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Die chilenische Serie „Una historia necesaria“ verarbeitet in 16 Kurzfilmen die Schicksale von Menschen während der Militärdiktatur. Die Episoden basieren auf Berichten von Hinterbliebenen und offiziellen Dokumenten und behandeln in jeweils ca. 5 Minuten verschiedene Aspekte des totalitären Regimes unter Augusto Pinochet.

In der Stufe 11 arbeite ich dieses Schuljahr ohne Lehrbuch und ich probiere verschiedene Themen und unterschiedliches Material aus. Zwischen den Herbst- und den Weihnachtsferien haben wir über die chilenische Militärdiktatur gesprochen. Einen ersten Zugang bildete eine stark verkürzte Version des cuento „La composición“ von Antonio Skármeta. Von da aus haben wir uns über einige Sachtexte die wesentlichen Hintergrundinformationen und das entsprechende Vokabular erarbeitet (siehe den Post „Arbeiten mit Mindmaps„).

So vorbereitet, habe ich eine Folge der Kurzfilm-Reihe „Una historia necesaria“ gezeigt. In nicht einmal vier Minuten wird erzählt, wie der 26jährige Jorge D’Orival zum letzten Mal von seiner Familie gesehen wird. Angehörige der DINA bringen ihn, von Folter bereits deutlich gezeichnet, zu seinem Haus. Die verzweifelte Mutter darf ihren Sohn wenige Minuten im Auto der Geheimpolizei sehen. Dann schlägt man der Mutter vor, den Sohn gegen seinen Bruder Antonio auszutauschen. Gleichzeitig sieht man, wie es Antonio gelingt, über die Gartenmauer des Hauses zu entkommen. Die Episode zeigt das Vorgehen der DINA: Menschen werden unter Druck gesetzt, emotional erpresst, ihre Gefühle ausgenutzt und Familienmitglieder gegeneinander ausgespielt.

Ich habe die Episode einmal ohne Untertitel gezeigt, erste Kommentare gesammelt und sie dann ein zweites Mal mit spanischen Untertiteln gezeigt. Nach Klärung des Inhaltes habe ich einige Minuten offen diskutieren lassen. Sowohl der Inhalt als auch filmische Techniken wurden kommentiert; im Anschluss habe ich etwas zur Produktion erzählt.

Der nächste Arbeitsschritt bestand darin, ein Resumen der Folge anzufertigen. Die von Prosatexten bekannte (und an der Kurzgeschichte „La composición“ beispielhaft geübte) Textsorte musste auf den Kurzfilm übertragen werden.

Möglichkeiten, mit der Episode weiterzuarbeiten

  • In einem spielfreudigen Kurs kann man eine an das Geschehen des Films anschließende Szene spielen lassen, in der die zurückgebliebenen Familienmitglieder sich unterhalten.
  • Die SuS können in einem testimonio die Geschichte rückblickend aus der Perspektive der Mutter, der Schwester oder des Bruders erzählen. (Die Bedeutung des „testimonios“ sollte hier vorher besprochen werden.)
  • SuS können den Namen des Opfers Jorge D’Orival recherchieren oder die Namen der Täter, die am Ende der Episode gezeigt werden.

Man kann eine der kurzen Folgen auch für eine Klausur verwenden Ich habe zu Beginn der Klausur die Folge 13 zwei Mal mit Untertiteln gezeigt und dann mit der Aufgabenstellung ein Transkript der Episode verteilt. Mögliche Aufgabenstellungen: Anfertigung einer Zusammenfassung; Fragen zum Seh-Hör-Lese-Verstehen; kreative Aufgabe.

Informationen zur Serie

Die Serie ist erstmalig am 11. September 2017 im chilenischen Fernsehen ausgestrahlt worden, genau 44 Jahre nach dem Militärputsch. Im Oktober 2018 erhielt sie einen Emmy International. Der Regisseur Hernán Caffiero hat in den 16 voneinander unabhängigen Episoden unterschiedliche Perspektiven und Ausschnitte seines Sujets gewählt. Zwar geht es immer um Opfer, aber mal steht ihre eigene Geschichte im Vordergrund, mal die der Hinterbliebenen. Mal geht es um die Suche nach den Verschwundenen, mal darum, wie ein Weiterleben möglich ist, mal um die Aufklärung Jahrzehnte später. Manche Episoden sind voll von expliziter Gewalt und Sadismus, andere fokussieren mehr oder weniger subtil die psychische Grausamkeit und das perfide systematische Vorgehen der Geheimpolizei – und die Auswirkungen auf Familien und die gesamte Gesellschaft.

In einem Interview betont Caffiero die „la necesidad que todavía tenemos como sociedad de hacernos cargo de nuestra historia, no sólo para quienes la vivimos, sino que principalmente para aquellos que no, y por ende, no han proyectado emocionalmente lo que la dictadura significó para Chile“ (nachzulesen in El mostrador). Das hebt einen bestimmten Umgang mit der eigenen Geschichte hervor, den im Unterricht zu thematisieren, sich ebenfalls lohnen würde.

Episoden, die sich zur Vertiefung bestimmter Aspekte eignen

Episode 4: Einem jungen Rekruten der FACH (Fuerza Aerea de Chile) wird es zum Verhängnis, dass er Verhafteten hilft.

Episode 5: Die Episode zeigt zum einen die Willkür der Verhaftungen und zum anderen, wie die Trauer der Hinterbliebenen mit Füßen getreten wird.

Episode 13: Aus der Perspektive eines jungen Mädchens wird die Suche nach dem Vater gezeigt.

Episode 16: Im Mittelpunkt steht Ana Gonzalez, die nach dem Verschwinden ihrer Tochter und ihres Mannes ihren Enkel aufzieht. Sie ist für den Rest ihres Lebens auf der Suche nach ihrer Tochter, nach der Wahrheit und nach Gerechtigkeit. Sie ist dabei nicht allein, sondern Teil der Bewegung „¿Dónde están?“, in der unzählige Chilenen nach den Detenidos Desaparecidos suchen.

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Gesehen in Greifswald auf den Jornadas Hispánicas – und gemocht!

Der Film gehörte zum Rahmenprogramm der diesjährigen Jornadas Hispánicas und war ein gelungener Ausklang des ersten Tages: Ich war prima unterhalten und mochte auch die zT arg rührseligen Stellen noch ganz gerne. Im Spanischunterricht kann ich mir „El Olivo“ gut vorstellen, die Protagonistin spricht Jugendliche an, der Film erzählt von widersprüchlichen Gefühlen, vom Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit, ist aber auch immer wieder witzig und etwas verrückt. Dass das letzte Viertel in Deutschland spielt, ist ein weiterer Berührungspunkt für SuS.

Im Unterricht

Folgende Themen lassen sich unter anderem bearbeiten: Familie, Traditionen, Krise in Spanien, Globalisierung, Generationenkonflikt, Online-Aktivismus, ziviler Ungehorsam, Tod, Zeit, Schweigen/Sprachverlust

Man kann über die filmische Verwendung von Metaphern sprechen: Baum, Wurzel, Reise

Die Protagonistin Alma dient als Role Model, weil sie nicht nur rebellisch, eigensinnig, zornig und tollkühn ist, sondern dabei gleichzeitig liebevoll, bedingungslos treu und heldenhaft dargestellt wird. Man kann sie charakterisieren oder eine Rollenbiographie schreiben lassen. Das Verhältnis verschiedener Figuren zueinander können spielfreudigere SuS als Standbilder darstellen.

Zum Teil, der in Düsseldorf spielt, kann man Folgendes anregen:

  • Kannst Du Dir vorstellen, dass sich die Geschichte in Deiner Heimatstadt / einer Nachbarstadt ereignet?
  • Mit welchen Aktionen würdest Du Alma helfen?

Wenn man nicht den gesamten Film im Unterricht behandeln will, kann man sich auch mit dem Trailer begnügen. SuS können dann vermuten, wie die Dinge zusammenhängen und in Einzel- oder Gruppenarbeit ihre Geschichte zusammensetzen und erzählen.

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Spanischsprachige Kurzfilme erfüllen den Wunsch vieler SuS: „Och, wollen wir nicht einen Film gucken?“, ermöglichen das Training von Hör/Seh-Verstehen, transportieren landeskundliche Aspekte und bieten gleichzeitig interessante Sprechanlässe.

Für meine letzte Stunde vor den Ferien in der 10 (dritte Fremdsprache, also gerade vier Monate Spanisch) habe ich mal wieder nach Kurzfilmen gesucht. Vor eineinhalb Jahren habe ich sehr taugliche Kurzfilme (3-10 Minuten) für den Spanischunterricht zusammen gestellt, trotzdem bin ich immer auf der Suche nach neuen, frischen Produktionen. Ich habe dann eine ganz Doppelstunde mit fünf Filmen,drei Netzen Mandarinen und mehreren Packungen Keksen bestritten.

  • Anónimos von Félix Llorente, 2011. 8:53 min, englische Untertitel.

Eine junge Frau und ein junger Mann schlendern durch Venedig, nicht gemeinsam, aber sie telefonieren miteinander. Offenbar kennen sie einander nicht, wollen sich aber irgendwo im Gewirr aus Gassen, Kirchen und Brücken treffen.

Ich würde den Film nicht in einem Rutsch durchsehen. Tatsächlich habe ich einen ersten Stopp bei 1:58 gemacht, um ein paar Basics abzufragen: ¿Dónde están?, ¿Se conocen?, ¿Por qué se quieren encontrar? ¿De dónde son?

Bei 3:09 min kann man anhalten und beschreiben lassen, wie die beiden sich gerade verpasst haben und warum das passieren konnte.

Bei 3:52 min könnte man fragen ¿Qué hacen en Venecia?

Aber allerspätestens sollte man einen Halt machen, direkt ehe die beiden sich tatsächlich begegnen, etwa bei 4:38 min. Hier sollte man unbedingt fragen: ¿Qué ha pasado? o ¿Por qué se encuentran?

Bei 4:50 gab es bei mir dann erleichtertes Lachen, auf einmal war allen klar, was geschehen war. Bei 6:17 min scheint alles vorbei zu sein, sie haben sich verabschiedet und gehen ihrer Wege. Frage hier: ¿Qué va a pasar ahora?

Ein leichtfüßiger, romantischer kleiner Film vor Urlaubskulisse mit offenem Ende: ¿Cómo sigue la historia? Die englischen Untertitel erleichtern das Verstehen, lenken aber vom gesprochenen Text ab. Leider habe ich keine Version ohne Untertitel gefunden.

Eine andere Möglichkeit: Man zeigt zunächst einen 45 Sekunden langen Trailer – ohne Untertitel und lässt spekulieren und frei assoziieren. Dann den Film in voller Länge.

  • Despierta von Christian Avilés (2013), englische Untertitel; technische Daten.

Diesen Film mit 3:28 min habe ich ohne Unterbrechungen gezeigt. Die Protagonistin/der Protagonist schlüpft beim Aufwachen unfreiwillig jedes Mal in das Leben eines anderen Menschen. Der Kurzfilm hat für Befremden gesorgt, es gab Reaktionen wie „Psycho!“ oder „So ein Quatsch!“. Ich habe die SuS erstmal beschreiben lassen, was sie gesehen haben. Und gefragt, was denn daran Quatsch sei. Dann haben wir gemeinsam überlegt, wie der Film gemeint sein könnte.

Hierzu könnte man den Satz anschreiben, der als sinopsis des Films zu finden ist: María nunca recuerda sus sueños… ¿Y tú? 

Falls weitere Inspiration nötig ist: ¿Qué sientes cuando estás despertando de un sueño?

Oder: ¿Por que la protagonista hace repetir a su novio todos los detalles sobre su vida?

Schließlich: ¿Qué significa el título?

Vielleicht kommt man ja gemeinsam im Gespräch auf die philosophische Frage, wie sicher wir uns unseres Lebens und unserer Gewissheiten im Allgemeinen so sein können …

  • ¿Quieres ser mi amiga? von Sergio Sánchez. 2010. 3:15 min.; englische Untertitel.

Am liebsten hätte ich diesen Film zunächst ohne Ton, bzw. ohne den Dialog gezeigt. Da ich aber keine Version ohne Untertitel gefunden habe, war das keine Option.

Alternative: Den Text ganz durchsehen und das Thema in einem Satz formulieren lassen. Vielleicht kann man ja unterstützend die so genannte sinopsis des Films erwähnen: Hoy día la amistad es algo relativo… Spätestens damit sollte man auf soziale Netzwerke, digitale Freundschaften, geteilte Bilder und Likes zu sprechen kommen und hoffentlich ein paar Meinungen und Erfahrungen austauschen.

  • Lo que tú quieras oír von Guillermo Zapata (2005). Spanische Untertitel. Wikipedia-Eintrag.

Erfreulicherweise ein Film mit spanischen Untertiteln: Das ermöglicht, immer mal wieder anzuhalten und den Text mitlesen zu lassen.

Erster inhaltlicher Stopp bei 3:37: Explica la situación de Sofía. – ¿Cómo ha vivido hasta este momento? – ¿Qué ha pasado? – Explica la frase „estás con tus niños y tus plantas“.

Einige der Sätze bis dahin würden eine Betrachtung schon lohnen – grammatikalisch und/oder inhaltlich (zB „No, a Miguel no creo que le importe, no se fija en las paredes“ (1:25); „necesito que me des algo de tiempo“ (2:41); „puede que no lo merezca“ (2:45); „podíamos intentar salvar lo nuestro“ (2:48)) – allerdings würde ich beim ersten Sehen den Film nicht allzu sehr zerstückeln.

Nächster Stopp bei 5:04: ¿De qué se da cuenta? ¿Qué va a hacer?

Und dann bis zum Ende: ¿Qué ha hecho Sofía? ¿Y por qué? ¿Puede ser una solución? ¿Qué efecto tiene para ella?

Und auch hier ergibt sich vielleicht eine tiefer gehende Frage: die Frage, ob man die Wirklichkeit vielleicht ein kleines bisschen verdrehen kann, um eine eigene Entscheidung treffen zu können und mit einer Tatsache besser umgehen zu können.

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„El secreto de sus ojos“ ist ein argentinisches Thriller-Drama aus dem Jahr 2009, dem es gelingt, spannend zu sein, ohne sich ständig auf den allzu ausgetretenen Wegen des Genres zu bewegen.

Juan José Campanella erzählt in Rückblenden über 25 Jahre hinweg die Geschichte eines Verbrechens, seiner Folgen, der langsamen Aufklärung, Rache und Sühne. Er erzählt langsam, und zieht sein Publikum ebenso langsam aber sicher immer tiefer in den Bann der Geschehnisse. Aber auch in den Bann des Rekonstruierens, des Erkennens. Die Perspektiven ändern sich im Laufe der Zeit, Beobachtungen bekommen erst nach und nach ihr Gewicht und ihre Bedeutung.

Protagonist ist Benjamín Esposito (Ricardo Darín), ein Gerichtsbeamter, der nach seiner Pensionierung 1999 endlich die Zeit findet, über sein Leben nachzudenken. Dabei wird ihm bewusst, dass ihm einige offenen Fragen und unerledigte Dinge keine Ruhe lassen, die ihn alle zu ein und demselben Fall führen, mit dem er zum ersten Mal 1974 befasst war. Er beschließt, dieses Kapitel seines Lebens zu neu zu öffnen und zu verarbeiten, indem er einen Roman darüber schreibt.

Abwechselnd erleben wir seine Erinnerungen an die Ereignisse der Vergangenheit in Rückblenden und seine Gegenwart, in der er versucht, die Fragmente richtig einzuordnen und letzte Puzzlestücke zu finden. Er trifft seine damalige Chefin Irene Menéndez Hastings (Soledad Villamil) wieder, für die er all die Jahre leidenschaftliche Gefühle hegte. Er muss sich wieder mit dem Tod seines Mitarbeiters und Freundes Pablo Sandoval auseinander setzen, der unter nicht geklärten Umständen während der Ermittlungen ermordet wurde. Und er sucht Ricardo Morales auf, den Witwer der jungen Frau, die vor 25 Jahren vergewaltigt und getötet wurde.

Man erlebt Esposito als jemanden, der viel dafür aufs Spiel setzt, das Verbrechen aufzuklären. Dafür muss er tief in das Leben anderer Menschen eindringen, er stellt unerbittlich Fragen und bemüht sich, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Immer deutlicher wird aber auch, dass er dabei getrieben ist von der Notwendigkeit, die Leerstellen seines eigenen Lebens zu füllen. Von Anfang an wirkt er wie besessen von dem Fall, den darin verstrickten Personen und insbesondere der Leidenschaftlichkeit und Zielstrebigkeit von Morales. Sein Blick auf die Personen ändert sich über die Jahre zwar, nicht aber seine Anteilnahme an dem Fall und die Gewissheit, dass er nicht zur Ruhe kommen wird, ehe er Antworten bekommt.

Die Militärdiktatur (1976-1983) wird nicht explizit genannt oder dargestellt, doch werden Korruption und Rechtsbeugung thematisiert, zu deren Opfer Esposito und Morales werden.

Achtung, Spoiler! Am Ende bekommt Esposito die Antworten, die er gesucht hat: Er erfährt, wie Morales mit dem Verlust seiner Frau zu leben gelernt hat, dass Sandoval als guter Freund gestorben ist und er bekommt Hastings.

Ich habe den Film sehr gerne gesehen. Er kommt zunächst nur langsam in Gang, entwickelt dann aber eine Sogwirkung auf die Zuschauer/innen. Manchmal scheint er mir seltsam unentschieden zwischen Thriller und Liebesgeschichte, aber die Mischung ist dann doch wieder gut gelungen, was auch an den überzeugenden Schauspielleistung der Protagonisten liegt.

Filmdaten

Titel El secreto de sus ojos
Regie Juan José Campanella
Land Argentinien
Jahr 2009
Länge 129 Minuten
Besetzung Ricardo Darín, Soledad Villamil

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Ein sympathischer Episodenfilm aus dem Jahr 2010 über sechs Frühstücke, sieben Mittagessen und fünf Abendessen an einem Tag.

Der Film von Regisseur Jorge Coira war 2010 ein Überraschungserfolg des spanischen Kinos. Inhaltlich handelt es sich um einen typischen Episodenfilm: 21 Menschen, deren 12 Geschichten locker miteinander verknüpft sind. Während sechs Frühstücken, sieben Mittagessen und fünf Abendessen finden Begegnungen statt (und nicht-Begegnungen), die das Weiterleben jedes einzelnen verändern (manchmal mehr, manchmal weniger). Beziehungen beginnen und enden, gehen einfach weiter oder beginnen dann doch nicht. Wahrheiten werden endlich ausgesprochen, es wird gefeiert, geliebt, geflirtet, gestritten, gestorben – und immer gegessen.

Was beim Sehen nicht sofort auffällt: Es ist ein experimenteller Film. Jorge Coira arbeitete ohne Drehbuch. Die Schauspieler/innen wurden über ihrer Charaktere informiert und hatten bei der Ausgestaltung der Szenen große Freiheit. Es gab keinen vorgestalteten Text, lediglich gab Coira während der Dreharbeiten spontane Anweisungen per SMS oder Telefon. In einigen Szenen kochten die Schauspieler/innen tatsächlich. Der improvisierte Charakter des Films zeigt sich in den Dialogen, die spontaner, natürlicher wirken als in vielen anderen Filmen. Die Sätze sind nicht vorgestanzt, daher häufig eher umgangssprachlich, „unfertig“. Das gibt mehr Raum zum Spielen: für Blicke, Bewegungen, Spannungen.

Der gesamte Dreh ging innerhalb von zwei Wochen vor sich, gedreht wurde mit vier Kameras gleichzeitig. Die Kulisse sind Straßen, Cafés, Restaurants, Küchen und Wohnzimmer von Santiago de Compostela. Der Film beginnt mit einer Einleitung aus dem Off zu Bildern aus der Altstadt:

En una ciudad pequeña como Santiago de Compostela se cocinan cada día medio millón de comidas, unas grandes, otras pequeñas, fuertes, lijeras, de plato o de picoteo, para disfrutar entre amigos o para comer con uno mismo. En algunas el tiempo pasa sin más  y de la comida sólo queda el plato vacío. En otras, la vida da un giro inesperado y el mundo cambia su sabor para siempre, agrio, dulce o los dos que el lo más habitual. Y es que comer no es sólo comer. Alrededor de una mesa se abre el apetito, pero también el alma. Por eso en esa ciudad se cocinan cada día medio millón de ocasiones para cambiar el sabor de la vida.

Die Stimme übernimmt keine erzählende Funktion, weiß nichts von den Figuren, und kommt im Weiteren auch nicht mehr zu Wort. Die Szenen benötigen keine Erläuterungen. In unterschiedlich langen Sequenzen erleben wir die Geschichten eines Tages: Ein Wiedersehen nach langer Zeit, einen 30.Geburtstag, einen Morgen danach, einen Schauspieler, der für Laura kocht, die dann aber auf sich warten lässt, ein Comingout, einen ganz normalen schweigsamen Tag im Leben eines alten Ehepaares, das Ende einer Beziehung, in der der große Altersunterschied zu unvereinbaren Erwartungen führt, ein junger Mann aus Mazedonien, der einen Freund findet, zwei Schwestern, von denen sich die eine aus dem Schatten des verstorbenen Vaters zu lösen versucht, eine Ehekrise mit ungewissem Ausgang und zwei Freunde, die den Tag mit Trinken beginnen und mit Feiern beenden.

Ein leichter und leicht melancholischer Film über Begegnungen und Entscheidungen. Mir hat er sehr gut gefallen. Die unkonventionelle Machart wirkt frisch und natürlich, die Geschichten sind nicht neu, aber so gespielt, dass es Spaß macht.

 

Filmdaten

Titel 18 comidas
Regie Jorge Coira
Land Spanien
Jahr 2010
Länge 101 Minuten
Besetzung Luis Tosar, Cristina Brondo, Juan Carlos Vellido

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Der Spielfilm über den spanischen Bürgerkrieg trägt den Untertitel „Eine Geschichte aus der spanischen Revolution“ und beleuchtet verschiedene Facetten der Zeit.

Der britische Regisseur Ken Loach ist bekannt für seine sozialkritischen und politischen Filme. Seine Filme handeln vom irischen Unabhängigkeitskrieg, von der sandinistischen Revolution in Nicaragua, vom Leben in Arbeitersiedlungen in Großbritannien, von der illegalen Einwanderung aus Mexiko in die USA (Bread and Roses) oder von der Privatisierung der britischen Eisenbahn. In erster Linie handeln sie aber immer von Menschen und ihren Geschichten. Das kann auch schon mal rührselig werden, aber für die politisch engagierten Inhalte verzeihe ich das gerne.

In „Tierra y Libertad“ erzählt Loach die Geschichte eines britischen Kommunisten, der 1936 den Aufrufen seiner Partei folgt und nach Spanien in den Bürgerkrieg gegen die Faschisten zieht.

Wenn man die 109 Minuten nicht ganz zeigen mag, empfehle ich hier ein paar Stellen aus der ersten Hälfte des Films, die verschiedene Schwerpunkte setzen:

3:28-4:29: Ganz grobe Zusammenfassung der Segunda República und des Ausbruchs der Guerra Civil mit historischen Bildern, kurzen Texten – eingebettet in die (An)werbe-Veranstaltung der Kommunistischen Partei. Das lohnt sich zur schlaglichtartigen Wiederholung der Fakten und zur Diskussion über Sender und Empfänger dieser kleinen Botschaft, die sich am Ende des kurzen Ausschnitte als Propaganda entlarvt. (Teil 1/13 auf YouTube)

4:29-11:46: Den jungen Briten David Carr hat die Veranstaltung seiner Partei überzeugt und er zieht nach Spanien. Im Zug trifft er aus Mitstreiter, es formiert sich eine Bewegung aus ganz Europa gen Spanien, um die Faschisten zu bekämpfen. Es ist ein sehr sympathischer Einstieg, wenn die Partisanen aus verschiedenen Ländern sich im Zug treffen und ins Gespräch kommen. Es zeigen sich die allgemeine Begeisterung und Zuversicht. (Teil 2/13 auf YouTube)

11:46-13:38: Die Kampfwilligen, die in Spanien angekommen sind, werden notdürftig in militärische Gepflogenheiten eingewiesen: Exerzieren, Tragen einer Waffe. Dabei treten erste Konflikte zutage. Die Zivilisten, Arbeiter, Intellektuelle, unter ihnen auch Frauen, sind sich zwar einig, wer der Feind ist, aber nicht darüber, wie er am besten zu bekämpfen sei. (Teil 2/13 auf YouTube)

13:38-17:47: David wird mit den anderen Neuen an den Stützpunkt seiner Brigade gefahren und eingewiesen. (Teile 2+3/13 auf YouTube)

18:07-19:36: Erste Kampfhandlungen für David, aber obwohl scharf geschossen wird, alles scheint noch sehr spielerisch: Die gemeinsamen Ideale und die Kameradschaft unter den Brigadisten bestimmt die Atmosphäre. (Teil 3/13 auf YouTube)

44:14-56:15: Diskussion in einem befreiten Dorf über die Verteilung und Kollektivierung des Landes. Hier kann man gut die verschiedenen Vorstellungen erkennen, die letztlich dazu führten, dass die verschiedenen antifaschistischen Strömungen einander gegenseitig bekämpften. Für einige steht die Ideologie im Vordergrund, für sie ist es das Ziel, die gesamte Gesellschaft vom kapitalistischen Einfluss zu befreien. Andere sind pragmatischer und stellen den Kampf gegen Francos Truppen über alles. Auch die internationale Dimension wird angesprochen: Mit wem will man sich gegen Franco verbünden? Und wie stellt man das an? In der Bürgerversammlung kommen auch ein deutscher, ein italienischer, ein britischer, ein französischer und ein us-amerikanischer Republikaner zu Wort. (Teile 6 und 7 auf YouTube)

Die ursprüngliche Version des Films ist mehrsprachig, weil die Mitglieder der internationalen Brigaden in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen. Auf YouTube findet sich eine spanisch synchronisierte Version in 13 Teilen, auf die ich mich beziehe, wenn ich von Teilen spreche.

Der Film basiert auf dem Kriegsbericht Mein Katalonien von George Orwell.

Filmdaten

Titel Tierra y Libertad (Land and Freedom)
Regie Ken Loach
Land Deutschland, Großbritannien, Spanien
Jahr 1995
Länge 109 Minuten
Besestzung Ian Hart, Rosana Pastor, Icíar Bollaín

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Ich habe gestern Abend das chilenische Remake eines deutschen Films gesehen. Es war irgendwie sehr deutsch und sehr chilenisch und sehr unterhaltsam.

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„Morales el reformador“ ist der zweite Spielfilm des chilenischen Regisseurs Víctor Cubillos. Im Rahmen des 6. Ciclo del cine chileno lief der Film gestern Abend im Babylon in Berlin. Die Satire ist nicht nur inspiriert von dem deutschen Spielfilm Muxmäuschenstill aus dem Jahr 2003/2004, er ist ein 1:1-Remake.

Zum Inhalt: Der Protagonist Ulises Morales es sich zum Ziel gesetzt, seine Landsleute rücksichtsvoller, ordentlicher, tugendhafter zu machen. Dafür durchstreift er die Straßen Santiagos und zieht jeden zur Rechenschaft, der sich ungesetzlich oder auch nur ungebührlich beträgt: Falschparker, Ladendiebe, Leute, die die Haufen ihrer Hunde auf dem Gehweg liegen lassen, Graffiti-Sprayer oder Schwimmbad-Pinkler. Mithilfe seines Assistenten dokumentiert er alles: Jeder Fall wird gefilmt und bekommt eine laufende Nummer. Ulises arbeitet mit einem Netzwerk von Informanten und professionalisiert seine Arbeit Stück für Stück. Was als verschrobene Blockwart-Mentalität beginnt, wird zu einer Mission, schließlich erhält er Anerkennung für das, was er für die öffentliche Ordnung tut. Durch die mediale Öffentlichkeit wird er zu einer Art Superheld, tritt in Talk-Shows auf und kann sich schließlich eine ganze Crew von Angestellten leisten.
Das alles macht ihn allerdings dem Zuschauer nicht sympathischer, schon früh ahnt man, dass er auf der zwischenmenschlichen Ebene scheitern wird und durch romantische Verstrickungen bahnt sich ein tragischer Ausgang an.
Tragisch vom Geschehen her, durch die durchgängig satirische Inszenierung jedoch eher mit einer komischen Note.

Auffällig ist, wie eng das Remake am Original bleibt. Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum hat Cubillos bedauert, sich hier nicht mehr Freiheiten genommen zu haben, um sich den Film mehr zu eigen zu machen. Andererseits erstaunlich, wie gut der Film in beiden kulturellen Kontexten funktioniert.

Die einzige Szene, die tatsächlich von der Vorlage abweicht, ist die, in der Cubillos für Jan Hanrik Stahlberg, der nicht nur den Protagonisten des Originals spielt, sondern auch das Drehbuch für Muxmäuschenstill geschrieben hat, ein Cameo eingebaut hat, in dem er als deutscher Tourist auftritt.

Interessant ist sicherlich noch, dass sich die gesamten Produktionskosten auf nur etwa 50.000 Euro beliefen, was in etwa ein Viertel des Budgets eines durchschnittlichen chilenischen Films beträgt.
In Chile hat der Film zwar gute Kritiken bekommen, ist aber vom Publikum nur mäßig gut angenommen worden. Cubillos führt das darauf zurück, dass sich Satiren generell schwer verkaufen lassen. Sein Film lasse den Zuschauer meistens im Unklaren darüber, wie die Dinge zu bewerten seien.
So sind Satiren eben: Einerseits zum Lachen, aber das Lachen bleibt einem doch immer wieder im Halse stecken.

Filmdaten

Titel Morales el reformador
Regie Victor Cubillos
Land Chile
Jahr 2012
Länge 82 Minuten
Besestzung Víctor Montero, Ricardo Cubillos, Daniela Castillos

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In ca. 14 Unterrichtsstunden habe ich mit der Klasse 10 (5. Lernjahr) die Grundzüge der Filmanalyse durchgenommen, mehrere Kurzfilme analysiert und interpretiert, eigene Szenen geschrieben und Storyboards erstellt.

HA vor der ersten Stunde: Die SuS bekommen eine Liste mit spanischen Bezeichnungen für filmische Techniken. Um diese Begriffe zu verstehen, sich zu erklären und zu systematisieren, gebe ich ihnen die URLs von drei kurzen YouTubes „El lenguaje audiovisual 1-3“  (siehe Empfehlungen für Lehrfilme) bekommen. Im Sinne des Flipped classroom sollen sie sich die Begrifflichkeiten und die Systematik in groben Zügen selbst erarbeiten.

Stunden 1+2: Besprechung der HA. Wir sammeln an der Tafel verschiedene Teilbereiche wie zB „Schnitt“, „Bildausschnitt“, „Winkel“, „Ton“, „Kamerabewegung“ und die dazugehörigen Techniken. Es folgt gemeinsames Klären und Sortieren der Begriffe. Dann schauen wir weitere erklärende YouTubes, um das Tafelbild weiter zu ergänzen. Die Filme halte ich immer wieder an, wir erklären einzelne Techniken und halten die entsprechenden Begriffe an der Tafel fest.

Stunde 3 (erste Stunde nach den Osterferien): Anknüpfen an die Liste von Begriffen durch die Einführung der ficha técnica (Technische Daten). Dafür sehen wir uns die Wikipedia-Einträge zu zwei Filmen an (beide für das vorangegangene Thema „México“ relevant, einen davon hatten wir bereits gesehen): Tráfico und Ciudad del silencio – beide mit ausführlicher ficha técnica. Außerdem Austeilen eines Vokabelblattes „Sprechen über Filme“.

HA: Anhand des Inputs (fichas técnicas und Vokabelliste) sollen SuS eine MindMap zu „cine“ beginnen mit wenigstens sechs Hauptknoten. (Wiederholen, Wiederaufgreifen und Erweitern der Sammlung von Begriffen, die wir bereits vor den Ferien begonnen haben.)

Stunde 4: Umsetzung der Theorie in die Praxis: Wir sehen den Anfang des Filmes Sin nombre, den die SuS bereits kennen. Arbeitsauftrag: Konzentriert euch nur auf die Kamera, auf Einstellung, Winkel und Bewegung. Alle paar Sekunden halte ich an und wir sammeln die Beobachtungen.

In der folgenden Doppelstunde (Stunden 4+5) gebe ich jedem/r zehn Kärtchen mit spanischsprachigen Begriffen aus der Filmtechnik, die sie in ihre angefangene MindMap einordnen und diese weiter ergänzen sollen. (Vorschlag zu Mindmap und möglichen Begriffen). Da die Begriffe zT sehr speziell sind, müssen sie nachgeschlagen werden und erfordern uU das Anlegen neuer Knoten. In der zweiten Stunde sehen wir den Kurzfilm Enamórate (9:17, mit spanischen Untertiteln). Zunächst mit Stopps und Nachfragen zu Kamera, Schnitt, Zeit, Erzähltechnik und Inhalt. Es werden Vermutungen geäußert und Fragen gestellt. Am Ende klärt sich einiges, einige Fragen bleiben aber, daher sehen wir den Film noch einmal.

HA: Aufschreiben der Techniken, die SuS erkannt haben (Kamera, Schnitt oder Erzähltechnik) und Beschreibung der entsprechenden Stelle des Kurzfilm.

Stunde 6: SuS lesen ihre Texte vor. Ich erstelle eine Tabelle an der Tafel mit zwei Spalten: „técnica cinematográfica – efectos sobre el espectador“. Die erkannten Techniken schreibe ich in die linke Spalte. Dann fordere ich die SuS auf, die rechte Seite auszufüllen. Dabei üben wir entsprechende Redemittel wie zB servir para / mostrar / expresar / evocar / filmar / subrayar / para que + subj. / para + inf., die ich immer an geeigneter Stelle vorschlage und neben der Tabelle ebenfalls an die Tafel schreibe. Zur Vorbereitung der HA verteile ich am Ende der Stunde Storyboard-Beispiele (aus dem Internet) und Blanko-Storyboards.

HASuS sollen ein Storyboard anlegen von einzelnen Szenen des Films.

Stunde 7: Vergleich der HA, ich gebe Tipps zur grafischen Verdeutlichung verschiedener Techniken im Storyboard.  Dann sehen wir den Kurzfilm Ana y Manuel (10:47, mit spanischen Untertiteln, Arbeitsmaterial zum Kurzfilm siehe unten). Nach 8 Minuten brechen wir ab. Wir klären Fragen zum Inhalt und zu den Figuren und sehen den Film ein weiteres Mal bis zur selben Stelle.

HA: Ein Ende schreiben.

Stunden 8+9: Partnerkorrektur der Texte. Die Partner entscheiden sich für eines der beiden Enden und fertigen ein Storyboard dazu an, mit verschiedenen filmischen Techniken.

Stunde 10: Wir sehen den Film Ana y Manuel zu Ende. Einzelarbeit: Inhaltliche und cinematographische Fragen zum Film.

Stunde 11: Arbeitsblätter mit 10 Screenshots vom Film Ana y Manuel. Zu jedem der Bilder müssen die SuS entweder einen Satz im Imperfecto oder im Indefinido bilden (der Unterschied zwischen Beschreibung und Handlung lässt sich gerade am Bsp. von filmischem Erzählen gut verdeutlichen).

HA: Wiederholung der Regeln für Imperfecto und Indefinido.

Stunde 12+13: Wiederholungen und Vorbereitung auf die Klausur: Screenshots aus verschiedenen Filmen, bei denen die SuS Einstellung und Winkel bestimmen sollen. Ich habe die mapa mental noch Mal möglichst vollständig für alle fotokopiert (siehe Mapa mental „cine“). Die einzelnen Punkte müssen jetzt auf Deutsch übersetzt werden. Stichprobenartig frage ich nach den Wirkungen einzelner Techniken. Es folgt die Überprüfung der Übung für Indefinido und Imperfecto.

Stunde 14 +15: Klausur In der Klausur habe ich den Kurzfilm Zapatitos (8:53) gezeigt. Ich habe diesen Film ausgewählt, weil er ohne Text auskommt, es kann also nicht zu Problemen aufgrund sprachlicher Missverständnisse kommen und die SuS können sich auf die filmische Darstellung konzentrieren. Außerdem verwendet der Film sehr auffällige und ungewöhnliche Einstellungen, die zur Interpretation einladen. Die SuS benennen die Techniken, die der Film verwendet und beschreiben ihre Wirkung auf den Zuschauer. Außerdem sollen die SuS Screenshots beschreiben: technisch (Einstellung und Winkel) sowie inhaltlich (Sätze im Impefecto oder Indefinido).

Fazit Für mich war die UE sehr lehrreich – sowohl inhaltlich als auch methodisch. Mit Stoffvermittlung, Unterrichtsgestaltung und Abschlussklausur der Einheit bin ich zufrieden, ich würde die Einheit so oder ähnlich wieder durchführen. Nur den Abschluss der Einheit würde ich gerne anders gestalten. Wenn die Zeit reicht, sollte eine der beiden Möglichkeiten am Ende stehen (nach der Klausur):

  • Die SuS halten in Gruppen Referate über Spielfilme. Sie stellen ihren Film vor: Zusammenfassung, ficha técnica, Hintergrund, Wissenswertes, verwendete filmische Techniken, Filmausschnitte.
  • SuS drehen mit dem Handy einen eigenen Kurzfilm: Story, Storyboard, Verteilung der Rollen, Techniken und Effekte.

Kommentar zur Stunde 4: Im Nachhinein ist mir klar geworden, wie wichtig diese Stunde war: Anwendung der erlernten Begriffe auf das Endprodukt Film. Kommentar eines Schülers: „Ich glaube, ich kann mir keinen Film mehr ansehen, ohne dauernd zu überlegen, was die Kamera da grade macht.“

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Das Konzept des Storyboards lässt sich kreativ im Unterricht einsetzen – egal, ob es dabei primär um filmisches oder literarisches Erzählen geht.

Ich habe Storyboards naheliegender Weise in einer UE über filmische Techniken eingeführt. Prinzipiell sind aber auch in anderen UE viele Aufgaben denkbar, in die man das Erstellen eines Storyboards miteinbeziehen kann, zB:

  • Aus einer Kurzgeschichte wird ein Drehbuch
  • Produktive Aufgabe: alternatives Ende einer Geschichte verfilmen
  • Storyboard für eine kleine Szene zum aktuellen Thema, die in der Klasse gespielt werden soll
  • Storyboard für einen Sketch, der mit Handy gefilmt wird

Vorneweg sollte den SuS klar sein: Sie müssen nicht notwendigerweise gut zeichnen können, um ein funktionales Storyboard zu erstellen. Zum Einstieg habe ich verschiedene Beispiele für unterschiedlich professionelle Storyboards gezeigt, um den kreativen Spielraum deutlich zu machen. Entsprechendes Anschauungs-Material findet sich bei der google-Bildersuche nach „Storyboard“ oder „guión gráfico“.

Bei der Aufgabe (Erstellen eines Storyboards) kann man verschiedene Schwerpunkte setzen:

Dementsprechend viele unterschiedliche Vorlagen für Storyboards gibt es auch. Bsp. für eine Vorlage von der Site del Do al Sí: Apuntes para la educación musical. Ich empfehle, eine eigene Vorlage zu designen, bzw. bestehende Vorlage abzuwandeln, so dass der Platz optimal genutzt werden kann und keine überflüssigen Felder entstehen. Jedes bestehende Feld ist die Aufforderung an SuS, es auszufüllen.

Fazit: Das Erstellen eines Storyboards ist eine sehr kreative Aufgabe, die diejenigen, die erfahrungsgemäß „nicht gut schreiben“ nicht so leicht abschreckt wie die klassischen kreativen Schreibaufgaben. Viele SuS haben fantasievolle Ideen, die sie aber nicht umsetzen, weil ihnen Worte oder Formulierungen fehlen. Vieles davon können sie hingegen überzeugend und treffend mit einem Bild darstellen. Selbst wenn der beschreibende Text die Szene nicht ganz trifft, können sich die SuS sicher sein, dass die Grundidee anhand des Bildes erkannt wird. Das nimmt ihnen Hemmungen.

In vielen Fällen bilden sich hier gut funktionierende Teams aus einem Zeichnenden und einem Schreibenden. Und noch ein Tipp für die ganz Unbegabtem beim Zeichnen: Man kann auch Fotos verwenden.

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Egal, ob man die eigenen Gedanken strukturieren will, um systematisch weiter arbeiten zu können, oder ob man ein Thema kartografiert, um es sich erarbeiten und möglichst leicht gedanklich fassen zu können – ich halte die Mindmap für ein Werkzeug, dass SuS nutzen sollten.

Mit der Einheit „Filmische Techniken“ habe ich in der 10. Klasse ein Thema behandelt, unter dem sich zwar jede/r irgendwas vorstellen konnte, das am Anfang aber niemand der SuS hätte strukturieren können. Wir haben uns Stück für Stück anhand von Lehrfilmen, technischen Filmdaten bei Wikipedia und Beispielfilmen eine umfangreiche Liste an Begriffen (auf Deutsch und Spanisch) erarbeitet, die das Thema abbilden sollten.

Das Wissen, dass sie sich erarbeitet hatten, mussten die SuS visualisieren, indem sie eine eigene Mindmap anlegen und sie sukzessive erweiterten sollten. Hier eine Beispielmap, wie sie gegen Ende der Unterrichtseinheit aussehen kann (zum Vergrößern klicken):

mindmap cine

Die Map wurde erweitert, indem die SuS Beispielfilme sahen. Techniken, die sie entdeckten, wurden selbstständig benannt (durch Recherche im Internet) oder in den Rückmeldephasen als Frage an die Klasse zurückgeben. Gefundene Begriffe wurden in die Mindmap eingebaut.

Eine andere Möglichkeit, den Prozess des eigenständigen Erweiterns der Map voranzutreiben, ist der Input von Begriffen. Dazu habe ich Karten mit einzelnen Bezeichnungen filmischer Techniken auf Spanisch an die SuS verteilt. Zu dem Zeitpunkt waren die Begriffe nur zum Teil schon eingeführt. Die Aufgabe bestand darin, die Begriffe zu verstehen (möglicherweise durch Recherche im Internet), auf der Rückseite der Karte auf Spanisch zu erklären und dann in die eigene Mindmap einzuordnen.

Ich habe unterschiedliche Begriffe an jede/n oder an jedes Zweierteam ausgeteilt, so dass beim Besprechen im Plenum und beim Erklären der Begriffe (Rückseite der Karte) alle anderen mitdenken und ihre Maps weiter ausbauen konnten. Mögliche Begriffe sind hierfür alle die, die irgendwo einen Platz in der Mindmap finden können.

Anmerkungen: Die abgebildete Mindmap kann selbstverständlich um Knoten und Unterknoten erweitert werden und den Knoten „género“ habe ich nur aus Platzgründen eingeklappt.

Ich habe die umsonst-Version der Software „Simplemind“ verwendet.

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