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Ein Gedicht für das zweite oder dritte Lernjahr, das viel Sprachwitz hat und die Arbeit mit semantischen Feldern sowie den Umgang mit sprachlichen Bildern ermöglicht.

Die Gedichte von Carmen Gil sind für Kinder geschrieben, und das ist normalerweise für SuS nicht besonders motivierend. Beim genauen Hinsehen findet sich aber in vielen ihrer Texte ein Umgang sowohl mit den Inhalten als auch mit der Sprache, der gar nicht so kindlich ist. Nicht selten enthalten die Texte Ironie und Augenzwinkern, sprachlich fällt die Verwendung von Stilmitteln und Sprachspielen auf. Ein gutes Beispiel für diesen verspielt-unterhaltsamen Stil ist das Gedicht „El desordenador“.

https://www.flickr.com/photos/cibercorresponsales/7936122782

cc-by cibercorresponsables

El desordenador

Anda el ordenador
subido de color
y algo desordenado
desde el martes pasado.

Navega en un mensaje
sin pasaje ni viaje.
Vaga etéreo y errático
por el mar informático.

Una computadora
cubana lo enamora,
atravesando el charco
sin avión y sin barco.

Lo conquista despacio
por el ciberespacio.
Al cabo le da coba,
entre arrobo y arroba.

Con un abracadabra,
de palabra en palabra,
lo vuelve del revés:
la cabeza en los pies.

Padece hipertensión,
se le mueve el ratón,
se le abre una carpeta,
se vuelve majareta…

Archiva corazones
por todos los rincones.
Imprime sólo flores
de todos los colores.

Y vive enamorado,
día y noche colgado
del hilo telefónico,
en su cielo electrónico.

Einige Vokabeln sollten dem Text beigefügt werden:

  • etéreo – ätherisch, himmlisch
  • erratico: umher irrend, vagabundierend, fehlgeleitet
  • atravesar: überqueren
  • el charco: die Pfütze, der „große Teich“
  • al cabo de: nach
  • la coba: die Schmeichelei
  • el arrobo: das Entzücken
  • volver a alg. del revés: jemanden völlig durcheinander bringen
  • padecer: leiden an
  • hipertensión: Bluthochdruck (tensión: Spannung)
  • la carpeta: die Mappe, (im Computer:) der Ordner
  • majareta: verrückt

Als Aufgabenstellungen bietet sich an:

  • Aufstellung der großen semantischen Felder:
    • el ordenador: el ordenador, subido de color, el mensaje, informático, la computadora, el ciberespacio, la arroba, el ratón, la carpeta, archivar, imprimir, el hilo telefónico, el cielo electrónico.
    • el viaje: andar, navegar, el pasaje, el viaje, erratico, vagar, por el mar, atravesando el charco, el avión, el barco.
    • el enmoramiento/los sentimientos: desordenado, subido de color, enamorar, la conquista, la coba, el arrobo, volver del revés, la cabeza en los pies, hipertensión, se vuelve majareta, corazones, flores, enamorado, el cielo.
  • Beschreiben und gemeinsames Erklären der Wortspiele:
    • ordenador/desordenado
    • el „viaje“ por el ciberespacio
    • el ordenador (español) vs. la computadora (cubana)
    • „al cabo de la coba“
    • „entre arrobo y arroba“
  • Schilderung der Symptome:
    • „padece hipertensión“, Was ist „Hochdruck“ beim Computer? Wieso macht „tensión“ das Wort hier doppeldeutig?
    • „se le mueve el ratón / se le abre una carpeta“. Wie funktionieren diese Ausdrücke? Grammatikalisch und semantisch? Findet ähnliche Ausdrücke (evtl. auf deutsch), um die Verliebtheit verschiedener Gegenstände zu beschreiben: zB einer Waschmaschine (se le sube la temperatura), eines Autos (se le abren las puertas), eines Klaviers (se le brincan las teclas) etc.
    • Wie lassen sich diese Ausdrücke zurück übersetzen in den menschlichen Bereich? (Se le mueven las orejas; se le abre la boca; se le tiemblan las rodillas… )
    • „archiva corazones […] imprime solo flores …“ Wie funktionieren diese Ausdrücke? (Vermischung der üblichen „Tätigkeiten“ eines Computers mit Dingen, die aus dem Bereich der Gefühle stammen)
    • Welches Bild wird in der letzten Strophe beschrieben? Wer zeichnet den verliebten Computer an die Tafel? (Eventuell mit Hilfe von Zurufen der anderen.)
  • Finden von weiteren Stilmitteln: Alliteration, sprachliche Bilder / Metaphern, Reim, Assonanz, Personifizierung, Anapher … Hierbei ist es nicht wichtig, die korrekte Bezeichnung zu kennen, sondern zu beschreiben, was das Stilmittel ausmacht und warum es nicht der Alltagssprache entspricht.

Weiterführend: Die Verbindung der Themen „Liebe“ und „Computer“ bzw. „künstliche Intelligenz“ mit dem entsprechenden Vokabular bietet Stoff für Fragen, Ideen, Diskussionen. In der Science Fiction ist das Thema sehr beliebt; Literatur und Kino behandeln immer wieder die Frage, ob Roboter oder Androiden Emotionen entwickeln können. Sicherlich kennen die SuS Beispiele.
Als aktuelle Anregung: Im vergangenen Jahr kam der Film „Her“ ins Kino, der das Thema ebenfalls aufgreift.
 

Zum Film „Her“

Kleine, einfache Gedichte können auch Sprachanfänger schon auswendig lernen. Dabei kommt es nicht so sehr auf das Sprachniveau an, als darauf, dass es sich um einen überschaubaren und rhythmisch sowie klanglich eingängigen Text handelt. 

toser_thumbFür den Wochenplan habe ich das Gedicht „Así es“ von María Elena Walsh ausgeteilt.

  • Material: das Gedicht „Así es“ von María Elena Walsh

María Elena Walsh
Así es

El cielo es de cielo,
la nube es de tiza.
La cara del sapo
me da mucha risa.

La luna es de queso
y el sol es de sol.
La cara del sapo
me da mucha tos.

  • Arbeitsform: Einzelarbeit / Partnerarbeit
  • Aufgabenstellung: Lerne das Gedicht „Así es“ auswendig und übe den Vortrag ein

Das klingt erst Mal einfallslos, hat bei meinem Kurs aber gut funktioniert. Die SuS gewöhnen sich an den Klang der Sprache, lernen spielerisch ein Stück zusammenhängende Sprache und üben automatisch kleine Syntagmen ein („es de“ oder „me da“), verstärkt durch die Wiederholung im Text.

Ich habe das Gedicht mit kleinen Grafiken illustriert, um das Verstehen der vielen unbekannten Wörter und das Erinnern an ihre Bedeutung zu erleichtern (siehe pdf: wochenplan_asi_es).

Das eigentliche auswendig Lernen fand zu den Wochenplanzeiten kombiniert in Einzel- und Partnerarbeit statt. In den Partnerphasen konnten sich die SuS gegenseitig kontrollieren und eventuell die Aussprache korrigieren.

Wegen der Aussprache habe ich aber außerdem darauf geachtet, dass ich innerhalb der Woch die Möglichkeit für ein Feedback hatte, damit sich Fehler nicht festsetzen konnten.

Mögliche anschließende kreative Aufgabe: SuS sollen Sätze bilden nach dem Muster „la nube es de tiza“ und „la luna es de queso“. Wenn ihnen nichts einfällt, kann man ein paar Vorschläge machen (möglichst bekannte Wörter):

el chocolate, el día, el papel, el elefante, el agua, la casa, la guitarra, la música, el aire, la playa, el mar, el niño, le mesa, la clase, la escuela, el tomate, el libro, la salsa

und sie die Begriffe beliebig zu Sätzen formen lassen:

  • La casa es de papel
  • La playa es de chocolate
  • La chocolate es de aire
  • El aire es de chocolate

Die Sätze sind oft witzig oder poetisch und geben Anlass zum Sprechen.wop_thumb

Das pdf, das ich erstellt habe, zum Download:

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Der Oktober ist zwar schon vorbei, aber zu Anfang November passt das Herbstgedicht auch noch gut. Sprachlich sehr einfach, kann es einen Einstieg in die Gedichtanalyse und Interpretation bieten.

autumn-23917_640Ich lasse mal wieder auswendig lernen. Das Gedicht „Octubre“ von Antonio Rubio eignet sich für das zweite oder noch den Anfang des dritten Lernjahres. Sprachlich ist es nicht schwierig, es werden ausschließlich Präsensformen verwendet. Die einzige Herausforderung sind die musikalischen Metaphern, mit denen hier der Herbststurm und die tanzenden Blätter verbildlicht werden.

Antonio Rubio

Octubre

Es octubre un vals
de hojas otoñales
que vuelan al ritmo
de los vendavales.

En otoño el viento
compone cantares,
y orquestas aéreas
que interpretan bailes.

Cabalgan los músicos
aves musicales
al trote de danzas,
rondas y espirales.

An diesem Gedicht kann man gut erarbeiten, wie sich Vokabeln einsprachig erklären lassen. Viele Wörter kann man vom Wortstamm/der Wortfamilie ableiten (otoñal, el cantar). Für das Ableiten habe ich in den Annotationen „>“ verwendet.

Dann kommt esnatürlich darauf an, die Wortart richtig zu bestimmen: „Cabalgar“ hat mit „caballo“ zu tun und die Endung -ar legt nahe, dass es sich um ein Verb handelt. „El cantar“ ist trotz der Endung auf -ar kein Verb, was am Artikel deutlich wird. Auf solche linguistischen Regeln und strukturellen Aspekte achten die SuS oft wenig, sobald sie eine Vorstellung haben, worum es geht.

Hier die Annotationen, die ich den SuS gegeben habe:

el vals
otoñal
el vendaval
el cantar
aéreo
el baile
cabalgar
el ave
el trote
la danza
la ronda
un baile de origen alemán
> el otoño
un viento muy fuerte
> cantar, la canción
> el aire
> bailar
> el caballo
= el pájaro
así caminar el caballo
= el baile
una especie de cantar

Das Wortfeld „Musik“

Nachdem wir den Wortlaut des Gedichtes geklärt hatten, habe ich nach den beiden größten Wortfeldern des Textes gefragt. Die SuS kamen schnell auf Herbst und Musik. Ich habe sie die Felder füllen lassen durch alle relevanten Wörter. Dann sollten sie den Zusammenhang zwischen beiden herstellen und die Metaphorik erklären. Ich habe zwar die Begriffe nicht verwendet, aber es geht hierbei um die Zuordnung von Bildspender und Bildempfänger.

Mögliche Fragen:

  • Describe sin metáforas lo que el texto cuenta.
  • ¿Qué rol cumple la música en el texto?
  • ¿Quiénes están en el orquesta del otoño?
  • ¿Quiénes son los bailarines?
  • ¿Quién es el compositor?
  • ¿Cómo suenan los cantares?

Schließlich kann man auch auf Stilmittel eingehen:

  • Metapher
  • Alliteration (ojo: auch „hojas otoñales“ ist eine Alliteration)
  • Figura etymologica
  • Reim
  • Aufzählung

 

 

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In der Aufwärmphase des Unterrichts lasse ich gerne Gedichte aufsagen – zumindest in der Unter- und Mittelstufe. Der spielerische Umgang mit Klang und Wort stimmt ein und hilft den SuS, die richtige Schublade zu öffnen.

Als Fan des Auswendiglernens habe ich mich schon geoutet. Das Vortragen von auswendig Gelerntem lässt sich zudem gut und sinnvoll in den Unterricht integrieren. Vom Stundenaufbau her bietet es sich an, den Unterricht damit zu beginnen, ein Gedicht aufzusagen – in jüngeren Klassen gerne auch im Chor, aber meine Erfahrung ist die, dass sich meistens jemand findet, der oder die das Gelernte gerne vortragen möchte.

Vorteil: Indem man gleich zu Beginn der Stunde etwas auf Spanisch sagt und hört, öffnet man die Spanisch-Schublade leichter (was zB direkt nach einer Englischstunde schwierig sein kann). Außerdem können zurückhaltendere SuS, die sich oft zur mündlichen Beteiligung überwinden müssen, auf diese Weise früh in der Stunde „den Bann brechen“. Dadurch, dass die SuS nicht gleich etwas Inhaltsschweres von sich geben müssen, sondern „nur“ vorgefertigten Inhalt reproduzieren, können sie sich ganz auf Aussprache und Gedächtnisleistung konzentrieren.

Noch ein Vorteil: Zu vielen Unterrichtsinhalten finden sich passende Gedichte.

gusano1In Klasse 7 sind das bei mir im Moment Jahreszeiten und Monate. Zu den Jahreszeiten habe ich wieder ein Gedicht von María Elena Walsh gefunden, deren sehr fantasievollen Texte mir besonders gut gefallen: Estaciones. Nach dem Aufsagen stelle ich gerne Fragen zum Inhalt, lasse spekulieren, warum Frühling und Sommer vertauscht sind, warum eine Beschreibung der jeweiligen Jahreszeit zugeordnet ist oder lasse den kuriosen Wurm in voller Montur an die Tafel malen.

Mögliche einfache Fragen:

  • ¿Donde está el gusano?
  • ¿Qué tiene el gusano? ¿Y por qué?
  • ¿Qué es una galera? (> un sombrero de hombre, negro)
  • ¿Qué tiene que ver el trigo tierno con el invierno? (> se ve como una copa de nieve)

Nicht ganz so originell ist der Text zu den Monaten von Isabel Tobalina Los meses del año. Dafür gibt es zu diesem Text noch ein paar Vorschläge auf der Seite einer französischen Spanischlehrerin.

Gerade für schwächere SuS ist das Auswendiglernen nicht nur eine Möglichkeit, ihre Beteiligung zu verbessern, sondern auch eine Methode, sich die Sprache durch Fleiß ein Stück weit anzueignen.

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Zum Elternsprechtag haben wir heute morgen Einblicke in unseren Unterricht gewährt. Eine Englischkollegin und ich haben für interessierte Eltern eine gemeinsame Stunde Sprachunterricht für Anfänger vorbereitet: „Learning by heart – Aprender de memoria“.

Neben Eindrücken vom Deutsch- Mathematik- und Biologieunterricht sollte neugierigen Eltern auch ein Eindruck vom Sprachunterricht vermittelt werden. Da wir uns nicht gegenseitig das Publikum ausspannen wollten und außerdem ohnehin eng zusammen arbeiten, haben wir uns für einen gemischten Englisch-Spanisch-Unterricht entschieden.

Meine Kollegin hat zur Zeit eine fünfte Klasse im ersten Lernjahr Englisch und ich habe eine sechste Klasse im ersten Lernjahr Spanisch. Da sich also altersgemäß ähnliche Methoden, Möglichkeiten und auch Stolpersteine ergeben, tauschen wir unsere Überlegungen und Erfahrungen regelmäßig aus. Das Thema Auswendiglernen „Learning by heart – Aprender de memoria“ lag nah, da wir beide viel mit Gedichten, Liedern und Reimen experimentieren (siehe Artikel Learning by heart und Zeile für Zeile).

Methoden, mit denen sich die Eltern den Gedichten genähert haben:

  • chorisches Sprechen für Abbau von Sprechhemmungen und zum Üben der Aussprache*
  • einzelne Zeilen als Puzzle verteilen, das die SuS mithilfe von illustrierenden Bildern, Reimen und bekannten Wörtern wieder zusammensetzen
  • Sprechen in verteilten „Rollen“ – hier: verteilten Zeilen
  • Wörter aus dem Zusammenhang und dem Klang gemeinsam erschließen
  • zeilenweise auswendig lernen
  • spontanes zeilenweises Ablesen oder Aufsagen

Die Schwerpunkte waren natürlich in den beiden Sprachen unterschiedlich. Mir war zB das Aussprechen von spanischen Worten ein wichtiges Anliegen, weil es sich tendenziell um eine Sprache handelt, die den meisten nicht vertraut ist (im Gegensatz zum Englischen). So konnte jede/r die Erfahrung machen (die die SuS gut kennen), wie es sich anfühlt, gar nicht zu wissen, was man da sagt und inwieweit das mit Unsicherheit verbunden ist.

interkomprehension

Ausschnitt aus der Tabelle

Auf das Auswendiglernen haben wir innerhalb der Schnupperstunde aus Zeitgründen verzichtet. Stattdessen haben wir nach dem regen Puzzeln von Reimen Raum für Fragen und didaktische Erläuterungen gelassen.

Ein zweites Angebot dieser Stunde bestand in einer kleinen Einführung in die Interkomprehensionsmethode. Als Material haben wir eine Tabelle mit den drei Spalten Spanisch, Englisch und Deutsch verteilt. Vorgegeben war die erste Spalte mit Vokabeln aus dem ersten halben Jahr des Spanischunterrichtes, die man sich aus dem Englischen oder Deutschen herleiten kann. Zusätzlich zur Wortbedeutung kann man Rückschlüsse auf Wortbildung und grammatikalische Kategorien ziehen, was für einen Anfängerunterricht in einer höheren Klasse (Klasse 8, 9 oder 10) sehr sinnvoll ist, da Verständnis für das Sprachsystem aufgebaut wird.

Die Resonanz war sehr positiv und wir sind hoch motiviert, unsere sprachübergreifenden Projekte auszubauen.

* Tipps zum chorischen Sprechen auf 4teachers.de

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Wenn es einer Klasse mal schwerer fällt, Gedichte auswendig zu lernen, und die SuS keinen Zugang finden, funktioniert’s vielleicht zeilenweise. Das Gedicht wird zum Gemeinschaftsprojekt, alle können sich gegenseitig helfen oder auch miteinander in Wettbewerb treten.

Ich bin ja erklärtermaßen Fan vom guten alten Gedichte-Auswendiglernen. Nachdem ich in früheren Jahren schon einzelne SuS Gedichte habe auswendig lernen lassen – und das meist mit zufriedenstellendem Erfolg (motivierte SuS, nachhaltige Erfolgserlebnisse bei späterem Erinnern, Dynamik in der Klasse durch den Vortrag eines einzelnen), hat sich meine aktuelle 6. Klasse zunächst sehr schwer getan.

Bereits vor den Weihnachtsferien haben die ersten ganz begeistert ein Gedicht übernommen, um es zu lernen. Auf meine Nachfragen nach den Ferien waren die Rückmeldungen einigermaßen frustriert: „Ich kann mir nicht mehr als eine Zeile merken“, „Nee, das klappt noch nicht“, „Ich schaff das nicht“.

In einer zweiten Stufe habe ich den SuS, die ein Gedicht ausgewählt hatten, einen Partner zugeteilt, und schlug vor, jeweils zu zweit ein Gedicht zu lernen. Die Vorteile:

  • gemeinsames Lernen
  • weniger Lampenfieber beim Vortrag
  • gegenseitiges Helfen beim Vortrag

Auch das habe ich einige Wochen verfolgt – ohne Erfolg. Am vergangenen Dienstag habe ich dann auf Anraten einer Kollegin ein einziges kurzes Gedicht ausgewählt und an alle verteilt (die Zeilenanzahl war identisch mit der Anzahl der SuS). Ich habe den Text einmal selbst vorgelesen ihn dann im Ganzen und schließlich zeilenweise reihum von der Klasse lesen lassen. Jeder hat zum Abschluss „seine“ Zeile als Hausaufgabe bekommen. Heute – also nach nur zwei Tagen – habe ich das Gedicht zeilenweise aufsagen lassen. Das hat nicht nur gut funktioniert, vielmehr konnte, wenn einer einen Hänger hatte, sofort ein anderer einspringen, denn irgendwie hatte doch jeder etwas mehr als nur seine eigene Zeile gelernt. Als nächstes wollten die SuS die Reihenfolge der Rezitierenden verändern, und schließlich habe ich nur noch willkürlich auf jemanden gezeigt und mit etwas Hilfe von allen haben wir das Gedicht in beliebiger Sprecherreihenfolge aufsagen können.

Es war eine simple Veränderung der Strategie, die den Knoten platzen ließ und viele Vorteile bringt:

  • die Hürde einer einzigen Zeile ist gering, die Motivation groß
  • das Erfolgserlebnis ist praktisch garantiert, denn eine Zeile schaffen alle
  • es gibt keinen einsam Vortragenden, sondern das Aufsagen wird zum gemeinsamen Happening
  • ein Wettbewerb entsteht ganz von alleine zwischen allen
  • auch das Zuhören ist aktiver, weil alle den Text kennen
  • alle lernen den gleichen Text, auf den man sich später beziehen kann (Vokabeln, grammatische Strukturen, Phonetik)

Wir werden das in der nächsten Woche zum Stundeneinstieg wiederholen und wenn die SuS sich sicher fühlen, werde ich das Gedicht zeilenweise gesprochen mitschneiden.

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Heute haben wir im Rahmen einer kleine Matinee die Gewinner des Schüler-Wettbewerbs „Literarische Übersetzung“ verkündet, Preise und Lobreden verteilt. Hier fasse ich die Highlights der Jury-Arbeit und der Laudatio für das Gewinner-Team im Bereich „Spanisch-Deutsch“ zusammen – vielleicht sind ein paar Anregungen für den Umgang mit Lyrik im Unterricht dabei – am Beispiel eines Gedichtes von Antonio Machado. 

Der Wettbewerb fand vor drei Wochen statt, heute konnte ich endlich den Siegertext aus acht eingereichten Übersetzungen von insgesamt 14 Teilnehmer/innen (sechs Tandems) küren. Die Jury bestand aus mir und einer spanischsprachigen Abiturientin, die selbst am Wettbewerb nicht teilnehmen konnte. Ich habe die abgegebenen Übersetzungen anonymisiert und wir haben sie sehr detailliert besprochen, verglichen, von mehreren Seiten beklopft und auf uns wirken lassen, – und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Ich hatte zwei Texte vorgegeben, beide mussten bearbeitet werden. Hier möchte ich mich auf das Gedicht Caminante von Antonio Machado beschränken. Der Text ist im spanischsprachigen Raum sehr bekannt, er gleicht einem Seufzer ob der Flüchtigkeit unseres Lebens und die bildgewordene Erkenntnis der Vergänglichkeit darin erschließt sich auch Jugendlichen unmittelbar.

Caminante, son tus huellas
el camino y nada más;
Caminante, no hay camino,
se hace camino al andar.
Al andar se hace el camino,
y al volver la vista atrás
se ve la senda que nunca
se ha de volver a pisar.
Caminante no hay camino
sino estelas en la mar.
                         Extracto de Proverbios y cantares (XXIX)

Der Inhalt ist verhältnismäßig leicht zu erfassen, bei der Übersetzung gibt es aber Herausforderungen in den Bereichen der Syntax, der klanglichen Harmonie und vor allem bei der Wortwahl.

Die meisten Aspekte, die wir in der Jury als positiv oder negativ empfanden, ließen sich nur schwer gegeneinander verrechnen; letztlich war es meistens der Eindruck des Gesamttextes, der uns verriet, ob die Übersetzung das übergeordnete Kriterium der Angemessenheit (auch Adäquatheit) erfüllte. Nur wenige „Unter-Kriterien“ waren unumgänglich:

  • Der Sinn sollte ohne weitere Erklärungen durch die deutsche Fassung transportiert werden
  • Sprache und Wortwahl sollten einfach bleiben – wie im Original
  • Zeilenanzahl und Zeilenlänge sollten nach Möglichkeit erhalten bleiben
  • Erhalt des Stilmittels der Anapher (gleicher Beginn Zeilen 1,3 und 9)
  • Erhalt des Stilmittels des Chiasmus (Überkreuzung Zeilen 4 und 5)

Zur Wortwahl: Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich huellas mit „Spuren“, „Fußspuren“, „Fußabdrücke“ oder „Schritte“ übersetze. Auch „Weg“, „Wanderweg“ und „Pfad“ hinterlassen einen unterschiedlichen Eindruck.

estelas.de

Foto: w.r.wagner / pixelio.de

Besonders augenfällig wurde das Kriterium der angemessenen Wortwahl beim Begriff estela. Es handelt sich dabei um die schaumigen Wellen, die ein Schiff beim Vorbeifahren hinterlässt. Der korrekte Wörterbuch-Begriff dafür ist „Kielwasser“. Aber wenn man sich die Wörter estela und Kielwasser mal auf der Zunge zergehen lässt – noch dazu vor dem Hintergrund des poetischen und tiefsinnigen Textes – dann scheidet eine wörtliche Übersetzung eher aus.

Uns blieben folgende Übersetzungsversuche: „Spuren“, „Wellen der Spuren“, „Hauch einer Spur“, „Wellenleiber“ oder schlicht „Wellen“. Für jede Übersetzung lassen sich gute Gründe finden, aber im Kontext kommen „Wellenleiber“ sicher zu behäbig und gesucht daher. Ein „Hauch“ passt nicht gut ins maritime Bild, bei „Wellen der Spuren“ fragt man sich, ob es nicht umgekehrt heißen müsste, um dann zu vermuten, dass es egal ist, weil Spuren und Wellen hier doch das gleiche bezeichnen. Und genau deshalb haben wir uns für die einfachste Variante entschieden, die „Wellen im Meer“ – nicht zuletzt, weil Mut dazu gehört, eine so starke Metapher als unübersetzbar fort zu lassen und durch ein weniger spektakuläres Bild zu ersetzen.

Ja, das Bild der vorüberfahrenden Schiffe erscheint in dieser Übersetzung nicht mehr vor unserem geistigen Auge, wohl aber das von Wellen in der Unendlichkeit und das transportiert sehr gut die Flüchtigkeit und die Verlorenheit von Vergangenem.

Eine andere Schwierigkeit lag im „y nada más“ der Zeile 2. Niemand kam auf das im Deutschen übliche „und sonst nichts“. Stattdessen übersetzten mehrere „und nichts mehr“, was nicht sehr deutsch klingt. Auch hier kam der Siegertext mit der Variante „nicht mehr und nicht weniger“ dem Sinn nah, ohne dass eine Leuchtschrift „Übersetzung“ darüber erschiene.
Hier nun der Sieger-Text:

Wanderer, es sind deine Spuren
der Weg, nicht mehr, nicht weniger
Wanderer, es gibt keinen Weg
Der Weg entsteht beim Wandern
Beim Wandern entsteht der Weg
Und wenn man zurückschaut,
sieht man den Pfad,
der niemals wieder betreten wird.
Wanderer, es gibt keinen Weg
wie Wellen im Meer.

Zur Auswertung des zweiten Textes

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Maria_Elena_Walsh_PortraitManche halten es für vorsintflutlich – ich lasse Schülerinnen und Schüler gerne mal ein kleines Gedicht auswendig lernen. Gerade den Jüngeren macht es meistens Spaß, sich auf diese Weise ein Stückchen Sprache anzueignen und vor der Klasse vorzutragen. Als kleine Texte eignen sich die Kinderlieder der argentinischen Journalistin und Schriftstellerin María Elena Walsh.

María Elena Walsh (1930-2011) schrieb Lyrik für Erwachsene, Theaterstücke und Drehbücher, in denen sich ihre engagierte und gesellschaftskritische Haltung zeigt, etwa zur Todesstrafe oder zum Machismo. Am bekanntesten sind jedoch ihre Kinderlieder mit folkloristischen Anklängen. Viele davon sind auf insgesamt 12 CDs vertont. Eine umfangreiche Sammlung von 170 ihrer Kinderlieder findet sich unter cancioneros.com.

Auswendiglernen ist zwar auf den ersten Blick eine rein reproduktive Art der Sprachübung, jedoch üben sich dabei Worte, Wortverbindungen, Syntagmen, Klänge und Klangverbindungen ein und führen zur Aneignung der jeweiligen Sprachbausteine. Zwei Beispiele für kurze Gedichte mit einfachem Vokabular, die man auch schon im ersten Lernjahr einsetzen kann:

Nada más
Con esta moneda
me voy a comprar
un ramo de cielo
y un metro de mar,
un pico de estrella,
un sol de verdad,
un kilo de viento,
y nada más.

:::>>><<<:::>>><<<:::>>><<<:::>>><<<:::

Así es
El cielo es de cielo,
La nube es de tiza.
La cara del sapo
me da mucha risa.
La Luna es de queso
y el Sol es de sol.
La cara del sapo
me da mucha tos. (eigener Artikel hierzu)

Mehr zum Auswendiglernen

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YouTube hat längst die Klassenzimmer erobert. Der wahrscheinlich meist gehörte Satz in einer Fortbildung, an der ich kürzlich teilgenommen habe, lautete: „Dazu können Sie die Schüler ein YouTube machen lassen.“

Schlagartig wurde mir klar, warum ich in letzter Zeit auf der Suche nach literarisch mittel- bis hochwertigen Texten regelmäßig eine Fülle von gruseligen Diashows mit eingeblendeten Gedichtzeilen bei YouTube gefunden hatte. So sieht es also aus, wenn man die Schüler  „YouTubes machen lässt“. Trotz der manchmal fragwürdigen Ergebnisse (wo gibts die nicht?) ist das sicherlich eine sinnvolle Auseinandersetzung mit einem Text – von Zeit zu Zeit. Das Medium sowie die damit  verbundene Öffentlichkeit wird Schüler in der Regel inspirieren und motivieren, und die Verknüpfung mit selbst gewähltem Bildmaterial vertieft die Beschäftigung mit dem jeweiligen Text.

Außerdem kann man ja auch mit den fremden YouTube Videos arbeiten. Fremde Interpretationen regen häufig zu eigenen Gedanken an.

Aussehen kann das dann so: Pablo Neruda, Poema XX
Oder so: Francisco de Quevedo, Amor constante

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