a tu lado, pero sabes que es feliz, o cuando un ser querido muere, pero no volverá a sufrir. Para nosotros no todo está bien, pero por mucho que queramos, no podría ir mejor. Ante eso, lo mejor es hacerse a la idea, resignarse. (Fundstelle laVentana)

Schließlich möchte ich die gesprochene Aufzählung von Frauennamen gegen Ende des Textes erwähnen, die dem Lied einen persönlichen Ton, etwas dokumentarisches („algo testimonial“ würde ich sagen) verleiht.

Und die Musik? Typisch Manu Chao und einfach schön!

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Band und Lied habe ich durch eine Schülerpräsentation der Klasse 10 kennengelernt. Es ist ein fröhliches Stück über Liebe mit einem bunten Strauß mehr oder weniger poetischer Wendungen, mit denen man leichtfüßig und unterhaltsam einige Stilmittel für den Literaturunterricht einführen kann.

el misterioso caso de

Die Gruppe Efecto pasillo stammt von Gran Canaria, der Titel Pan y mantequilla kommt ganz harmlos daher, aber der Inhalt ist unmissverständlich: Ein Mann singt eine Frau an, vergleicht sie mit Leckereien und mit Blumen und beschreibt, was er für sie tut. (Text siehe hier)

In der ersten Strophe ein bisschen Anatomie: cadera und cintura sind wichtige Begriffe in spanischsprachigen Liebesliedern – und sollten nicht miteiander verwechselt werden.

Die ersten drei Zeilen beschreiben den Gang der Frau. Es gibt eine Metapher: contamina (wobei man über die negativen Konnotationen des Wortes reden kann) und einen Vergleich: Die sich bewegenden Hüften werden mit Gelatine verglichen. Es folgt die starke Zeile, die auch für den Titel herhält: „te comería con pan y mantequilla“. Dieses Bild gilt es aufzuschlüsseln: Was fehlt auf einem Butterbrot? Was Süßes? Was Pikantes? Geschmackssache? Auf jeden Fall etwas, das das Ich gerne vernaschen möchte.

Im Weiteren finden sich Bilder aus dem Bereich der Natur, hübsch: „una caja con mil primaveras“ und Blumen, die sich mit der Dame des Herzens vergleichen wollen, aber das Ich stellt klar: „Tan solo a ti te riego yo“ – was das Bild wiederum umdreht: die Frau wird zur Blume.

Einige Bilder sind originell, andere gehören zu den konventionell-romantischen Requisiten: So scheinen Kerzen, Poesie und getrocknete Rosenblätter den Kitsch geradezu zu thematisieren. Darüber bietet sich eine Diskussion an: Was empfinden die SuS als Kitsch, was als Poesie? Sind herkömmliche Bilder nur abgegriffen oder auch schön?

Weitere Vorschläge:

  • SuS Wortfelder aus dem Text bilden lassen: zB Himmel, Natur, Lebensmittel
  • SuS sollen Vermutungen anstellen, wie der Name der Band entstanden ist*
  • Klangliche Stilmittel finden (zB Alliterationen der ersten Strophe, Anapher in Strophe 3, Mischung von identischen und reinen Reimen sowie Assonanzen im gesamten Lied)

Mit einem Condicional und zwei Subjuntivos stellt der Text grammatikalisch keine großen Herausforderungen dar, dafür vielleicht interessante Erweiterungen des Wortschatzes.

*Zum Namen der Band:

nuestro local de ensayo está entre dos edificios, formándose un pasillo con una ventolera tremenda al que llamábamos entre risas Efecto Pasillo (http://encuentrosdigitales.rtve.es/2012/efecto_pasillo.html)

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Als Einstieg in eine Reihe von Präsentationen spanischer Lieder in der Klasse 10 (5.Lernjahr) habe ich selbst einen Song vorgestellt: Ein bisschen Ska-Punk für die gute Stimmung und etwas Kritik am jugendlichen Junkfood-Konsumverhalten als Provokation waren eine gute Mischung. ska-p

Natürlich kann es auch frustrieren, wenn die Lehrerin erst Mal vormacht, wie’s „richtig“ geht, aber meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile. An meinem Vortrag konnten die SuS sich Eckdaten abgucken: Wie sollte ein Handout aussehen (das besser Thesenpapier heißt), was kann man über die Interpreten erzählen, warum sind auch Melodie und Rhythmus eventuell interessant, was lässt sich aus einem Text herausholen, wie kann man das Publikum miteinbeziehen?

Meine Wahl fiel auf den Titel McDollar der spanischen Band Ska-P (sprich: escape) – wobei ich beim Namen der Kapelle schon mal einhaken und Einschätzungen meines Publikums bezüglich Aussprache und Bedeutung einholen konnte. Die gesellschaftskritische Haltung der Gruppe musste Erwähnung finden. Wikipedia meint dazu

Sus canciones se caracterizan por su inconformismo, cuyas letras son una crítica al capitalismo, al nacionalsocialismo, al fascismo, al sionismo, al imperialismo, al racismo, y al especismo y un respaldo a los derechos humanos y a los de los animales, al ecologismo, al anarquismo y al anarcosindicalismo.

Dann haben wir das Lied gehört – gute Stimmung garantiert! Es schloss sich ein kurzes Gespräch an über Musikrichtung, Ryhthmus, Instrumentierung und deren Wirkung sowie Vermutungen über den Inhalt. Die Vermutungen wurden durch Erwähnung des Titels „McDollar“ korrigiert – schnell fiel der Verdacht auf McDonalds und alle ahnten, dass es kein Loblied auf Mäckes sein würde. Jede/r bekam den kompletten Liedtext mit Vokabelanhang ausgehändigt. So gerüstet ging es an eine gemeinsame Textanalyse und Interpretation.

Ein wenig Formales: Aus der Zeile 3 sollten die SuS erkennen, dass es ein yo lírico, vielleicht sogar ein yo-narrador gibt, die Zeile 4 führt ein lyrisches Du ein – es gibt also einen Ansprechpartner, der allerdings zunächst anders handelt als das Ich: Das Du besucht McDonalds und macht sich so zum Komplizen. Aus den Zeilen 5-15 haben wir recht ausführlich gemeinsam herausgearbeitet, was das Ich dem Fastfood-Konzern im Einzelnen anlastet:

  • destrucción del medio ambiente
  • falta de respeto ante los indígenas
  • maltrato de animales
  • comida de calidad mala
  • mentiras en la publicidad
  • negocio ladrón
  • explotación de trabajadores

Die Zeile 17 bietet dann dem Du (uns als Hörer/innen) eine versöhnliche Lösung an: „Acompáñame, te invito a ingerir, las tapas del bar de Fermín“. Die genannte Bar ist ein Stammlokal der Band und soll eine gesellige und politisch korrekte Alternative zu McDonalds darstellen.

Da die vorgeschlagene Madrider Bar für uns schwer erreichbar ist, haben wir uns an dieser Stelle vom Text gelöst und weitere Lösungen für die genannten Probleme gesucht. Den Abschluss bildete eine allgemeine Diskussion über Globalisierung, Fastfood und darüber, ob die Anschuldigungen berechtigt sind oder nicht.

Fazit
Bei mir haben Musik, Text und Thema gut funktioniert. Der Text war für die SuS im 5. Lernjahr weder zu schwer noch zu leicht, die Diskussion war lebhaft. Für größere sprachliche Herausforderungen bietet der Text einige Metaphern und Redewendungen, außerdem lässt sich die verwendete Sprachebene genauer untersuchen.

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Ein kleines Bonbon für meine Klasse 10 in den letzten zwei Wochen vor dem Halbjahreswechsel im Januar 2013: Jeder durfte ein spanischsprachiges Lied seiner Wahl vorstellen. Hier eine Liste der Lieder, die präsentiert wurden, mit kleinen Kommentaren zum Einsatz im Unterricht.

jazzbandDie Schüler/innen hatten zwei Wochen Zeit, sich ein spanischsprachiges Lied auszusuchen, um es dem Kurs vorzustellen. Ich hatte keinerlei Vorgaben gemacht, denn ich bin immer sehr neugierig, worauf die SuS von alleine kommen.

Eine Checkliste für die Aufgabe sah folgendermaßen aus:

La tarea: Presentar una canción en español

  • Preparar informaciones por escrito: la letra y puntos para la presentación
  • Tocar la canción con o sin video
  • Introducir el/la artista
  • Presentar la letra, explicar e interpretarla
  • Comentar la música, la melodía, el ritmo
  • ¿Por qué has eligido la canción? / ¿Por qué te gusta?
  • Hablar unos 15 minutos
  • Usar el vocabulario adjunto

Das „vocabulario adjunto“ waren knapp zwei DIN A4-Seiten mit hilfreichen Begriffen (zB la letra, el estribillo, el lenguaje coloquial) sowie Formulierungen, die inhaltlich inspirieren sollten (zB „la imagen simboliza“, „la estrofa trata de“, „la música me parece melancólica“).

Hier eine Liste der Songs, die vorgestellt wurden (aus Copyright-Gründen meist nicht die Original-Videos) mit Stichworten zu Inhalt und Einsatzmöglichkeiten:

Außerdem hier im Blog:

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baumherz01.deNoch ein Plädoyer für das Auswendiglernen. Meistens stehen beim Verinnerlichen und Aufsagen bestimmte Textsorten im Mittelpunkt: Gedichte, Verse, Lieder, Sprüche. Aus der Gebundenheit an solche Texte, die traditionellerweise zur oralen Tradition einer Sprache gehören, ergeben sich weitere Funktionen und Möglichkeiten des Auswendiglernens für den Fremdsprachenunterricht. 

Ich bin noch nicht fertig mit dem Thema des Auswendiglernens, insbesondere suche ich weiter nach Gründen, die dafür sprechen, es als eine sinnvolle Methode im Fremdsprachenunterricht einzusetzen.

Zunächst fällt mir ein, dass unsere Großeltern uns oft erstaunen, wenn sie fehlerfrei Gedichte aufsagen können, die sie während ihrer Schulzeit gelernt haben. Wenn ich an meine eigenen Erfahrungen denke, fällt mir auf, dass sich mir auch in der Muttersprache Wörter, Wortverbindungen oder Strukturen besonders eingeprägt haben, die ich einmal im Zusammenhang eines Gedichtes aufsagen konnte – oder immer noch kann.

Die Texte, um die es hierbei geht, sind Gedichte, Verse, Lieder und Sprüche und zeichnen sich normalerweise durch starke formale Merkmale aus: durch einen deutlichen Rhythmus, Reime, Lautmalereien und Wiederholungen. Diese Texte sind ursprünglich dafür gemacht, sie ohne schriftliche Fixierung leicht zu behalten und tradieren zu können. So werden Kinderreime über die Generationen weitergegeben und so lernen Unmengen von deutschsprachigen Teenagern spielend englische Liedtexte, indem sie sie immer wieder hören und oft schnell bis ins Detail mitsingen können.

Wir lernen also nicht nur die Worte, sondern automatisch Sprachrhythmus und Sprachmelodie – und mehr noch: Rhythmus und Melodie helfen beim Einprägen der Wörter. Die Texte werden nicht nur mit dem Kopf gelernt, sondern mit dem Ohr und dem Gefühl für Musikalität und Rhythmus, was die meisten Menschen auf einer unbewussten Ebene anspricht. Wenn wir so lernen, tun wir eben das, was im Englischen treffend „learning by heart“ heißt: Wir nehmen den Text wirklich in uns auf, machen ihn zu einem Teil von uns, tragen ihn immer mit uns und es ist fast unmöglich, dass so gelernte Worte uns nicht in irgendeiner Weise berühren.

Dadurch besteht eine gute Chance, dass sich der kleine fremdsprachliche Text auch emotional bei den Lerner/innen einprägt, dass neuronale Verknüpfungen nicht nur zwischen Wörtern angelegt werden, sondern eben auch zwischen Wort, Klang, Rhythmus und Gefühl.

Bei fortgeschrittenen Lerner/innen bietet es sich an, sie sich einen Text selbst aussuchen zu lassen und diesen dann auch der Lerngruppe interpretierend vorzustellen – insbesondere mit der Fragestellung: Warum habe ich mich für diesen Text entschieden?

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