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Posts Tagged ‘Sprache’

Sprachen wandeln sich mit ihrem Gebrauch und faktische Veränderungen gehen mit der Zeit in normative Festschreibungen ein, also in die Grammatiken und Wörterbücher. So verändert sich auch das Wörterbuch der Real Academia Española.

Die neuen Wörter sind schon seit letztem Herbst da, aber manche Dinge brauchen ihre Zeit und manche brauchen die Muße der Sommerferien 😉

Im Oktober 2014 ist die 23. Ausgabe des Diccionario de la Real Academia Española (DRAE) erschienen. Es soll das Wörterbuch der spanischen Sprache sein, das die größte Heterogenität innerhalb der Spanischsprachigkeit zulässt und besonders restriktiv mit sexuell diskriminierenden Begriffen umgeht. Insgesamt führt es rund 19.000 Amerikanismen auf. Unter den Neuzugängen (seit der letzten Ausgabe im Jahr 2001 etwa 6000) sind viele Anglizismen (insbesondere aus dem Bereich der neuen Medien) und Begriffe, die ursprünglich aus dem umgangssprachlichen Gebrauch kommen.

Besonders interessant finde ich die Begriffe, die oben abgebildeter Artikel im Fokus hat. Sie sind nicht eigentlich neu, werden aber neuerdings in zwei leicht unterschiedlichen Sprech- und Schreibweisen akzeptiert. Dabei handelt es sich nicht um eine Anpassung der Rechtschreibung, sondern um bestehende Wortvarianten, die nun gleichberechtigt behandelt werden.

Beispiele dafür:

Wort früher falsch, heute akzeptiert
murciélago murciégalo
albóndiga almóndiga
toalla toballa
vagabundo vagamundo
así asín
cocodrilo crocodilo

Auf den ersten Blick scheinen die aufgeführten Fälle Beispiele zu sein für Fehler, die so beliebt und verbreitet waren, dass die RAE sich geschlagen gegeben hat und sie anerkannte. Für mein deutsches Sprachgefühl wäre das so, als würde der Duden demnächst „Gelantine“ für „Gelatine“, „Flachbrettscanner“ für „Flachbettscanner“ oder „einzigster“ für einziger“ akzeptieren. Schlimm? Ich weiß es nicht. Und wenn ja, warum?

Wenn man hier überhaupt mit „richtig“ und „falsch“ argumentieren möchte, sollte man sich an die Wortherkunft halten, dachte ich mir. Also habe ich geschaut, wo das Wort „murciélago“ herkommt. Auf verschiedenen Internet-Seiten (Wikipediadechile.netdefinicion.de, blog de lengua) findet sich die Erklärung, dass sich das Wort ursprünglich aus lat. mur cego für «ratón ciego» zusammensetzt. Also ist die neu akzeptierte Form sogar näher an der etymologischen Herleitung als „murciélago“, die Metathese hat bereits viel früher statt gefunden und wird jetzt rückwärts vollzogen.

Im Fall von „almóndiga“ informiert uns Wikilengua darüber, dass es sich dabei nicht um eine aktuelle Modeerscheinung oder Nachlässigkeit handelt, sondern dass die Variante von albóndiga bereits seit der ersten Auflage der DRAE im Jahre 1726 registriert ist und beide Formen parallel existieren. Natürlich kann man sich streiten über das Register, dem ein Wort entstammt, und ob man „almóndiga“ als vulgarismo bezeichnen möchte, wie geschehen in den Kommentaren einer Fleischklößchen-Diskussion, die ich fand. Aber macht es das zu einem falschen Wort, wie der Kommentierende hier behauptet?

Als weiteres Beispiel für solche gebräuchlichen, von der DRAE akzeptierten, aber seiner Meinung nach falschen Wörter führt der Sprachpurist „toballa“ auf. Auch hier zeigt ein Blick auf die Etymologie, dass sich das Wort „toalla“ von „tobaja“ ableitet, das „b“ also sprachlich irgendwie naheliegt, bzw. sich erst mal zurückgebildet hat, um sich dann wieder einzuschleichen.

Das „cocodrilo“ kommt vom lateinischen „crocodilo“, und hat ebenfalls sehr früh eine Metathese erfahren. Hier fällt auf, dass neben dem Spanischen nur noch das Italienische dieselbe Lautverschiebung vorgenommen hat. Im Französischen, Englischen, Deutschen, Portugiesischen und Rumänischen ist das „r“ an der zweiten Stelle geblieben.

Und vom „vagabundo“ (vom lat. „vagabundus“) existiert bereits seit dem 14.Jh. die Variante „vagamundo“, weil es sprachlich so nah lag, den Umherstreifenden zum Weltenbummler zu machen.

All das verdeutlicht, dass sich die Sprache immer wieder verändert. Es gibt systematische und vereinzelte, spontane Lautverschiebungen in der Sprachgeschichte und die aktuellen sind nicht unbedeutender als die historischen. Das einzige, worauf es ankommt, ist, ob sie sich durchsetzen – oder sich schon längst durchgesetzt haben. Eine andere Frage ist die, ob wir Wörterbücher wie die DRAE oder den Duden als deskriptive oder als normative Werke verstehen wollen. Sagen sie uns, was richtig oder falsch ist – oder nur, welche Begriffe wir de facto verwenden?

Artikel zu den anderen neu ins DRAE aufgenommenen Worten:

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cachai

http://www.marianamatija.com/
Mariana Álvarez Matijašević

Über einen ehemaligen Schüler von mir, selbst Peruaner, ist der Artikel vor ein paar Tagen zu mir gelangt. Und ich weiß, warum: Peruaner kommen in der Nachricht sehr gut weg 😉

Die Ergebnisse der Umfrage überraschen wenig: In Chile und Argentinien wird laut Befragung das schlechteste Spanisch gesprochen, in Spanien und Peru das beste. Interessanterweise wurde die Umfrage vom sprachwissenschaftlichen Institut der Universidad de Chile durchgeführt und die rund 400 Befragten waren Chilenen. Die vorgebrachten Argumente für „schlechtes Spanisch“ sind verschluckte Buchstaben und umgangssprachliche Ausdrücke, die durch alle Bevölkerungsschichten das Spanisch der beiden Länder charakterisieren. Weiterhin ist insbesondere für das Chilenische die Rede von einem eingeschränkten Wortschatz, von erfundenen Wörtern und vielen Abtönungspartikeln, die häufig nur als Füllwörter fungieren.

Ich würde diesen Artikel gerne demnächst im Unterricht behandeln (wahrscheinlich mindestens drittes Lernjahr), denn daran lassen sich einige Punkte diskutieren, die nicht nur für das Spanische, sondern auch aus sprachwissenschaftlicher und -philosophischer Sicht interessant sind:

  • Wieso ist das Spanisch, das von insgesamt 400 Mio. Menschen gesprochen wird, so unterschiedlich?
  • Lassen sich die unterschiedlichen Realisierungen von Spanisch mit deutschen Dialekten vergleichen? Oder mit anderen sprachlichen Varietäten des Deutschen?
  • Welche Funktionen haben diese Varietäten?
  • Was ist gutes Spanisch?
  • Was ist gute Sprache?
  • Welchen Sinn macht die Frage nach gutem Spanisch/Englisch/Deutsch?
  • Wie lässt es sich erklären, dass die Chilenen ihre eigene Sprache als „schlecht“ einstufen?

Etwas ausführlicher kann man über die nachlässigen chilenischen Sprachgewohnheiten in La Cuarta nachlesen.

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Beim letzten Elternabend meiner Tochter fragte mich eine andere Mutter, was ich denn unterrichten würde, und auf meine Antwort – ehrlich interessiert- , wieso zum Geier man denn Spanisch lernen sollte. Mein Hinweis, Spanisch sei die zweit meist gesprochene Sprache der Welt, traf sie völlig unerwartet.

Tatsächlich liegt Spanisch nach den neusten Erhebungen auf Platz 2, wenn es um das Ranking der meistgesprochenen Sprachen geht. Mandarin liegt deutlich vorne (gesprochen von 12,44 % der Weltbevölkerung), dann folgen knapp hintereinander Spanisch (gesprochen von 4,85% der Weltbevölkerung) und Englisch (gesprochen von 4,83 % der Weltbevölkerung).

Allerdings gibt es verschiedene Zählungen und man muss unterscheiden zwischen der Verbreitung einer Sprache, ihrer Bedeutung als Erst- und Zweitsprache oder dem diffusen Begriff der Weltsprache. In der Verbreitung steht Englisch besser da, da sehr viele Menschen Englisch als Fremdsprache sprechen. Englisch ist somit

die einzige im Wortsinne weltweit gebräuchliche Verkehrssprache und die bedeutendste Weltsprache (Wikipedia)

Bei Mandarin gibt es zwar keine so große Verbreitung über das Landesgebiet hinaus, jedoch ist die Anzahl der Muttersprachler ungeschlagen, es sind mehr als bei Englisch und Spanisch zusammen.

Bei Spanisch ist die Verbreitung deutlich steigend, ebenso die Bedeutung als Verkehrssprache.
In diesem Sinne: ¡Adelante!

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