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Posts Tagged ‘Literaturtipp’

Rosa Ribas und Sabine Hoffmann haben gemeinsam einen Roman geschrieben – vierhändig und zweisprachig. Sie haben das Buch und ihre Technik des gemeinsamen Schreibens gestern abend in einer Lesung in Berlin vorgestellt.

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Rosa Ribas (rechts) und Sabine Hoffmann im Gespräch nach der Lesung

In lauschiger Wohnzimmeratmosphäre bei Häppchen und Wein in der Buchhandlung Rayuela haben Rosa Ribas und Sabine Hoffmann ihren Roman, oder besser gesagt, ihre zwei Romane vorgestellt.

Handlung

„Don de lenguas“ ist eine Kriminalgeschichte, die in Barcelona des Jahres 1952 spielt. Der Roman beginnt mit einer Leiche auf den ersten Seiten, es folgen ineffiziente Polizeiarbeit und zwei Frauen, die sich aus verschiedenen Gründen mit dem Fall befassen. Bei den Hauptfiguren handelt sich um eine junge Journalistin und eine promovierte Sprachwissenschaftlerin; keine von beiden kann im Frankismus ihrer Arbeit im eigentlichen Sinne nachgehen. Bald stoßen sie bei den Ermittlungen auf Ungereimtheiten, werden neugierig und beginnen, auf eigene Faust nachzuforschen.

Thematisch ist das Geschehen überschattet von der Franco-Diktatur, von Staatsterrorismus, von Presse und Polizeiarbeit im Dienste des Regimes und von der systematischen Diskriminierung der Frauen. Demgegenüber steht ein unspektakuläres, aber mächtiges Instrument, dessen sich die Protagonistinnen bedienen, um Stück für Stück den Fall zu lösen: die Sprache.

Wie schreibt man zweisprachig?

Neben der Handlung des Romans und der sehr schönen zweistimmigen Lesung einzelner gut ausgewählter Stellen, zT auf Deutsch, zT auf Spanisch, stand die Entstehungsgeschichte dieses Romans „a cuatro manos“ gestern Abend im Mittelpunkt.

Die Idee war es von Anfang an, einen Roman zu zweit in zwei Sprachen zu schreiben. Rosa Ribas ist spanische Mutterrsprachlerin, Sabine Hoffman deutsche, beide sprechen aber die jeweils andere Sprache gut. Nachdem Handlung und Figurentableau so genau wie möglich umrissen waren, haben die beiden Autorinnen Szenen unter einander aufgeteilt und in ihrer jeweiligen Muttersprache verfasst. Die Szenen wurden dann aneinander gefügt und im Zusammenhang überarbeitet.

So entstand zunächst ein Text aus Passagen in spanischer und in deutscher Sprache. Dann haben beide die Passagen der jeweils anderen in die eigene Sprache übersetzt, so dass am Ende nicht ein Original und eine Übersetzung vorlagen, sondern zwei Romane, die beide halb Original und halb Übersetzung waren.

Übersetzung

Besonders interessant für mich war die Aussage der Autorinnen, dass die Übersetzung der Passagen nochmals zu größeren Überarbeitungen in beiden Sprachen geführt habe. Zum einen habe es selbstverständlich kulturell bedingt größeren Erklärungsbedarf in der deutschen Version gegeben. Darüber hinaus sei aber auch die Art des Erzählens in beiden Sprachen durchaus unterschiedlich; zum Beispiel weiche die Toleranz gegenüber Redundanzen deutlich voneinander ab.

Insgesamt hat die Arbeit am Roman dreieinhalb Jahre gedauert. Mittlerweile liegt der Krimi nicht nur in spanischer und deutscher Sprache, sondern auch in italienischer und englischer Übersetzung vor. Wobei er – meiner Meinung nach kurioserweise – auf Englisch unter dem Pseudonym Sara Moliner veöffentlicht wurde, weil man dem Publikum auf der Titelseite kein Autorinnen-Duo zumuten wollte.

Der wunderbare Titel „Don de lenguas“ wurde im deutschen durch „Das Flüstern der Stadt“ und im Englischen mit „Whispering city“ wiedergegeben. Auch darüber wurde im Anschluss noch angeregt diskutiert.

Ein toller Abend mit vielen Anregungen.

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Drei Literaturexperten und Kenner Lateinamerikas und Spaniens haben gestern Abend im Ibero-Amerikanischen Institut herausragende Titel spanischsprachiger Literatur vorgestellt, die in 2014 in deutscher Übersetzung erschienen sind.

Gestern hat mich meine Berliner Kulturwoche ins Ibero-Amerikanische Institut geführt. In Zusammenarbeit mit den Freunden des IAI bespricht das „Literarische Terzett“ seit 2007 etwa einmal jährlich öffentlich Neuerscheinungen aus dem spanischsprachigen Raum. Manchmal steht ein Land oder eine Region im Mittelpunkt, diesmal sollte der gemeinsame Nenner ein thematischer sein, nämlich „Fragen des Überlebens“.

Das Terzett besteht aus dem Publizisten Peter B. Schumann, dem Romanisten Prof. Dr. Dieter Ingenschay (Humboldt-Universität zu Berlin) und dem Dramaturgen und Literaturwissenschaftler Dr. Florian Borchmeyer (Schaubühne Berlin). Sie haben sechs Bücher von Autoren aus sechs Ländern vorgestellt und zT sehr kontrovers diskutiert. Die erzählte Geschichte, Sprache, Aufbau, Originalität, Recherche der Fakten, aber auch Qualität der deutschen Übersetzung wurden berücksichtigt.

Vorgestellte Titel mit meinen Stichwort-Notizen

  • Eduardo Halfon (Guatemala): Der polnische Boxer – Erzählungen auf der Suche nach Wurzeln und Heimat, sehr kontrovers besprochen
  • Leonardo Padura (Kuba): Ketzer – gut recherchierte Geschichte über Ketzer aus fünf Jahrhunderten auf über 500 Seiten
  • Yuri Herrera (Mexiko): Der König, die Sonne, der Tod – narconovela* – Trilogie
  • Roberto Bolaño (Chile): Mörderische Huren – Erzählungen von krummen Lebenswegen schräger Figuren, erzählte Unterhaltung
  • Juan Gabriel Vázquez (Kolumbien): Das Geräusch der Dinge beim Fallen – narconovela*; gelobte Übersetzung von Susanne Lange
  • Rafael Chirbes (Spanien): Am Ufer – Thema: Spanische Wirtschaftskrise und was sie aus den Menschen macht

*Zwei der Bücher lassen sich dem Genre der narconovela zuordnen, handeln also von der Gesellschaft, die tief verstrickt ist in die Geschäfte der Drogenkartelle und die bestimmt wird durch Korruption und Gewalt. Dass es sich hier nicht nur um eine thematische Beschreibung, sondern um eine Genre-Zuordnung handelt, lässt sich festmachen an einem eigenen Personeninventar, das charakteristisch ist für das Genre.

Alles in allem viele Buchtipps und ein anregender Abend!

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Urs M. FiechtnerIch hatte bisher erst einmal die Gelegenheit, eine Lesung von Fiechtner mitzuerleben. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich noch nicht als Lehrerin. Aber die Möglichkeit, solche Darbietungen in den Unterricht einzubinden, machte das Lehramt für mich umso interessanter.

Fiechtner wurde 1955 in Bonn geboren und wuchs in Chile auf. Noch als Schüler ging er zurück nach Deutschland, wo er  1976 die interkulturelle Autorengruppe 79 gründete und mit 21 Jahren sein erstes Buch heraus: eine Lyrikanthologie über Freiheit und Zivilcourage, die ein Erfolg wurde. Seitdem sind zahlreiche Lyrik- und Prosabände erschienen, viele davon in Zusammenarbeit mit Sergio Vesely oder anderen Mitarbeitern der Autorengruppe. Fiechtner schreibt Lyrik wie Prosa bis hin zu Interpretationen indianischer Überlieferungen, historischen Erzählungen, dokumentarischen Skizzen, Satiren, Übersetzungen, Jugendbüchern oder Literatur-&-Musik-Aufnahmen.

Fiechtner kann bei seiner Arbeit auf zwei Sprachen und zwei Kulturkreise zurückgreifen, was Inhalt und Sprache seiner Texte gleichermaßen bereichert. Ebenso prägend für seine Arbeit wie die literarischen Wechselwirkungen von Formen und Kulturen ist für Fiechtner die Verbindung von Literatur und Musik.

So lebendig und ausschlaggebend diese Brückenschläge auch für die Form der Werke Fiechtners sind, steht für mich das Bewusstsein hinter der inhaltlichen Botschaft doch im Vordergrund. Auf seiner offiziellen Homepage werden als Schlagworte für seine Texte amnesty international, Asyl, Diktatur, Folter, Menschenrechte, Indigene Völker/Indianer, Krieg, Menschenrechtsorganisationen, Rassismus, Toleranz, Widerstand und Zivilcourage aufgeführt.

Und das Beste – das, worauf ich eigentlich hinaus wollte: Ein fester Bestandteil von Urs M. Fiechtners Schaffen sind seine Veranstaltungen für Schulklassen.

Fiechtner liest vorzugsweise für Schüler/innen der Klassen 9-13 , bei vorangegangener Lektüre auch für 8. Klassen (alle Schularten). Themen und Gestaltung werden in Absprache mit den Lehrern der Altersgruppe und dem Unterrichtszusammenhang angepasst.

Mehr zu den Konditionen seiner Lesungen finden sich auf der Seite von Menschenrechte in der Schule

Ich werde mich auf jeden Fall um eine Lesung im Unterricht bemühen und dann hier berichten.

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Die Romanistin und Professorin für Romanistische Sprachwissenschaft Jutta Langenbacher-Liebgott hat eine umfangreiche Literaturliste zur Fachdidaktik Spanisch veröffentlicht. Mit dem Stand 05/2009 ist sie noch recht frisch

Hier finden sich u.a. Standardwerke, offizielle Papiere wie Lehrpläne, Richtlinien, Curriculum, Gesetze und Vorgaben, Veröffentlichungen zu Bildungsstandards und Bildungspolitik und Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (KMK). Werke zur Allgemeinen Fremdsprachendidaktik, zu Fremdsprachenerwerb und Fremdsprachenforschung, zu Unterricht, allgemeiner Didaktik und Mehrsprachigkeit. Es folgen Veröffentlichungen zum Fremdsprachenlernen in verschiedenen Lebensaltern, sowie zu Lehr- und Lernmethoden und -strategien sowie zu Literatur- und Sprachunterricht, Landeskunde, Medien im Unterricht und Leistungsüberprüfungen.

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