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Posts Tagged ‘Neue Medien’

Mindmaps sind ein großartiges Instrument, um die eigenen Gedanken zu strukturieren und um komplexe Themen anschaulich in einen thematischen und logischen Zusammenhang zu bringen. Im Sprachunterricht kann man sie darüber hinaus für die Wortschatzarbeit nutzen.

In der elften Klasse habe ich zu Beginn des Schuljahres verkündet, dass wir dieses Jahr ohne Lehrbuch arbeiten. Das ist für die meisten SuS in verschiedener Hinsicht gewöhnungsbedürftig, ein großer Unsicherheitsfaktor für sie ist – nach dem, was sie mir berichten – die Vokabelarbeit: Sie bekommen ihre Vokabeln nicht mehr in mundgerechten Happen zum Lernen aufbereitet in zwei Spalten am Ende eines Kapitels geliefert (mit dem korrekten Artikel, der dazugehörigen Präposition und dem unregelmäßigen Plural), sondern müssen sie im Unterricht mitschreiben, sie selbst nachschlagen und entscheiden, welche sie lernen und welche nicht.

Zum einen unterstütze ich das, indem ich immer mal Vokabellisten erstellen lasse, korrigiere und dann dem gesamten Kurs zur Verfügung stelle. Eine andere Methode, die ich verwende, sind Mindmaps. In den letzten Wochen habe ich im Unterricht die Militärdiktatur in Chile thematisiert. Dafür habe ich zu Beginn der Einheit jede/n Schüler/in eine Mindmap zum Thema Diktatur erstellen lassen, die sie dann im Laufe der Zeit ergänzt haben um neue Begriffe und um Chile-spezifische Termini.

Dabei thematisiere ich die Art der Darstellung. Eine Mindmap ist kein reines Brainstorming (ungefilterte Ideensammlung), sondern ein bereits klar strukturierter Zusammenhang der einzelnen Aspekte. Hierbei können unterschiedliche Strukturprinzipien verfolgt werden, z. B.:

  • eine chronologische Sortierung
  • Darstellung anhand der wichtigen Personen
  • ideologische und abstrakte Begriffe als erste Unterebene
  • offensichtliche Merkmale/Phänomene der Diktatur

Diese Möglichkeiten kann auch miteinander kombinieren. Wie auch immer man vorgeht, muss man sich überlegen, welche weiteren Unterebenen sich logisch daraus ergeben. Es erleichtert die Arbeit, wenn man von vornherein sagt, dass Begriffe durchaus doppelt vorkommen können. So kann in unserem Beispiel „la tortura“ ein Unterpunkt von DINA (der chilenischen Geheimpolizei) sein und gleichzeitig unter „violaciones de los derechos humanos“ auftauchen. In jedem Fall ist es interessant zu sehen, wie jeder sich seine eigene Struktur der Ereignisse und Merkmale erarbeitet.

In der Klassenarbeit am Ende der Einheit habe ich das Instrument der Mindmap nochmals aufgegriffen. Dazu habe ich eine Mindmap mit Leerstellen angelegt, die sich aus vielen Aspekten zusammensetzt, die Inhalt unserer Einheit waren (anzuschauen hier). Dann habe ich den Großteil der Begriffe gelöscht, den entsprechenden Zweig aber als Leerstelle stehen lassen. So ergibt sich eine Mindmapstruktur mit vielen Zweigen und Unterzweigen, die aber nur sehr lückenhaft inhaltlich gefüllt ist. Diese Mindmap musste dann in der Arbeit sinnvoll mit Stichworten ausgefüllt werden, wobei natürlich viele unterschiedliche Lösungen möglich waren.

Dabei habe ich sowohl den Umgang mit dem speziellen Fachvokabular als auch das Verständnis für die komplexe Materie abprüfen können.

Wie bin ich in der Einheit vorgegangen?

  1. Der Einstieg war ein reines Brainstorming in Listenform, um ein thematisches Vokabular aufzubauen. Dazu haben wir zunächst zwei Texte zum Thema gelesen. Die einzelnen Punkte des Brainstormings haben sich dabei sowohl aus dem Vokabular der Texte, als auch aus Assoziationen und Interpretationen der Texte und schließlich aus dem Allgemeinwissen der SuS zum Thema zusammengesetzt.
  2. Jede/r hat eine eigene Mindmap angelegt.
  3. Wir haben einige Mindmaps im Unterricht besprochen.
  4. Jede/r hat im Laufe der Einheit seine Mindmap ergänzt.
  5. Am Ende hat ein Schüler seine Mindmap im Unterricht vorgestellt.
  6. Überprüfung durch eine Mindmap mit Leerstellen

Natürlich kann man die Maps mit Stift und Papier erarbeiten lassen. Ich habe stattdessen das Online-Tool Mindmeister verwendet. Dabei handelt es sich um eine professionelle Software, die in der kostenlosen Nutzung leider nur das Erstellen von drei Mindmaps erlaubt. Andere Online-Mindmaps, die ich schon verwendet habe, sind SimpleMind, FreeMind oder iThougts. Ein großer Vorteil der digitalen Maps ist die Möglichkeit, die Struktur problemlos verändern zu können. Außerdem ist je nach App auch ein kollaboratives Arbeiten an der Map möglich, so dass man kleine Teams zusammenstellen kann, die eine gemeinsame Map erstellen.

Tipps und Besprechungen verschiedener Tools finden sich zuhauf im Internet, zB bei Lehrer-online, bei LehrerInnenfortbildung-BW oder bei studybees

Benefits der Arbeit mit Mindmaps

  • Üben, die eigenen Gedanken zu sortieren
  • Umgang mit dem Tool
  • Einprägen der einschlägigen Vokabeln
  • Bei Einsatz einer Online-Mindmap wird die Medienkompetenz geschult
  • Bei digitaler Mindmap kollaboratives Arbeiten

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Wie unsere Schüler die Neuen Medien nutzen, um fremde Sprachen zu verstehen und zu übersetzen – und was wir damit anfangen können.

In seinem Vortrag auf den Jornadas Hispánicas lotet Daniel Cassany die Möglichkeiten und Anforderungen des modernen Fremdsprachenunterrichtes aus – vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Neuen Medien. Sein Ausgangspunkt ist es, dass es sich bei unsere SuS um Digital Natives handelt. Er fragt also, welche Tools sie privat verwenden und wo Schnittpunkte liegen zwischen ihren Interessen und Lernanlässen.

Aus der Fülle von Daten, Erhebungen und Informationen des Vortrags interessiert mich vor allem ein Thema: das Übersetzen. Hier beschreibt Cassany zwei Phänomene: Scanlation und Fansubbing.

Scanlation

Die Zusammenziehung aus „Scan“ und „Translation“ meint das Scannen, Bearbeiten, Übersetzen und Verbreiten von Comics durch Fans – sowohl den Prozess als auch das Produkt dieser Arbeit. Zum großen Teil handelt es sich dabei um Mangas und in der Regel sind die Ergebnisse aus urheberrechtlichen Gründen illegal. Da aber die Autoren normalerweise ein Interesse daran haben, dass ihre Comics sich international verbreiten, werden diese Projekte geduldet, solange es keine offizielle Übersetzung in der jeweiligen Sprache gibt.

Fansubbing

Subbing meint das Erstellen von subtitles; Fansubbing ist also die Untertitelung von Filmen und Serien durch Fans. Seit den 1980er Jahren übersetzen Fans Film- oder TV-Produktionen, häufig Animes. In den 90er Jahren hat sich das Subbing dann ins Internet verlagert, wo man auch gemeinschaftlich an einem Text arbeiten kann. Im Internet gibt es zahlreiche Gruppen für Scanlation und Fansubbing.

Übersetzungsstrategien

Was mich daran besonders interessiert, sind die Vorgehensweisen, die sich bei dieser Art des Übersetzens entwickeln, insbesondere, wenn es sich um eine Ausgangssprache handelt, die man kaum oder gar nicht beherrscht. Cassany identifiziert folgende Strategien:

  • Drittsprache: bei vorliegender Parallelübersetzung in einer anderen Sprache
  • Rückübersetzung: Hin- und Rückübersetzung mit elektronischem Übersetzer
  • Google Images (oder chinesische Suchmaschine Baidu): aufschlussreich bei Gegenständen
  • Wikipedia: für Konzepte oder Begriffe, die Teil unserer Lebenswirklichkeit sind, aber (noch) nicht im Wörterbuch stehen

Speziell beim Hörverstehen von Audiovorlagen (Fansubbing):

  • Original in reduzierter Geschwindigkeit hören
  • Beim Zuhören auf einzelne Morpheme achten
  • Bei schwer identifizierbaren Wörtern die „Meinten Sie vielleicht“-Funktion von zB Google oder Wordreference in jeweiliger Sprache verwenden

Je nach Ausgangssprache gibt es unterschiedliche Online-Tools, die beim Übersetzen weiterhelfen. Wenn man SuS hat, die sich für Comics/Mangas oder exotische Serien/Anime begeistern, kann es lohnend sein, die Eigenmotivation zu nutzen und sie vor die Aufgabe zu stellen, Textauszüge in ihre Muttersprache zu übersetzen.

In einem Projekt meines Seminarfachs „Übersetzung“ wird beispielsweise ein chinesischer Schüler mit der Hilfe eines deutschen Mitschülers Mangas ins Deutsche übertragen.

Einsatz im Spanischunterricht

Für den Spanischunterricht müsste man nicht-übersetzte spanischsprachige Comics oder YouTubes suchen, die von SuS ins Deutsche übertragen werden. Lerneffekte:

  • kulturelles Lernen (gerade beim Comic sind Umgangs- und Alltagssprache vorherrschend)
  • Entwickeln eigener Strategien
  • forschendes Lernen
  • Medienkompetenz

Weiterlesen zum Thema:

  • Inside Scanlation informiert über Entstehung, Geschichte und Hintergründe von Scanlation und listet Gruppen und Projekte.
  • fansubDB ist eine aktive Plattform für deutsche Übersetzungen

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Mit interaktiven Bildern, etwas Spielfreude und Kreativität kann man die Vermittlung von Inhalten durch visuelle Reize unterstützen. 

Im Vortrag von Cristina García Sánchez auf den diesjährigen Jornadas Hispánicas habe ich die Plattform thinglink kennengelernt, auf der man interaktive Bilder finden, verändern, selbst basteln und weiter verwenden kann. Einen Account bekommt man kostenlos und die Möglichkeiten sind vielfältig.

Bisher habe ich noch nicht viel damit experimentiert und aufgrund der Ferien auch noch nichts im Unterricht ausprobieren können. Trotzdem möchte ich Idee und Funktionsweise hier vorstellen.

Das Prinzip besteht darin, verschiedene Ressourcen als Markierungen mit einem Bild zu verlinken. Diese Ressourcen können erläuternde Texte sein, weitere Bilder, WebsitesGoogle-Maps-Karten, pdf-Dokumente, Video- oder Audio-Dateien. So kann man ein Thema durch verschiedene Medien erklären, anseh- und anhörbar machen, illustrieren, vertiefen und mit Beispielen versehen.

Registrieren

Bei thinglink habe ich die Möglichkeit, mich als teacher zu registrieren. Das ist nicht nur kostenlos, sondern ich habe zusätzlich die Möglichkeit, bis zu 100 SuS einzuladen, die ebenfalls kostenfrei meine Bilder sehen dürfen. Außerdem gibt es weitere Features, um thinglink in den Unterricht zu integrieren.

Beispiele

Eine typische und einfache Möglichkeit des Einsatzes ist die Wortschatzarbeit. Unterstützt durch die Bilder können SuS sich mit den neuen Vokabeln vertraut machen:

So können individuelle Bildwörterbücher entstehen. Mit der Ergänzung um eine hinterlegte Vokabelliste, um ein Quizlet oder ein Lehrvideo wie im Beispiel oben ist das interaktive Foto auch denkbar als Grundlage für eine Stunde „Flipped Classroom„.

Für inhaltliche Arbeit kann das interaktive Bild dazu dienen, verschiedene Aspekte eines Themas in einem Dokument zu vereinen und das Ganze noch ansehnlich zu verpacken. Als Beispiel dafür habe ich ein thingling-Bild zum Thema „El día de la poesía“ gefunden:

Wie es funktioniert

Verwenden bestehender thinglink-Bilder: Die Plattform lässt sich mit Stichwörtern nach verlinkten Bildern durchsuchen. Ich kann jedes der bestehenden Bilder verwenden; die drei Beispiele auf dieser Seite habe ich völlig unverändert übernommen, ich kann die Bilder und Links aber auch meinen Vorstellungen entsprechend verändern.

Eigene Bilder verwenden: Um eigene thinglink-Bilder zu erstellen, kann ich Fotos aus Flickr, von meinem Facebook-Account, aus dem Internet oder von meiner Festplatte verwenden (auf die Nutzungsrechte muss ich selbstverständlich selbst achten). In einem thinglink-Gratis-Account kann ich bis zu 100 Bilder speichern.

Links setzen: Zum Verlinken klickt man auf die Stelle im Bild, an der der Link erscheinen soll. Ein Menüfenster öffnet sich, über das man die zu verlinkende Datei und die Form des Link-Markers, der im Bild sichtbar ist, auswählt.

Bilder teilen: Sowohl die Bilder anderer als auch meine selbst erstellten kann ich in den gängigen sozialen Netzwerken teilen oder in eine beliebige Website einbetten.

Technisch wird die Verknüpfung über Rich Media Tags realisiert, die es ermöglichen, die eingebetteten Inhalte direkt im Bild anzuzeigen. Eine weitere Einsatzmöglichkeit besteht darin, nicht nur ausgewählte Informationen über die Verknüpfungen zur Verfügung zu stellen, sondern Dritten die Möglichkeit zu geben, Änderungen vorzunehmen. So kann man die Lerngruppe aktiv in die Sammlung von ergänzenden Informationen einbeziehen – oder aber Aufgaben stellen, die die SuS durch Eintragen der Lösung erledigen können.

Im Unterricht

In einer landeskundlichen Einheit können Landkarten mit Informationen angereichert werden; Audio-Dateien geben Aufschluss über die Aussprache von Vokabeln; ein interaktiver Zeitstrahl kann historische Abläufe veranschaulichen.

Thinglink-Bilder können auch als Grundlage für einen Kurzvortrag dienen, sozusagen als Alternative für eine Powerpoint-Präsentation. Die verlinkten Bilder, Filme und Texte unterstützen den Vortrag und erleichtern die freie Rede in der Fremdsprache.

Natürlich ist die Einarbeitung mit Aufwand verbunden und man macht sich abhängig von einer Plattform, die jederzeit verschwinden oder ihre Nutzungs-Konditionen ändern kann. Thinglink wird sicherlich nicht den Unterricht revolutionieren, aber neue technische Möglichkeiten bieten neue Perspektiven und regen dazu an, herkömmliche Aufgaben anders zu denken.

Von meinen Erfahrungen werde ich berichten 🙂

P.S.: Hier noch ein Tutorial zu thinglink:

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Wo finde ich Bilder, Filme, Texte, die ich im Unterricht einsetzen kann, ohne Urheberrechte zu verletzen?

Offene Bildungsressourcen (auch Open Educational Resources, kurz OER) und ihren Nutzen hatte ich bereits hier im Blog beschrieben. Wie finde ich aber solches Material?

Bilder

Viele Suchmaschinen haben die Möglichkeit, die Ergebnisse einer Bildsuche nach Lizenzen zu filtern. Das sind dann keine als Bildungsressourcen speziell ausgezeichneten Fundstücke, aber ich kann sie natürlich als solche verwenden.

moneda-oer

Bildsuche bei google

Wenn ich etwa bei der google-Bildersuche „santiago de chile moneda“ eingebe, weil ich Bilder vom chilenischen Präsidentenpalast suche, kann ich unter „Suchoptionen/Nutzungsrechte“ einen entsprechenden Filter auswählen. Dabei wähle ich immer die Option „nicht kommerziell“ aus und je nachdem, was ich mit dem Bild vorhabe, schließe ich die Erlaubnis zur Veränderung mit ein. Yahoo oder Bing bieten dieselben Filtermöglichkeiten.

Auch die Foto-Community Flickr bietet die Möglichkeit, Bilder nach Lizenzen zu filtern. Mit dem Projekt „Commons“ macht Flickr darüber hinaus öffentliche Fotoarchive gemeinfrei zugänglich.

Videos

youtube-lizenzfilter

YouTube-Lizenzfilter

Auch YouTube bietet die Möglichkeit, nach Lizenzen zu filtern.

Search.creativecommons ist nicht im eigentlichen Wortsinn eine Suchmaschine, weil die Ergebnisse nicht kontrolliert werden. Aber Service und Funktionsweise sind vergleichbar der einer Metasuchmaschine für Creative Commons-Material, d.h. ich kann über eine Suchmaske verschiedene Sammlungen (u.a. Flickr, Google, YouTube, SoundCloud) in einem Schritt absuchen.

Spezielle Suchmaschinen für OER

Die folgenden URLs habe ich aus dem Vortrag über OER von Victoria Castrillejo auf den diesjährigen Jornadas Hispánicas.

Audio

  • Jamendo und Soundcloud – für Musik
  • ivoox – für Musik, Podcasts, Live-Radio, Hörspiel-Serien, Hörbücher, Vorträge etc.

Linkliste von internationalen Portalen für OER

Portale für spanischsprachige OER

  • temoa – Aus dem „Acerca de“: „Contiene recursos educativos seleccionados, descritos y evaluados por una comunidad académica. Categoriza los recursos por área del conocimiento, nivel educativo e idioma, entre otros. Ofrece un motor de búsqueda de fácil uso a través de filtros intuitivos. Permite la creación de comunidades alrededor de los recursos educativos.
  • procomun – Aus dem „Acerca de“: „Espacio destinado a usos educativos y de aprendizaje, fundamentalmente por parte de la comunidad docente y el alumnado, pero también por el público en general. Todos podrán buscar, consultar y descargar objetos de aprendizaje en distintos formatos.“

Sammlungen für Material für E/LE

Didaktische Einheiten und vollständige Kurse

Material für Lehreraus- und Weiterbildung

 

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Das Thema ist nicht neu. Ich habe hier meine mal Überlegungen neu strukturiert und eine Art Checkliste für die Umsetzung im Unterricht erstellt.

Das Prinzip des Flipped classroom war hier im Blog schon Thema. Ich habe die Methode allerdings bisher wenig eingesetzt. Würde das aber gern häufiger. Angeregt durch den Vortrag von Mareike Gloeckner auf den Jornadas Hispánicas und ihre Praxiserfahrungen habe ich Fragen zusammengestellt, die man sich vor der Umsetzung stellen sollte.

Wann lohnt es sich, den Unterricht umzudrehen?

Sicherlich immer dann, wenn der Kenntnisstand zu einem Unterrichtsgegenstand sehr unterschiedlich ist, also wenn

  • entweder ein Thema neu einsetzt und die Vorkenntnisse weit auseinander gehen
  • oder ein Thema für einige SuS bereits eine Wiederholung ist und für andere etwas Neues darstellt.

Das bedeutet für mich, dass ich diese Methode eher für Spanisch als 3. Fremdsprache einsetzen würde (da die Erfahrungen mit Fremdsprachen dort meist sehr unterschiedlich ausfallen) oder für fortgeschrittene Lernjahre von Spanisch als 2. Fremdsprache (wenn die Zusammensetzung der Gruppe sich bereits verändert oder der Lernstand sich mit der Zeit weit auseinander dividiert hat).

Welche Materialien verwende ich für die häusliche Vorbereitung?

Im Zusammenhang mit Flipped classroom ist immer von Erklärvideos die Rede. Wenn man Videos einsetzen will, hat man die Wahl,

  • entweder Videos selbst zu erstellen (mit erheblichem Aufwand verbunden, besonders bei den ersten – macht aber auch Spaß, wenn erste Ergebnisse entstehen). Erklärvideos selbst erstellen
  • oder vorgefertigte Filme zu verwenden, wobei ich bei der Art der Darstellung, der Tiefe der Behandlung oder bei Stil der Zeichnungen meistens Kompromisse eingehen muss und immer denke „Hätte ich selbst vielleicht besser, aber auf jeden Fall anders gemacht.“

Die fertigen Filme kann man auf Youtube suchen oder man besorgt sich einen Account bei Sofatutor.com. Was ich bisher nicht wusste: Man kann als Lehrkraft dort ein Jahr lang einen kostenfreien Zugang bekommen.

Andererseits steht und fällt das umgedrehte Klassenzimmer nicht unbedingt mit dem Einsatz von Videos. Ebenso gut kann man andersartiges Material verwenden: Kopien aus einem Grammatikbuch, Lexikonartikel, Websites, auf denen Informationen gesucht werden sollen. Mit all dem können SuS sich einen ersten Zugang zum Thema verschaffen.

Was mache ich mit den SuS, die ihre HA nicht gemacht haben?

Diese Methode basiert darauf, dass SuS sich zu Hause Kenntnisse aneignen, die sie im nächsten Unterricht überprüfen, vertiefen und einüben sollen. Das bedeutet, dass die Hausaufgaben eine entscheidende Konsequenz für den Unterricht haben. Deshalb sollte man sich vorher überlegen, wie man mit unvorbereiteten SuS umgeht. Denkbar ist:

  • Die Hausaufgabe könnte im Unterricht nachgeholt werden. Bei Lernvideos muss dafür sicher gestellt sein, dass die technische Möglichkeit besteht.
  • Man bildet Tandems, in dem jeweils ein vorbereiteter Schüler einem unvorbereiteten die Informationen vermittelt. Guter Nebeneffekt: Viele lernen besonders gut, indem sie Stoff an andere vermitteln.
  • Ich kann als Lehrerin ganz traditionell die Wissensvermittlung für die Unvorbereiteten und eventuell diejenigen, die sich nicht gut vorbereitet fühlen, im Unterricht nachholen. Hierfür trenne ich die Gruppe, so dass die anderen wie geplant üben können. Das ist u.U. auch eine gute Variante zum Einsteigen, weil vielleicht das selbstständige Erarbeiten von Stoff erst einmal eingeübt werden muss.

Ganz konkret: Für welche Aspekte eignet sich der Flipped classroom?

  • Wortschatzarbeit: Insbesondere in den ersten zwei Lernjahren der 2. Fremdsprache kann man viele Wortfelder spielerisch vermitteln. Hierfür gibt es gute Beispiele auf Sofatutor. (Zur Veranschaulichung der Anfang eines Sofatutorials für Farben und Kleidung.)
  • Einführung eines Grammatikkapitels (zB Formen und Anwendung des Indefinido – ein beliebiges Lernvideo bei YouTube)
  • Thematische Arbeit: Informative Videos zur Landeskunde, Geschichte oder als Hintergrundinformation zu Lektüren in der Oberstufe

In den drei Fällen kann man ein Arbeitsblatt mit zur Vorbereitung geben, damit den SuS deutlich ist, was sie sich aneignen sollen. Im anschließenden Unterricht können dann weitere differenzierte Arbeitsblätter die Lernergebnisse überprüfen.

Zwei weitere Anwendungsbereiche habe ich noch nicht getestet, sie entsprechen auch nicht dem klassischen Modell, ich stelle mir das aber lohnend vor:

  • Leseverstehen: Ein Text wird zu Hause gelesen und das Verständnis durch Stichworte oder eine Textgliederung dokumentiert. Im Unterricht werden die Stichworte in Gruppen verglichen, korrigiert, am Text verifiziert, evtl. werden gemeinsam Fragen zum Text beantwortet.
  • Hörverstehen: ebenso wie Leseverstehen, aber ausgehend von einem Hörtext, den die SuS zu Hause hören können, so oft sie wollen.

Ein ganz praktischer Tipp: Um den jeweiligen Link zur häuslichen Vorbereitung zu verteilen eignet sich die Darstellung mithilfe des QR-Codes.

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OER (Open educacional resources) ist der Kurzbegriff für offene Bildungsressourcen. Damit sind Lehr- und Lernmaterialien gemeint, die ich nicht nur kostenfrei verwenden, sondern – je nach Lizenzmodell – auch weitergeben und verändern darf.

SpeedLab-OER

Grafik: werkstatt.bpb.de

Die Urheberrechtsbestimmungen im Bildungsbereich sind nicht nur kompliziert, sondern auch an vielen Stellen unpräzise und unterliegen – aufgrund der sich ständig verändernden Bildungs- und Medienlandschaft – starken Veränderungen und natürlich der jeweiligen Auslegung. Als Lehrer/innen befinden wir uns in einer Grauzone, in der wir eigentlich immer zählen müssten, wie viele Kopien wir aus einem Buch machen, und uns darüber im Klaren sein müssten, was eine „vergleichbare, für längere Zeit unverändert bleibende Arbeits- bzw. Neigungsgruppe“ ist. (Siehe hierzu den Vortrag von Matthias Spielkamp).

Für mehr Rechtssicherheit und damit für mehr Freiheit und Kreativität im Umgang mit Lehrmaterial sorgen Initiativen, die Offene Bildungsressourcen erstellen und bei der Erstellung helfen, die OER verbreiten und darüber informieren – wie der Open Course #COER13. Einer der Einführungsfilme des Kurses erklärt, was OER sind und wieso wir sie brauchen:

Im folgenden Beitrag von ZDF info geht es zunächst um die gleichen Fragen des Urheberrechts und der digitalen Vervielfältigung. Der Lehrer im Film engagiert sich für offene Bildungsressourcen bei OERcommons. Der abschließende Satz wirft dann sehr viel weiter gehende Fragen auf, die man sicherlich nicht ignorieren darf:

Es geht bei der Frage, ob man eine Seite aus einem Schulbuch digital kopieren, darf also längst nicht mehr nur um das Urheberrecht. Es geht um das System Schule und die Chance, den Schülern neue, wesentliche Kulturtechniken beizubringen.

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Der Einsatz von Wikis im Unterricht kann nicht nur motivierend wirken, weil SuS sich in einem Medium bewegen können, in dem sie sich zu Hause fühlen. Wikis haben auch den Vorteil, dass sie zu strukturiertem Denken anhalten und dass ich als Lehrerin einen perfekten Einblick in den jeweiligen Arbeitsstand der SuS habe.

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Foto: Andrew Laing / wikimedia commons

Wiki kommt von dem hawaiianischen Wort wikiwiki für „schnell“. Es ist der Name für eine Onlineplattform, die es ermöglicht, schnell Informationen zusammenzuführen, sich schnell zu vernetzen und schnell gemeinsam an einem Thema oder Projekt zu arbeiten. Die grundsätzlichen Darstellungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten sind jedem von Wikipedia her bekannt: Es handelt sich um Seiten und Unterseiten, die von überall aus bearbeitet und untereinander durch Hyperlinks verknüpft werden können.

Einer meiner Kurse arbeitet an individuellen Aufgaben, wofür die SuS recherchieren, das Material strukturieren und für eine Präsentation zusammenstellen sollen. In der vergangenen Woche habe ich eine Doppelstunde mit dem Kurs im Computerraum verbracht, um sowohl die Recherche als auch die Sicherung und Strukturierung des Materials anleiten zu können. Vorher habe ich ein Wiki angelegt, in dem jede/r Schüler/in eine Seite für das eigene Thema hat.

In der Stunde habe ich zunächst kurz erklärt, wie sie mit dem Wiki arbeiten. Dann konnten alle das www nach Informationen durchforsten. Gegen die Strukturierung durch Überschriften oder durch Listen haben sich einige anfangs gewehrt, schließlich fanden aber alle die Instrumente sehr hilfreich, die das Wiki bietet, um die eigenen Gedanken zu sortieren. Zu Hause können die SuS ihre Seite weiter vervollständigen. Ich habe Zugriff auf alle Seiten, so dass ich nicht nur sehen kann, ob und wieviel gearbeitet wird, sondern ich kann auch selbst kleine Hinweise auf die Seiten schreiben, vielleicht einen hilfreichen Link oder ein Stichwort hinterlassen.

Ich verwende dafür Dokuwiki, ein kostenloses Wiki, das einfach zu installieren und bedienen ist. Man kann damit sowohl öffentliche als auch geschlossene Wikis anlegen. Ein weiterer großer Vorteil aus meiner Sicht ist ein Template (eine Layout-Vorlage), das den Seiten das Aussehen von Wikipedia gibt. Dadurch wirkt der eigene Inhalt „irgendwie professionell“, wie die Schüler sofort begeistert feststellten. Außerdem motiviert dieser Wiedererkennungseffekt bei der Arbeit.

Vorteile eines Wikis:

  • schnelle Sammlung von Material, Links, Texten
  • Ideal zur Strukturierung von Material und Gedanken
  • Zugriff ist von überall
  • Kontrolle und Hilfe durch Lehrkraft jederzeit möglich
  • Wikipedia-Design wirkt professionell und motiviert

In meinem Beispiel für die Nutzung eines Wiki, vernachlässige ich die kooperative Komponente, die eigentlich ein wesentlicher Bestandteil der Wiki-Kultur ist (siehe Wikipedia). Sobald es sich anbietet, werde ich deshalb auch Projekte im Team per Wiki realisieren.

Hier ein kleiner „Lehrfilm“ über Wikis auf Spanisch (4 min):

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youtube-logo(2)

Der Titel des Postings verspricht mehr, als ich halten kann. Ich habe bei SmartTeaching.org einen Beitrag mit diesem Namen gefunden. Noch habe ich nicht alle 100 YouTube-Filme gesehen, zumindest aber, was für das Fach Spanisch interessant hätte sein können, kann ich nicht empfehlen. Teach Your Children Spanish kann vielleicht als Parodie mal die Klasse erheitern, Spanish for Gringos ist schon nicht mehr verfügbar, die 30 sec Picasso haben höchstens anekdotischen Wert und Salvador Dalí ist eine mit sphärischen Klängen unterlegte Aneinanderreihung von Werken Dalís.

Unter Inspiration sind die meisten Videos bereits nicht mehr zu finden. Unter Teaching is amazing verbirgt sich eine eher peinliche Aneinanderreihung von pathetischen Zitaten von und über Lehrer zu bedeutsamer Musik vor dramatischen Naturkulissen (nebenbei: kaum lesbar wegen schlecht gewählter Farben).

Wirklich inspirierend sind hingegen die Auftritte des US-amerikanischen Slam poet und Lehrers Taylor Mali. In What Teachers Make oder The Miracle Workers spricht er leidenschaftlich und mitreißend über seine Berufung zum Lehrer. So, dafür hat’s sich gelohnt!

Ansonsten mein Fazit: Ich werde wohl eine eigene Liste von YouTube für Lehrer anlegen.

via: http://www.smartteaching.org/blog/2008/08/100-best-youtube-videos-for-teachers/

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YouTube hat längst die Klassenzimmer erobert. Der wahrscheinlich meist gehörte Satz in einer Fortbildung, an der ich kürzlich teilgenommen habe, lautete: „Dazu können Sie die Schüler ein YouTube machen lassen.“

Schlagartig wurde mir klar, warum ich in letzter Zeit auf der Suche nach literarisch mittel- bis hochwertigen Texten regelmäßig eine Fülle von gruseligen Diashows mit eingeblendeten Gedichtzeilen bei YouTube gefunden hatte. So sieht es also aus, wenn man die Schüler  „YouTubes machen lässt“. Trotz der manchmal fragwürdigen Ergebnisse (wo gibts die nicht?) ist das sicherlich eine sinnvolle Auseinandersetzung mit einem Text – von Zeit zu Zeit. Das Medium sowie die damit  verbundene Öffentlichkeit wird Schüler in der Regel inspirieren und motivieren, und die Verknüpfung mit selbst gewähltem Bildmaterial vertieft die Beschäftigung mit dem jeweiligen Text.

Außerdem kann man ja auch mit den fremden YouTube Videos arbeiten. Fremde Interpretationen regen häufig zu eigenen Gedanken an.

Aussehen kann das dann so: Pablo Neruda, Poema XX
Oder so: Francisco de Quevedo, Amor constante

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