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Archive for the ‘Anfängerunterricht’ Category

Tagesaktuelles zum Stundeneinstieg

Ich beginne Stunden gerne mit einer aktuellen Notiz oder einem Jahrestag, am liebsten mit landeskundlichem Aspekt. Das ist an Tagen wie dem 12. Oktober oder Anfang November einfach, und man könnte ganze Stunden damit zubringen, die kulturellen und ideologischen Implikationen der Bezeichnungen „Kolumbus-Tag“, „Día de la Raza“, „Día de la Hispanidad“ oder „Día Nacional de España“ zu diskutieren oder Bilder vom Día de los Muertos zu zeigen.

Auch den 11. September erwähne ich oft, denn lange vor Nine-Eleven putschte sich Augusto Pinochet 1973 in Chile an die Macht und errichtete eine jahrelange Militärdiktatur.

An Tagen der Sonnenwende oder Tag-und-Nacht-Gleichen sprechen wir über aktuelle Jahreszeiten in verschiedenen spanischsprachigen Ländern. Natürlich bieten sich auch regionale Feiertage an, ein Dienstag, der 13. oder tagesaktuelle Nachrichten je nach Kursstufe.

Zur weiteren Anregung schaue ich gerne auf die Portalseite der spanischen Wikipedia. Unter Actualidad sind zu jedem Tag Ereignisse, Jahrestage und Feiertage aufgelistet. Außerdem werden bestimmte Artikel als lesenswert hervorgehoben, heute etwa ein Artikel über den Zeichentrickfilm „Mulan“ und gestern einer über die Tower-Raben in London. Hat nichts mit Spanien oder Lateinamerika zu tun, könnte aber Gesprächsanlass sein, da wahrscheinlich einige SuS den Film kennen oder schon einmal im Tower waren.

Unter Conmemoraciones y fiestas bekommt man für den 26.06. den Día Internacional de las Naciones Unidas en Apoyo de las Víctimas de la Tortura angezeigt und gleichzeitig den Día Internacional de la Lucha contra el Uso Indebido y el Tráfico illícito de Drogas. Beides zwar keine Themen, die man in fünf Minuten abhandeln möchte, aber auf jeden Fall ist es wert, darauf aufmerksam zu machen, dass es diese Tage gibt.

Unter dem Button Otros eventos actuales finden sich unter anderem Temas actuales für alle spanischsprachigen Länder.

Oder man beschränkt sich nicht auf die spanischsprachige Welt, sucht das jeweilige Datum und erfährt, dass am 26. Juni 1997 der erste Teil der Harry Potter-Reihe veröffentlicht wurde oder dass 1963 John F. Kennedy in Berlin verkündete „Ich bin ein Berliner“. Eine gute Gelegenheit, das Indefinido zu üben.

Für alle Einträge der Portalseite gibt es Archive, so dass man auch gezielt nach den Ressourcen eines anderen Tages suchen kann.

Für diesen Einstieg braucht man keine Vorbereitung. Am einfachsten ist es, wenn man die Portalseite an der Tafel aufrufen kann – dann kann man sich sogar gemeinsam mit den SuS überraschen lassen, was der Tag bietet. Falls das technisch nicht möglich ist, sucht man sich vorher ein Thema heraus und fragt, was die SuS darüber wissen.

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Kleine Online-Übungen selbst erstellen. Einfach und kostenfrei. 

Die Seite learningapps.org bietet die Möglichkeit, multimediale Übungen zu erstellen. Folgende Aufgabenformate sind möglich:

Paare zuordnen, Gruppen zuordnen, auf einen Zahlenstrahl eintragen, freie Textantwort, diverse Zuordnungen Audio-Text-Bild, Multiple-Choice-Test, Lückentext.

Außerdem gibt es verschiedene Spiele wie Hangman, Kreuzworträtsel, Gruppenpuzzle und mehr.

Ich habe eine meiner analogen Übungen zu den Vergangenheitszeiten genommen und auf das digitale Format abgebildet. Grundlage sind Sätze im Pretérito Perfecto, Pretérito Indefinido und im Pretérito Imperfecto. Jeder Satz ist irgendwo in der Mitte durchschnitten, so dass in der einen Hälfte das konjugierte Verb steht und die andere Hälfte durch Adverbien, adverbiale Bestimmungen, die Syntax oder den Inhalt mehr oder weniger klar zugeordnet werden kann.

Die Tauglichkeit der Sätze habe ich schon mehrmals analog mit ausgedruckten Schnipseln in verschiedenen Lerngruppen erprobt. Jetzt habe ich die Sätze bei learningapps.org eingetippt. Leider konnte ich die Online-Übung noch nicht testen, wollte das Ergebnis trotzdem hier mal vorstellen.

https://learningapps.org/display?v=pku5voce220

Oder hier die Vollbild-Variante: https://learningapps.org/watch?v=pku5voce220

Hilfreich finde ich die Markierungen: rot für Satzanfänge und blau für die Enden. Durch die Menge der Sätze wird es am Bildschirm etwas unübersichtlich, aber mit jedem gefundenen Paar wird das Bild übersichtlicher.

Das ist jetzt erstmal ein allererster Einstieg in die Plattform. Neben vielen anderen Aufgabenformaten kann man auch einen virtuellen Klassenraum erstellen, in dem die eigenen SuS u. a. selbst Apps erstellen und bereitstellen können. Dazu hoffentlich später mehr.

Hier findet ihr ein Tutorial auf Youtube zu den verschiedenen Aufgabenformaten

Und ein Tutorial zum virtuellen Klassenraum auf learningapps.org

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Cartoons lassen sich prima als Sprechanlass im Sprachunterricht nutzen. Ein Blog sammelt die kleinen Bildergeschichten und Witze nicht nur, sondern kategorisiert sie nach ihren sprachlichen Eigenheiten und Einsatzmöglichkeiten zum Spanisch lernen.

„Aprende español con mucho humor“ klingt – zumindest in meinen deutschsprachigen Ohren ein bisschen piefig, der Blog erweist sich aber als eine wahre Fundgrube für Bilderwitze und kleine Bildergeschichten – immer gleich mit der möglichen didaktischen Nutzung im Blick.

Es gibt Zeichnungen, die mit einzelnen Wörtern auskommen und durchaus auch schon für Anfänger/innen im ersten Lernjahr geeignet sind. Das Bild von zwei kleinen Handys, die auf ein behäbiges rosa Wählscheibentelefon zugerannt kommen und „Abuela!“ rufen, habe ich gerade in der Klasse 6 (erstes Lernjahr) nach einer kleinen Einheit über die Familie eingesetzt. Ich habe das Bild als Impuls zum Stundeneinstieg verwendet und auf Reaktionen gewartet. Da das Wort „el móvil“ immer schon in den ersten Einheiten eingeführt wird und „el teléfono“ sich von selbst versteht, ist eine kleine Beschreibung leicht möglich.

Die Unterscheidung „viejo/antiguo“ bzw. „jóven/nuevo“ lässt sich hier einführen, ohne dass abstrakte Erklärungen nötig wären. Der Hinweis auf die unterschiedlichen Bereiche „Mensch/Technologie“ genügt eigentlich. Die Thematik wiederholt sich in einem anderen Cartoon, der den Gebrauch des Pretérito Imperfecto veranschaulicht (daher für zweites oder drittes Lernjahr).

Die Cartoons sind nach linguistischen Phänomenen (zB adverbios, preposiciones, gerundio, condicional, estilo indirecto, falsos amigos, léxico) und nach Thematik (zB familia, comida, días, ropa) getaggt, aber wer die Zeit hat, sollte unbedingt einfach mal durchbrowsen, denn es sind sehr nette Exemplare dabei.

Einige meiner favoritos:

  • Das Bild von einem Jedi, der mit seinem schweizer Multifunktions-Laserschwert ein Stück Käse bedroht. Die Unterschrift: „Si los jedi fueran suizos“ ist nicht nur witzig, und grammatikalisch relevant, sondern bietet sich an für Abwandlungen. Können wir uns Jedi-Ritter anderer Nationalitäten vorstellen? Welche Klischeevorstellungen werden wachgerufen, wenn wir uns zB einen mexikanischen, niederländischen, französischen oder japanischen Jedi-Ritter vorstellen?
  • Das Foto von einem schlafenden Entenküken habe ich schon zum Unterrichtseinstieg verwendet. Der Text enthält zwei Indefinido-Formen und ist aufgrund des Fotos gut zu verstehen. Außerdem enthält er die Form „se durmió“, die man wahrscheinlich klären muss. Auch hier ist die Lebenswirklichkeit berücksichtigt und im Gespräch über den Text sollte das Wort „la excusa“ fallen. Ojo: über dem „durmió“ fehlt auf dem Foto der Akzent! – Den muss man entweder nachtragen – oder man lässt ihn stehen und die SuS müssen den Fehler finden.
  • Und gleich beim Konjugieren in den ersten Stunden kommt Bruce Lee bei mir zum Einsatz.

Das ist nur eine kleine Auswahl. Gerade zum Imperativ und zum Subjuntivo gibt es viele gute Beispiele, die ein anschauliches Anwendungsbeispiel darstellen und gleichzeitig einen Redeanlass bieten.

Ich nutze die Cartoons zB als Stundeneinstieg, um auf entspannte Art zum Stundenthema hinzuführen. Mit einigen Geschichten kann man sich aber auch länger aufhalten. Eine Möglichkeit ist eine kreative Auseinandersetzung mit dem Bild, indem der Text gelöscht wird. Das geht zB mit dem Bild, auf dem Jaime eine Nachricht unter der Tür durchgeschoben bekommt. Der Witz verbirgt sich in der Bildunterschrift, in der wir erfahren, dass es sich um die Tür vom Kleiderschrank handelt. Wenn man die Schrift löscht, kann man die SuS eine neue Bildunterschrift erfinden lassen. Oder man lässt die Schrift stehen und lässt sie den Wortlaut der ominösen Botschaft aus dem Kleiderschrank erfinden.

Oder die SuS müssen Sprechblasen füllen, die ich vorher geleert habe, wie zB in dem Comic, in dem Schneewittchen einen Apfel angeboten bekommt: Was antwortet sie wohl?

Weil die kurzen Äußerungen witzig sind und außerdem mit Bildern verbunden, bleiben den SuS ein einziger dieser Sätze (und seine Grammatik) oft besser im Gedächtnis als 100 Übungssätze zum selben Thema.

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Spanischsprachige Popsongs für verschiedene Lernjahre und mit unterschiedlichen Lernzielen.

In den Ferien ist mir aufgefallen, dass ich (nach Lieder im Spanischunterricht) schon viel zu lange keinen Latino-Pop mehr im Unterricht gehört habe. Weil ich mich nicht so gerne wiederhole, habe ich nach neuen geeigneten Songs Ausschau gehalten. Hier eine Übersicht über meine Ausbeute. Die Stücke sind noch nicht im Unterricht getestet und bisher nur mit ersten Ideen für ihren Einsatz versehen.

Super für oraciones condicionales irreales: „Si pudiera bajarte una estrella del cielo / Lo haría sin pensarlo dos veces“ und noch ein paar mehr davon; daher frühestens ab dem dritten Lernjahr. Ansonsten eher herkömmliche Metaphern eines Liebesliedes, ein niedliches Video und ein unwiderstehliches Duo auf der Bühne 😉

Absolut Ohrwurm-verdächtig mit witzigem Video. Der Text ist einfach zu verstehen, es gibt fast nur infinitivo und presente; daher schon im ersten Lernjahr einsetzbar. Das Video liefert den Text gleich mit,

Inhalt: La lista ist die Liste der Dinge, die das Ich unbedingt noch in seinem Leben tun möchte. Deshalb kann man prima eine kreative Aufgabe anschließen: Erstellt eure eigene Liste der Dinge, die ihr auf jeden Fall tun wollt. Falls Zeit und Lust vorhanden, kann man mit dem Handy das Video mit originalem oder neuem Text nachdrehen, dafür gibts auch schon nette Beispiele: Remake 1 und Remake 2 

Die Musik ist mainstream, aber nicht zu schmalzig. Der Text ist schon wieder eine Liste, diesmal eine mit den Dingen, die er für seine Liebste tut. Die Verben sind fast vollständig im presente, auch hier bietet es sich an, eine eigene Liste zu erstellen. Ebenfalls ab erstem oder zweitem Lernjahr.

Achtung witzig! Unbedingt erstes Lernjahr. SuS sollten die Fehler finden (und verbessern), die Mike macht und sich dabei auf keinen Fall seinen Akzent angewöhnen 😛

Wenn ich richtig gezählt habe, gibt es nur ein pretérito indefinido, sonst ist alles im presente. Dafür sind die Vokabeln etwas anspruchsvoller. Zum Erschließen des Wortschatzes lassen sich Wortfelder mit guten und schlechten Gefühlen erstellen. Außerdem bietet der Text Gesprächsanlass für eine Diskussion über Lügen und Wahrheit(en).

Noch ein Liebeslied. Aber eins mit vielen Zeitformen 😉 Wenn man die Verben aus dem Text streicht, könnte man die SuS die richtige Form mithilfe des Hörverstehens wieder einsetzen und erklären lassen, warum gerade pretérito perfecto, pretérito indefinido, pretérito imperfecto oder subjuntivo stehen muss.

Schönes Beispiel für die Abgrenzung indefinido vs. imperfecto: „Apareciste justamente / Cuando estaba listo para quererte „

Und noch mehr Grammatik zum erklären lassen: „aunque“ steht im Text sowohl mit indicativo als auch mit subjuntivo.

Von der Band Río Roma gibt es noch sehr viel mehr auf YouTube. Allerdings weder musikalisch noch vom Text her bemerkenswert. Nützlich ist höchstens, dass es viele Videos dabei gibt, die im Wesentlichen aus dem Liedtext bestehen. Und das ist ja für ein Musikvideo im Unterricht unter Umständen hilfreich.

Gilt für alle: Man muss sich im Einzelfall überlegen, ob und wann man das jeweilige Video zeigt. Als Einstieg würde ich wahrscheinlich immer eine reine Audio-Version wählen, damit das reine Hörverstehen gefordert ist und erst mit dem Video das Hör-Seh-Verstehen, bzw. das Hör-Lese-Verstehen ansprechen.

Oder aber: Man zeigt ein Video ohne Ton und lässt SuS erzählen, was zu sehen ist, bzw. vermuten, worum es im Text geht.

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Bei dieser Wochenplanaufgabe üben die SuS Vokabeln, probieren eine Technik zum Vokabellernen aus und trainieren das Erkennen von Wortarten.

Zeit für eine neue Wochenplanaufgabe in der Klasse 6.

Nach einem halben Jahr Sprachunterricht ist in der Regel schon genug Wortschatz vorhanden, dass es sich lohnt, die Vokabeln semantisch zu systematisieren. Auf der anderen Seite ist meistens noch nicht so viel Wortwissen angesammelt, dass es völlig unübersichtlich würde und die SuS gar nicht wüssten, wo sie anfangen sollten. Also: Super Zeitpunkt!

  • Die Grundaufgabe ist es, mehrere Wörter zu finden, die sich unter einer Überschrift sammeln lassen. Ich habe drei Beispiele vorgegeben, weil sie zu diesen Oberbegriffe viele weitere Wörter finden werden: la escuela, la ciudad, mi habitación.
  • Der zweite Schritt ist es, nach diesem Vorbild möglichst viele weitere Wortfelder selbständig zu finden (vielleicht la familia, la casa, comer …). Es sollten mindestens vier Wörter unter jedem Oberbegriff gesammelt werden.
  • Im dritten Schritt unterstreichen die SuS unterschiedliche Wortarten einheitlich: zB Substantive rot, Verben blau, Adjektive grün. Zum einen ist das wichtig, damit sie sich nicht nur auf Substantive konzentrieren (was erstmal irgendwie naheliegt). Zum anderen trainieren sie damit natürlich, Wortarten zu erkennen und mit ihnen umzugehen.

Eventuell ist es nötig, es in der Aufgabenstellung zur Bedingung zu machen, dass in jedem Feld mindestens ein Vertreter jeder dieser drei Wortarten auftaucht.

Die Einteilung von Vokabeln in semantische Bereiche ist ein guter Tipp fürs Lernen der Vokabeln. Außerdem ist es eine erste Hinführung zum Umgang mit einem „Grundwortschatz Spanisch“, der irgendwann das Lernen nach Vokabellisten im Lehrbuch ablösen wird.

Das Arbeitsblatt zum Download
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Eine Variation des Auswendiglernens von Gedichten im Anfängerunterricht: Zungenbrecher.

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Diese Woche hat die Klasse 6 die Wochenplanaufgabe bekommen, Zungenbrecher zu lernen. Wenn möglich auswendig, wenn das gar nicht geht, mit Spickzettel, aber möglichst fehlerfrei. Ich habe ihnen 10 verschiedene Zungenbrecher zur Auswahl gegeben, jede/r musste sich davon drei aussuchen.

Schön bei den kleinen Sprüchen ist, dass man mit ihnen meistens ganz bestimmte Laute oder Lautfolgen üben kann.

Das Nilpferd Pipo hat zwei Schwierigkeiten: das stumme „h“ und die stimmlosen Plosive [p] und [t], die sich abwechseln:

El hipopótamo Pipo está con hipo. ¿Quién le quitará el hipo al hipopótamo Pipo?

Bei Paquito sind es gleich alle drei stimmlosen Plosive [p], [t]und [k], die hintereinander gesprochen werden, außerdem müssen „a“ und „o“ gut unterschieden werden:

Poquito a poquito Paquito empaca poquitas copitas en pocos paquetes.

Für alle, die das [r] üben wollen, gibt es den Zungenbrecher vom Hund und vom Esel:

Un burro comía berros y el perro se los robó, el burro lanzó un rebuzno, y el perro al barro cayó.

Bei Pablito reihen sich die Konsonanten [k], [l] und [v] aneinander – Laute, die sich in Artikulationsort und -art deutlich unterscheiden und deren schneller Wechsel daher anspruchsvoll ist:

Pablito clavó un clavito
en la calva de un calvito.
En la calva de un calvito
un clavito clavó Pablito.

Die folgende Zeile muss mehrere Male hintereinander gesprochen werden (bei mir acht Mal). Schwierigkeit: Das einfache „r“ [ɾ] und das [l] ähneln sich stark durch den Artikulationsort (alveolar), zum [m] müssen jedoch die Lippen benutzt werden:

Camarón, caramelo,
camarón, caramelo, …

Nach einer Woche mussten dann die SuS zeigen, was sie gelernt hatten. Nur ein Drittel hat es ohne Blatt versucht, ein weiteres Drittel konnte ich immerhin dazu ermutigen, die Augen so oft wie möglich vom Blatt abzuwenden.

Nach jedem Vortrag habe ich gefragt, was jeweils die größte Schwierigkeit war. Antworten waren zB: das „rr“; die Abfolge bestimmter Laute („Welcher?“ „Und was meint Ihr, warum das schwierig ist?“; das schnelle Sprechen; oder das Auswendiglernen. Diese Reflexion schafft Bewusstsein zum einen für die vielen Stolpersteine von Sprache und zum anderen für den eigenen Umgang damit.

Das Arbeitsblatt mit 9 Zungenbrechern als pdf:Bildschirmfoto 2015-01-22 um 10.01.27

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Ein Gedicht für das zweite oder dritte Lernjahr, das viel Sprachwitz hat und die Arbeit mit semantischen Feldern sowie den Umgang mit sprachlichen Bildern ermöglicht.

Die Gedichte von Carmen Gil sind für Kinder geschrieben, und das ist normalerweise für SuS nicht besonders motivierend. Beim genauen Hinsehen findet sich aber in vielen ihrer Texte ein Umgang sowohl mit den Inhalten als auch mit der Sprache, der gar nicht so kindlich ist. Nicht selten enthalten die Texte Ironie und Augenzwinkern, sprachlich fällt die Verwendung von Stilmitteln und Sprachspielen auf. Ein gutes Beispiel für diesen verspielt-unterhaltsamen Stil ist das Gedicht „El desordenador“.

https://www.flickr.com/photos/cibercorresponsales/7936122782

cc-by cibercorresponsables

El desordenador

Anda el ordenador
subido de color
y algo desordenado
desde el martes pasado.

Navega en un mensaje
sin pasaje ni viaje.
Vaga etéreo y errático
por el mar informático.

Una computadora
cubana lo enamora,
atravesando el charco
sin avión y sin barco.

Lo conquista despacio
por el ciberespacio.
Al cabo le da coba,
entre arrobo y arroba.

Con un abracadabra,
de palabra en palabra,
lo vuelve del revés:
la cabeza en los pies.

Padece hipertensión,
se le mueve el ratón,
se le abre una carpeta,
se vuelve majareta…

Archiva corazones
por todos los rincones.
Imprime sólo flores
de todos los colores.

Y vive enamorado,
día y noche colgado
del hilo telefónico,
en su cielo electrónico.

Einige Vokabeln sollten dem Text beigefügt werden:

  • etéreo – ätherisch, himmlisch
  • erratico: umher irrend, vagabundierend, fehlgeleitet
  • atravesar: überqueren
  • el charco: die Pfütze, der „große Teich“
  • al cabo de: nach
  • la coba: die Schmeichelei
  • el arrobo: das Entzücken
  • volver a alg. del revés: jemanden völlig durcheinander bringen
  • padecer: leiden an
  • hipertensión: Bluthochdruck (tensión: Spannung)
  • la carpeta: die Mappe, (im Computer:) der Ordner
  • majareta: verrückt

Als Aufgabenstellungen bietet sich an:

  • Aufstellung der großen semantischen Felder:
    • el ordenador: el ordenador, subido de color, el mensaje, informático, la computadora, el ciberespacio, la arroba, el ratón, la carpeta, archivar, imprimir, el hilo telefónico, el cielo electrónico.
    • el viaje: andar, navegar, el pasaje, el viaje, erratico, vagar, por el mar, atravesando el charco, el avión, el barco.
    • el enmoramiento/los sentimientos: desordenado, subido de color, enamorar, la conquista, la coba, el arrobo, volver del revés, la cabeza en los pies, hipertensión, se vuelve majareta, corazones, flores, enamorado, el cielo.
  • Beschreiben und gemeinsames Erklären der Wortspiele:
    • ordenador/desordenado
    • el „viaje“ por el ciberespacio
    • el ordenador (español) vs. la computadora (cubana)
    • „al cabo de la coba“
    • „entre arrobo y arroba“
  • Schilderung der Symptome:
    • „padece hipertensión“, Was ist „Hochdruck“ beim Computer? Wieso macht „tensión“ das Wort hier doppeldeutig?
    • „se le mueve el ratón / se le abre una carpeta“. Wie funktionieren diese Ausdrücke? Grammatikalisch und semantisch? Findet ähnliche Ausdrücke (evtl. auf deutsch), um die Verliebtheit verschiedener Gegenstände zu beschreiben: zB einer Waschmaschine (se le sube la temperatura), eines Autos (se le abren las puertas), eines Klaviers (se le brincan las teclas) etc.
    • Wie lassen sich diese Ausdrücke zurück übersetzen in den menschlichen Bereich? (Se le mueven las orejas; se le abre la boca; se le tiemblan las rodillas… )
    • „archiva corazones […] imprime solo flores …“ Wie funktionieren diese Ausdrücke? (Vermischung der üblichen „Tätigkeiten“ eines Computers mit Dingen, die aus dem Bereich der Gefühle stammen)
    • Welches Bild wird in der letzten Strophe beschrieben? Wer zeichnet den verliebten Computer an die Tafel? (Eventuell mit Hilfe von Zurufen der anderen.)
  • Finden von weiteren Stilmitteln: Alliteration, sprachliche Bilder / Metaphern, Reim, Assonanz, Personifizierung, Anapher … Hierbei ist es nicht wichtig, die korrekte Bezeichnung zu kennen, sondern zu beschreiben, was das Stilmittel ausmacht und warum es nicht der Alltagssprache entspricht.

Weiterführend: Die Verbindung der Themen „Liebe“ und „Computer“ bzw. „künstliche Intelligenz“ mit dem entsprechenden Vokabular bietet Stoff für Fragen, Ideen, Diskussionen. In der Science Fiction ist das Thema sehr beliebt; Literatur und Kino behandeln immer wieder die Frage, ob Roboter oder Androiden Emotionen entwickeln können. Sicherlich kennen die SuS Beispiele.
Als aktuelle Anregung: Im vergangenen Jahr kam der Film „Her“ ins Kino, der das Thema ebenfalls aufgreift.
 

Kleine, einfache Gedichte können auch Sprachanfänger schon auswendig lernen. Dabei kommt es nicht so sehr auf das Sprachniveau an, als darauf, dass es sich um einen überschaubaren und rhythmisch sowie klanglich eingängigen Text handelt. 

toser_thumbFür den Wochenplan habe ich das Gedicht „Así es“ von María Elena Walsh ausgeteilt.

  • Material: das Gedicht „Así es“ von María Elena Walsh

María Elena Walsh
Así es

El cielo es de cielo,
la nube es de tiza.
La cara del sapo
me da mucha risa.

La luna es de queso
y el sol es de sol.
La cara del sapo
me da mucha tos.

  • Arbeitsform: Einzelarbeit / Partnerarbeit
  • Aufgabenstellung: Lerne das Gedicht „Así es“ auswendig und übe den Vortrag ein

Das klingt erst Mal einfallslos, hat bei meinem Kurs aber gut funktioniert. Die SuS gewöhnen sich an den Klang der Sprache, lernen spielerisch ein Stück zusammenhängende Sprache und üben automatisch kleine Syntagmen ein („es de“ oder „me da“), verstärkt durch die Wiederholung im Text.

Ich habe das Gedicht mit kleinen Grafiken illustriert, um das Verstehen der vielen unbekannten Wörter und das Erinnern an ihre Bedeutung zu erleichtern (siehe pdf: wochenplan_asi_es).

Das eigentliche auswendig Lernen fand zu den Wochenplanzeiten kombiniert in Einzel- und Partnerarbeit statt. In den Partnerphasen konnten sich die SuS gegenseitig kontrollieren und eventuell die Aussprache korrigieren.

Wegen der Aussprache habe ich aber außerdem darauf geachtet, dass ich innerhalb der Woch die Möglichkeit für ein Feedback hatte, damit sich Fehler nicht festsetzen konnten.

Mögliche anschließende kreative Aufgabe: SuS sollen Sätze bilden nach dem Muster „la nube es de tiza“ und „la luna es de queso“. Wenn ihnen nichts einfällt, kann man ein paar Vorschläge machen (möglichst bekannte Wörter):

el chocolate, el día, el papel, el elefante, el agua, la casa, la guitarra, la música, el aire, la playa, el mar, el niño, le mesa, la clase, la escuela, el tomate, el libro, la salsa

und sie die Begriffe beliebig zu Sätzen formen lassen:

  • La casa es de papel
  • La playa es de chocolate
  • La chocolate es de aire
  • El aire es de chocolate

Die Sätze sind oft witzig oder poetisch und geben Anlass zum Sprechen.wop_thumb

Das pdf, das ich erstellt habe, zum Download:

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Mit spanischen Namen kann man Aussprache und Schreibung üben. Außerdem vermitteln Namen wie Juan, Carmen, Pablo oder Paloma unmittelbar ein spanisches Flair. Für die ersten Dialoge hat man damit immer gleich genügend „spanische Identitäten“ parat.

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Meine erste Wochenplanaufgabe in der Klasse 6 (erstes Lernjahr, besser gesagt, erster Lernmonat) drehte sich um spanische Namen. Wir hatten noch kaum Vokabeln zur Verfügung und meine Idee war, statt Wörter Namen zu verwenden, um den SuS Klang und Charme der spanischen Sprache näher zu bringen.
So sah das Aufgabenblatt aus, das die SuS zu Beginn der Woche bekommen haben:

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  • Thema: Nombres españoles – Spanische Namen
  • Arbeitsform: Einzelarbeit
  • Aufgabenstellung:
  1. Finde jeweils einen spanischen Jungen- und einen spanischen Mädchennamen mit jedem Anfangsbuchstaben des Alphabets. Du darfst Buch und Arbeitsheft benutzen und nach Namen suchen. Bei einigen Buchstaben ist das sehr schwer, z.B. bei „K“, „X“ und „Y“ – die kannst du auslassen.
  1. Für viele deutsche Namen gibt es spanische Entsprechungen (z.B. Markus > Marco oder Sophie > Sofía). Suche solche Namen und finde heraus, wie sich die deutschen und die spanischen Namen unterscheiden. Kannst du Regeln bilden?
  • Die SuS erarbeiten sich mit den Namen eine Gruppe von Wörtern, ohne ihre Bedeutungen lernen zu müssen.
  • Namen sind sozusagen das Personal für die ersten Dialoge (Begegnung, Vorstellung, Begrüßung, Abschied).
  • Namen transportieren ein Stück Kultur: der Klang von „Carmen“ oder „Pablo“ ist konnotiert mit Figuren und Geschichten.
  • Es entsteht ein Pool von Wörtern, mit denen die SuS Aussprache und Schreibung üben können.
  • Bei den Entsprechungen zwischen deutschen und spanischen Namen erkennen sie typische Wortbildungsmerkmale der spanischen Sprache, wie die häufige geschlechtsspezifische Endung.
  • Beim Durchblättern des Lehrbuches stoßen sie auf Namen, indem sie groß geschriebene Wörter suchen – oder sie merken, dass Namen einige der wenigen Begriffe sind, die im Spanischen groß geschrieben werden.
  • Die Aufgabe entspricht dem entdeckenden Lernen, das charakteristisch ist für Wochenplanarbeit.

A propos Namen: Meistens gebe ich meinen neuen SuS von Anfang an „spanische“ Namen. Das ist in der Regel die spanische Variante ihres Namens, aber manchmal gibt es keine Entsprechung. Für den Fall können sich die SuS einen Namen aussuchen, der dem eigenen ähnelt oder der ihnen einfach gefällt. Das fällt leichter, wenn sie sich schon mal ein bisschen mit den Namen beschäftigt haben. Dieses Spiel mit Identitäten, bzw. mit einer neuen, zusätzlichen spanischen Identität macht den meisten Spaß.

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