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Archive for the ‘Literaturtipp’ Category

Von März bis Juni dieses Jahres bietet das Instituto Cervantes virtuelle Lesezirkel an. Sechs Bücher werden jeweils 10 Tage lang online besprochen und mit Interessierten diskutiert.

Erstmalig laden Mitgliedsbibliotheken des Verbundes von Bibliotheken des Instituto Cervantes (la Red de Bibliotecas del Instituto Cervantes) ihre Nutzer/innen ein, spanischsprachige Romane zu lesen und gemeinsam in virtuellen Lesezirkeln zu kommentieren und zu diskutieren.

Eine gute Gelegenheit, sich über bereits gelesene Bücher mit anderen auszutauschen oder Bücher, die schon lange im Schrank stehen, endlich zu lesen. Und falls die Bücher nicht im Schrank stehen, stehen sie in der elektronischen Bibliothek des Instituto Cervantes als E-Book einen Monat vor Beginn des jeweiligen Lesezirkels bereit, in manchen Fällen liegt sogar eine Hörbuch-Version vor.

Zur Lektüre wurden Bücher von Autoren aus Spanien, Chile, Argentinien, Uruguay und Peru ausgewählt. Die einzelnen Lesezirkel (jeweils mit der Dauer von etwa 10 Tagen) überschneiden sich nicht und werden von den Direktor/innen jeweils einer der teilnehmenden Bibliotheken moderiert.

Zwei Diskussionsrunden sind bereits abgeschlossen, heute hat die dritte begonnen. Die Beiträge der vergangenen Kreise können ebenfalls nachgelesen werden. Hier eine vollständige Liste der Titel und der entsprechenden Daten:

  • Antonio Skarmeta: El cartero de Neruda (02.03.-13.03.2015)
  • Alberto Méndez: Los girasoles ciegos (16.03.-27.03.2015)
  • Julio Cortázar: El perseguidor (07.04.-17.04.2015)
  • Mario Benedetti: La tregua (20.04.-30.04.2015)
  • Eduardo Mendoza: El misterio de la cripta embrujada (04.05.-15.05.2015)
  • Mario Vargas Llosa: Los jefes (18.05.-29.05.2015)

Wer Mitglied in einer der teilnehmenden Bibliotheken des Instituto Cervantes ist, kann sich kostenlos anmelden. Die Bibliotheken folgender Orte nehmen teil:

Argel, Atenas, Berlín, Budapest, Burdeos, Chicago, Dublín, Fez, Hamburgo, Londres, Rabat, Roma, Sofía, Sídney, Tel Aviv, Toulouse.

Den Anfang der Reihe habe ich leider verpasst, werde aber jetzt einsteigen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, mit Hispanohablantes in Sidney, Rabat oder Chicago über gemeinsame Leseerlebnisse zu sprechen?

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Rosa Ribas und Sabine Hoffmann haben gemeinsam einen Roman geschrieben – vierhändig und zweisprachig. Sie haben das Buch und ihre Technik des gemeinsamen Schreibens gestern abend in einer Lesung in Berlin vorgestellt.

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Rosa Ribas (rechts) und Sabine Hoffmann im Gespräch nach der Lesung

In lauschiger Wohnzimmeratmosphäre bei Häppchen und Wein in der Buchhandlung Rayuela haben Rosa Ribas und Sabine Hoffmann ihren Roman, oder besser gesagt, ihre zwei Romane vorgestellt.

Handlung

„Don de lenguas“ ist eine Kriminalgeschichte, die in Barcelona des Jahres 1952 spielt. Der Roman beginnt mit einer Leiche auf den ersten Seiten, es folgen ineffiziente Polizeiarbeit und zwei Frauen, die sich aus verschiedenen Gründen mit dem Fall befassen. Bei den Hauptfiguren handelt sich um eine junge Journalistin und eine promovierte Sprachwissenschaftlerin; keine von beiden kann im Frankismus ihrer Arbeit im eigentlichen Sinne nachgehen. Bald stoßen sie bei den Ermittlungen auf Ungereimtheiten, werden neugierig und beginnen, auf eigene Faust nachzuforschen.

Thematisch ist das Geschehen überschattet von der Franco-Diktatur, von Staatsterrorismus, von Presse und Polizeiarbeit im Dienste des Regimes und von der systematischen Diskriminierung der Frauen. Demgegenüber steht ein unspektakuläres, aber mächtiges Instrument, dessen sich die Protagonistinnen bedienen, um Stück für Stück den Fall zu lösen: die Sprache.

Wie schreibt man zweisprachig?

Neben der Handlung des Romans und der sehr schönen zweistimmigen Lesung einzelner gut ausgewählter Stellen, zT auf Deutsch, zT auf Spanisch, stand die Entstehungsgeschichte dieses Romans „a cuatro manos“ gestern Abend im Mittelpunkt.

Die Idee war es von Anfang an, einen Roman zu zweit in zwei Sprachen zu schreiben. Rosa Ribas ist spanische Mutterrsprachlerin, Sabine Hoffman deutsche, beide sprechen aber die jeweils andere Sprache gut. Nachdem Handlung und Figurentableau so genau wie möglich umrissen waren, haben die beiden Autorinnen Szenen unter einander aufgeteilt und in ihrer jeweiligen Muttersprache verfasst. Die Szenen wurden dann aneinander gefügt und im Zusammenhang überarbeitet.

So entstand zunächst ein Text aus Passagen in spanischer und in deutscher Sprache. Dann haben beide die Passagen der jeweils anderen in die eigene Sprache übersetzt, so dass am Ende nicht ein Original und eine Übersetzung vorlagen, sondern zwei Romane, die beide halb Original und halb Übersetzung waren.

Übersetzung

Besonders interessant für mich war die Aussage der Autorinnen, dass die Übersetzung der Passagen nochmals zu größeren Überarbeitungen in beiden Sprachen geführt habe. Zum einen habe es selbstverständlich kulturell bedingt größeren Erklärungsbedarf in der deutschen Version gegeben. Darüber hinaus sei aber auch die Art des Erzählens in beiden Sprachen durchaus unterschiedlich; zum Beispiel weiche die Toleranz gegenüber Redundanzen deutlich voneinander ab.

Insgesamt hat die Arbeit am Roman dreieinhalb Jahre gedauert. Mittlerweile liegt der Krimi nicht nur in spanischer und deutscher Sprache, sondern auch in italienischer und englischer Übersetzung vor. Wobei er – meiner Meinung nach kurioserweise – auf Englisch unter dem Pseudonym Sara Moliner veöffentlicht wurde, weil man dem Publikum auf der Titelseite kein Autorinnen-Duo zumuten wollte.

Der wunderbare Titel „Don de lenguas“ wurde im deutschen durch „Das Flüstern der Stadt“ und im Englischen mit „Whispering city“ wiedergegeben. Auch darüber wurde im Anschluss noch angeregt diskutiert.

Ein toller Abend mit vielen Anregungen.

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Drei Literaturexperten und Kenner Lateinamerikas und Spaniens haben gestern Abend im Ibero-Amerikanischen Institut herausragende Titel spanischsprachiger Literatur vorgestellt, die in 2014 in deutscher Übersetzung erschienen sind.

Gestern hat mich meine Berliner Kulturwoche ins Ibero-Amerikanische Institut geführt. In Zusammenarbeit mit den Freunden des IAI bespricht das „Literarische Terzett“ seit 2007 etwa einmal jährlich öffentlich Neuerscheinungen aus dem spanischsprachigen Raum. Manchmal steht ein Land oder eine Region im Mittelpunkt, diesmal sollte der gemeinsame Nenner ein thematischer sein, nämlich „Fragen des Überlebens“.

Das Terzett besteht aus dem Publizisten Peter B. Schumann, dem Romanisten Prof. Dr. Dieter Ingenschay (Humboldt-Universität zu Berlin) und dem Dramaturgen und Literaturwissenschaftler Dr. Florian Borchmeyer (Schaubühne Berlin). Sie haben sechs Bücher von Autoren aus sechs Ländern vorgestellt und zT sehr kontrovers diskutiert. Die erzählte Geschichte, Sprache, Aufbau, Originalität, Recherche der Fakten, aber auch Qualität der deutschen Übersetzung wurden berücksichtigt.

Vorgestellte Titel mit meinen Stichwort-Notizen

  • Eduardo Halfon (Guatemala): Der polnische Boxer – Erzählungen auf der Suche nach Wurzeln und Heimat, sehr kontrovers besprochen
  • Leonardo Padura (Kuba): Ketzer – gut recherchierte Geschichte über Ketzer aus fünf Jahrhunderten auf über 500 Seiten
  • Yuri Herrera (Mexiko): Der König, die Sonne, der Tod – narconovela* – Trilogie
  • Roberto Bolaño (Chile): Mörderische Huren – Erzählungen von krummen Lebenswegen schräger Figuren, erzählte Unterhaltung
  • Juan Gabriel Vázquez (Kolumbien): Das Geräusch der Dinge beim Fallen – narconovela*; gelobte Übersetzung von Susanne Lange
  • Rafael Chirbes (Spanien): Am Ufer – Thema: Spanische Wirtschaftskrise und was sie aus den Menschen macht

*Zwei der Bücher lassen sich dem Genre der narconovela zuordnen, handeln also von der Gesellschaft, die tief verstrickt ist in die Geschäfte der Drogenkartelle und die bestimmt wird durch Korruption und Gewalt. Dass es sich hier nicht nur um eine thematische Beschreibung, sondern um eine Genre-Zuordnung handelt, lässt sich festmachen an einem eigenen Personeninventar, das charakteristisch ist für das Genre.

Alles in allem viele Buchtipps und ein anregender Abend!

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Fürs Fitnessstudio, die Zugfahrt oder den Urlaub: Überall, wo Bücher unpraktisch oder anstrengend sind, erweitern Hörbücher auf Spanisch ganz nebenbei meinen aktiven und passiven Wortschatz.

Papier-Bücher lesen geht nicht überall und außerdem schätze ich die Möglichkeit, das Hörverstehen zu trainieren. Da muss es dann auch nicht immer besonders anspruchsvoll sein, zumal die Auswahl der mir zugänglichen Hörbücher begrenzt ist. (Ich lade die Bücher bei Audible herunter; Kosten Abo: pro Monat ein Buch für 9,95€).

Zuletzt gehört: Daína Chaviano: La isla de los amores infinitos (ausführliche und wohlwollende Kritik auf Deutsch). Die Insel der ewigen Liebe (deutscher Titel) wurde in 25 Sprachen übersetzt und ist damit einer der meistübersetzten kubanischen Romane aller Zeiten.

In der Rahmenhandlung recherchiert die Exil-Kubanerin Cecilia für einen Artikel über ein Geisterhaus im Miami. Dafür muss sie sich mit der Geschichte Kubas, sowie mit ihrer eigenen Identität auseinandersetzen. Parallel dazu werden die Geschichten dreier Einwanderer-Familien aus Nigeria, China und Spanien erzählt. Schließlich versöhnt sich Cecilia mit ihren kulturellen und familiären Wurzeln und mit ihrem Schicksal – sowohl mit ihrer Vergangenheit auf Kuba als auch mit ihrer Gegenwart in Miami.

Mein unmittelbarer Eindruck: Ein schwer erträgliches esoterisches Durcheinander von Kartenlegen, besessenen Menschen und Häusern, Geisteranrufungen, Seelen, die keine Ruhe finden, Familien-Kobolden, Flüchen, Kraftorten, Astrologie, Gegenständen mit Zauberkraft, chinesischer Zahlenmagie, Heiligen, Sünde und Läuterung.

Die Vermengung von afrikanischen Kulten und Katholizismus zu Santeria, und deren Weitervermischung mit chinesischer Zahlenmagie stellt den kulturellen Hintergrund für die verschlungenen Familienbande und romantischen Erzählstränge dar. Dabei werden die geheimnisvollen Ereignisse und Figuren zu einem Rätsel, das sich nur mithilfe der Kenntnis magischer Traditionen und Weissagungen aufklären lässt. Eine Detektivgeschichte, in der nicht Indizien und Beweise gesucht werden, sondern Zauber, untote Seelen und Zwischenweltwesen, die für den Gang der Dinge verantwortlich gemacht werden können.

Die Idee, die eingewanderten Kulturen einander als Erzählstränge über drei Generationen anzunähern, bis sie sich in der Gegenwart in einer Figur verbinden, ist reizvoll. Interessant sind auch die Erklärungen einiger Redensarten, in denen sich das Verhältnis der Kulturen zueinander widerspiegelt, diese finden sich allerdings eher scheinbar zufällig an wenigen Stellen und beziehen sich ausschließlich auf die Stellung der Chinesen innerhalb der kubanischen Gesellschaft. Schließlich sind die Kapitel mit den Titeln beliebter Boleros überschrieben, was einen weiteren kulturellen Baustein darstellt. Insgesamt scheint mir die Vermischung aber überstrapaziert und wahllos, Angedeutetes und Angerissenes bleibt offen – was an sich nicht zu beanstanden ist, hier wirkt es jedoch eher vergessen.

Bei dem Galopp durch Kulturen und Zeiten bleibt vieles flach. Auch den Figuren fehlt Tiefe, die Schicksale bleiben klischeehaft-romantisch.
Eins noch: Auch wenn das in anderen Kritiken anklingt – das Ganze hat mit magischem Realismus nichts zu tun.

Fazit: In weiten Teilen unterhaltsam, sprachlich leicht verständlich, allerdings etwas verwirrend durch zu viele Figuren, zu viele Namen, zu viele nebensächliche Ereignisse.

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Javier Tomeo war einer der am häufigsten übersetzten Gegenwartsautoren Spaniens. Er verstarb vergangene Woche im Alter von 80 Jahren.

Literatur lässt sich nur selten spontan in den Fremdsprachenunterricht integrieren: In der SekI reicht die Sprachfertigkeit der SuS oft noch nicht aus und in der Oberstufe lässt der enge Zeitplan keinen Raum für Stoff jenseits der vorgeschriebenen Lektüren.

Vielleicht kann man hier eine Ausnahme machen: Nicht nur weil Javier Tomeos Tod ein aktueller Anlass ist, sondern auch, weil einige seiner Texte sich ausgesprochen gut eignen. Und damit meine ich nicht seine auch in Deutschland viel gelesenen humorvollen und hintergründigen Romane (Der Marquis schreibt einen unerhörten Brief oder Der Silikonliebhaber), sondern ich meine die Historias mínimas.

Diese historias sind eigentlich keine Geschichten, sondern sehr komprimierte Theaterstücke – vergleichbar mit den microcuentos im narrativen Bereich. Da sie meist nur zwei oder drei Seiten lang sind, eignen sich diese Texte gut für den Unterricht. Ihre Kürze wirkt motivierend und die gesprochene Sprache erschließt sich oftmals unmittelbarer als epische Beschreibungen aus dem „Off“ eines Romans. Außerdem sind die Inhalte unterhaltsam, spannend und rätselhaft bis verstörend – Tomeos Texte tragen oft surrealistische Züge – und bieten viele Diskussionsanlässe.

Die Historias mínimas des studierten Juristen und Kriminologen erzählen in einer nüchternen Sprache phantastische Szenen, die oft von Zweierbeziehungen handeln. Da ist zB die Geliebte, die ihren Kavalier zunächst warten lässt, dann auftaucht, sich Artigkeiten sagen lässt und schließlich die mitgebrachten Orchideen genüsslich verspeist (Historias mínimas: XII).

In einer anderen Miniatur beschreibt Tomeo den Dialog zwischen zwei Unbekannten in einem Zugabteil: Der Mann versucht die Frau mit zweideutigen und schlüpfrigen Bemerkungen zu umgarnen, sie demaskiert seine Absichten als instinktgesteuert und nicht zeitgemäß und führt ihm im Spiegel seinen lüsternen Blick vor Augen (Historias mínimas: XXXII).

Anhand dieser und anderer microobras kann man im Unterricht Charakteristika des dramatischen Genres besprechen sowie Besonderheiten des modernen Theaters. Man kann ein kleines Stück ohne viel Aufwand in Szene setzen oder auch nur szenisch lesen lassen. Inhaltlich lassen sich Diskussionen um Gender-Stereotype, Beziehungen und Emanzipation anleiten. Und wie alle Kürzestformen bleibt viel Raum für eine kreative Fortsetzung, Füllen von Leerstellen und phantasievolle Anlehnungen.

Nachrufe Javier Tomeo:

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Cover Vermessung der Welt„Das Ende des Wegs sei in Sicht, die Vermessung der Welt fast abgeschlossen. Der Kosmos werde ein begriffener sein, alle Schwierigkeiten menschlichen Anfangs, wie Angst, Krieg und Ausbeutung, würden in die Vergangenheit sinken, …“  „Zu viele Leute hielten ihre Gewohnheiten für die Regeln der Welt.“

Aus: Daniel Kehr, „Die Vermessung der Welt“

Der erste Satz scheint mir heute widerlegt. Niemals wird die Vermessung der Welt abgeschlossen sein. Vermessen, das zu sagen, aber unmöglich, es umzusetzen. Dafür ist unser Hirn nicht geschaffen. Immer näher herankommen. Und darin nicht nachlassen. Aber niemals alles verstehen.

Der zweite Satz hingegen ist ein ewiger. Kleine Horizonte, enge Stirnen, ängstlich gehütete Riten.

Schon etwas ältere, aber großartige Kritik zum Buch und „neubürgerlichen“ Lesegewohnheiten hier in der taz von Marius Meller.

Besonders erstaunlich für mich Mellers Ausgangspunkt, dass „Die Vermessung der Welt zu den erfolgreichsten Romanen seit Gründung der Bundesrepublik, zumindest in demjenigen Sektor der Literaturproduktion, den man am praktischsten immer noch als Hochliteratur bezeichnet“, gehört: Sie verkaufte sich im ersten Jahr über 950.000 Mal.

Meller erwähnt die Kritik am Buch, dass Kehlmann mit den beiden geistigen Größen, denen er sich nähert, sehr respektlos umgehe. Daraus macht er jedoch ohne Umschweife das Kompliment „Ein Meilenstein in der Geschichte der Säkularisierung des Genies“. Die „Entheroisierung“ sei geradezu die Voraussetzung seiner Hommage.

Das alles reicht Mellert aber noch nicht, um das Phänomen zu erklären, dass „circa 1,1 Prozent der deutschen Bevölkerung, inklusive Säuglinge und Sieche, im Besitz eines Exemplars der „Vermessung der Welt“ sind, oder 2,3 Prozent aller deutschen Haushalte“. Dafür führt er den Begriff des „Neubürgertums“ ein:

Es könnte hilfreich sein, den Begriff Säkularisierung auch auf die bürgerliche Gesellschaft anzuwenden: Ihre rest- und parareligiösen Anteile wurden in Deutschland durch die „Aufarbeitung“ der Nazizeit und die antibürgerlichen Achtundsechziger säkularisiert. Das bedeutet nicht, dass ein Neubürger kein Interesse für religiöse Erfahrung entwickeln dürfte oder für die esoterische Erhabenheit einer Installation von Rebecca Horn. Sondern eben nur, dass er strukturell nicht mehr anfällig ist für quasireligiöse Ideologie – zumindest ist das zu hoffen.

Vor dem Hintergrund dieses Neubürgertums wird für Mellert Die Vermessung der Welt zum „Symptom der Selbstorganisation und Selbstformierung einer neuen bürgerlichen Schicht“.

Die Kritik ist bereits vom März 2007. Vielleicht war der Aufbruch des „Neubürgertums“ damals wirklich schon spürbar, vielleicht war der Artikel auch prophetisch. Heute sehe ich jedenfalls Zornbürger, demonstrierende Bürger, Säkularisierung, Selbstorganisation und viel Bewegung!

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Die Romanistin und Professorin für Romanistische Sprachwissenschaft Jutta Langenbacher-Liebgott hat eine umfangreiche Literaturliste zur Fachdidaktik Spanisch veröffentlicht. Mit dem Stand 05/2009 ist sie noch recht frisch

Hier finden sich u.a. Standardwerke, offizielle Papiere wie Lehrpläne, Richtlinien, Curriculum, Gesetze und Vorgaben, Veröffentlichungen zu Bildungsstandards und Bildungspolitik und Empfehlungen der Kultusministerkonferenz (KMK). Werke zur Allgemeinen Fremdsprachendidaktik, zu Fremdsprachenerwerb und Fremdsprachenforschung, zu Unterricht, allgemeiner Didaktik und Mehrsprachigkeit. Es folgen Veröffentlichungen zum Fremdsprachenlernen in verschiedenen Lebensaltern, sowie zu Lehr- und Lernmethoden und -strategien sowie zu Literatur- und Sprachunterricht, Landeskunde, Medien im Unterricht und Leistungsüberprüfungen.

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