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Archive for the ‘Landeskunde’ Category

Tagesaktuelles zum Stundeneinstieg

Ich beginne Stunden gerne mit einer aktuellen Notiz oder einem Jahrestag, am liebsten mit landeskundlichem Aspekt. Das ist an Tagen wie dem 12. Oktober oder Anfang November einfach, und man könnte ganze Stunden damit zubringen, die kulturellen und ideologischen Implikationen der Bezeichnungen „Kolumbus-Tag“, „Día de la Raza“, „Día de la Hispanidad“ oder „Día Nacional de España“ zu diskutieren oder Bilder vom Día de los Muertos zu zeigen.

Auch den 11. September erwähne ich oft, denn lange vor Nine-Eleven putschte sich Augusto Pinochet 1973 in Chile an die Macht und errichtete eine jahrelange Militärdiktatur.

An Tagen der Sonnenwende oder Tag-und-Nacht-Gleichen sprechen wir über aktuelle Jahreszeiten in verschiedenen spanischsprachigen Ländern. Natürlich bieten sich auch regionale Feiertage an, ein Dienstag, der 13. oder tagesaktuelle Nachrichten je nach Kursstufe.

Zur weiteren Anregung schaue ich gerne auf die Portalseite der spanischen Wikipedia. Unter Actualidad sind zu jedem Tag Ereignisse, Jahrestage und Feiertage aufgelistet. Außerdem werden bestimmte Artikel als lesenswert hervorgehoben, heute etwa ein Artikel über den Zeichentrickfilm „Mulan“ und gestern einer über die Tower-Raben in London. Hat nichts mit Spanien oder Lateinamerika zu tun, könnte aber Gesprächsanlass sein, da wahrscheinlich einige SuS den Film kennen oder schon einmal im Tower waren.

Unter Conmemoraciones y fiestas bekommt man für den 26.06. den Día Internacional de las Naciones Unidas en Apoyo de las Víctimas de la Tortura angezeigt und gleichzeitig den Día Internacional de la Lucha contra el Uso Indebido y el Tráfico illícito de Drogas. Beides zwar keine Themen, die man in fünf Minuten abhandeln möchte, aber auf jeden Fall ist es wert, darauf aufmerksam zu machen, dass es diese Tage gibt.

Unter dem Button Otros eventos actuales finden sich unter anderem Temas actuales für alle spanischsprachigen Länder.

Oder man beschränkt sich nicht auf die spanischsprachige Welt, sucht das jeweilige Datum und erfährt, dass am 26. Juni 1997 der erste Teil der Harry Potter-Reihe veröffentlicht wurde oder dass 1963 John F. Kennedy in Berlin verkündete „Ich bin ein Berliner“. Eine gute Gelegenheit, das Indefinido zu üben.

Für alle Einträge der Portalseite gibt es Archive, so dass man auch gezielt nach den Ressourcen eines anderen Tages suchen kann.

Für diesen Einstieg braucht man keine Vorbereitung. Am einfachsten ist es, wenn man die Portalseite an der Tafel aufrufen kann – dann kann man sich sogar gemeinsam mit den SuS überraschen lassen, was der Tag bietet. Falls das technisch nicht möglich ist, sucht man sich vorher ein Thema heraus und fragt, was die SuS darüber wissen.

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Landeskunde aktuell: Im Süden Chiles erledigen zur Zeit Schülerinnen und Schüler die Hausaufgaben auf den Dächern ihrer Wohnhäuser.

Während bei uns die meisten Schülerinnen und Schüler wieder die Schulen besuchen, wird in Chile noch zu Hause gelernt. Auch dort werden der Unterricht sowie die Seminare der Universitäten über Zoom und andere Plattformen durchgeführt. Insbesondere in den ländlichen Gebieten im Süden des Landes ist die Netzabdeckung jedoch in Teilen so schlecht, dass die Schüler_innen und Studierenden auf die Dächer steigen, um von dort aus dem Unterricht bewohnen zu können. In Chile beginnt zur Zeit der Winter, und der Süden ist eine regenreiche Region, so dass viele mit Decken und Regenschirmen auf den Dächern sitzen.

Der Artikel ist kurz und bietet Gelegenheit, zu zeigen, mit welchen Schwierigkeiten aktuell die Jugendlichen in anderen Ländern umgehen müssen, vielleicht finden sich auch Parallelen zu der Situation einiger Schüler_innen im Kurs.

Wenn man weitergehen will, kann man die betroffene Region auf der Karte suchen lassen (¡ojo! Es gibt auch ein San Ramon in der Nähe der Hauptstadt Santiago, hier ist aber explizit von San Ramón in der Región La Araucanía die Rede) und über die Bevölkerungsstruktur Chiles und die Chancengleichheit sprechen.

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Das Museum of Latin American Art in Long Beach, Kalifornien, zeigt zur Zeit eine eindrucksvolle Ausstellung über Arpilleras, gestickte Bilder, die während der Chilenischen Diktatur eine besondere Funktion hatten – und sie ist online zugänglich.

„Arpilleras sind wie gemalte Lieder“ sagte Violeta Parra, eine chilenische Sängerin und bildende Künstlerin. Die Wandbilder sind aus farbenfrohen Stoffresten genäht und gehören zur typisch chilenischen artesanía, zum Kunsthandwerk. Sie dienen allerdings nicht nur als Wandschmuck, sondern haben traditionellerweise eine politisch-gesellschaftliche Funktion: Die unter dem Militärregime nach dem Staatsstreich 1973 entstandenen Bilder erzählen von Unterdrückung, Verfolgung, Gewalt und Willkür und waren als subversiv und aufrührerisch offiziell verboten. Die Ausstellung zeigt Arpilleras, erklärt die Bilder und setzt sie in den politischen und historischen Kontext von Putsch und Diktatur.

Online-Unterricht

Wer im Unterricht vielleicht schon über Chile gesprochen hat, hat hier eine tolle Gelegenheit, mit diesen speziellen und authentischen Ressourcen das Thema zu vertiefen. Die Erläuterungen sind auf Englisch. Das könnte man dazu nutzen, die Inhalte ins Spanische sprachmitteln zu lassen.

Die Ausstellung teilt sich in folgende Abschnitte:

  1. September 11, 1973
  2. Aftermath
  3. Organized Resistance
  4. MEMCh (Movement for the Emancipation of the Chilean Woman)
  5. Arpilleras Today

Drei der Sektionen sind mit Video-Material angereichert und auf jeder Seite sind thematisch relevante Lieder zu hören.

Mögliche Aufgabenstellungen

  • Man könnte die SuS auf der Seite stöbern und Kommentare schreiben lassen (z. B. einen Blog-Artikel mit dem kostenlosen und anonymen Webtool telegra.ph)
  • Oder man beschränkt sich auf einen Teil der Ausstellung, oder sogar auf einige wenige Arpilleras um bestimmte Themen behandeln zu lassen.
  • Denkbar wäre auch, dass die SuS sich jeweils eine Arpillera aussuchen, eine Bildbeschreibung machen und/oder das Dargestellte mit dem historischen Kontext in Verbindung bringen.
  • Möglich ist auch eine Recherche bezüglich der Lieder, die auf den Seiten verlinkt sind.
  • Der Ausstellungstitel beinhaltet den Begriff der „memoria“. Da das Konzept der Erinnerungskultur den SuS vertraut sein wird, könnte man hier den Transfer zur Geschichtsaufarbeitung in Chile herstellen.
  • Sprachmittlung für einen spanischen Freund/Freundin, die Fragen hat:
    • ¿Qué tienen que ver los arpilleras con la dictadura chilena?
    • ¿Por qué se menciona las mujeres en el título de la exposición?

Link zur Online-Ausstellung

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„See how people really live.“ So überschreibt das Projekt „Dollar Street“ seine Website. In einem ständig fortlaufenden Prozess werden Bilder von Menschen auf der ganzen Welt gesammelt, welche die Lebensbedingungen in Abhängigkeit der Nationalität und des Einkommens möglichst anschaulich dokumentieren sollen.

„Ersetzen Sie den Sombrero durch Dollar Street!“ So fordert Hans Rosling, der Autor des Sachbuch-Bestsellers Factfulness (2018) Lehrerinnen und Lehrer auf, die Website Dollar Street in ihren Unterricht einzubeziehen.

Die Idee hinter dem Projekt ist es, zu zeigen, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen Menschen auf der ganzen Welt gibt. Beim Betrachten der Bilder finden wir viel Vertrautes über die Kulturen hinweg.

Die Seite enthält aktuell über 30.000 Fotos von 264 Familien in 50 Ländern. Die Fotos zeigen Alltagsgegenstände wie beispielsweise Zahnbürsten, Schuhe, Herde und Türschlösser. Sortiert sind die Familien und ihre Haushalte entsprechend dem Monatseinkommen, das der Familie zur Verfügung steht.

Die Fotos können auf unterschiedliche Weise dargestellt und sortiert werden: Man kann sich z. B. Haushalte mit unterschiedlichem Einkommen eines Landes, eines Kontinents oder weltweit anzeigen lassen; man kann einen Haushaltsgegenstand in verschiedenen Haushalten vergleichen; man kann sehen, wie Familien mit demselben Einkommen in verschiedenen Ländern leben.

Dabei gibt es Aufnahmen, die Aufschluss über den technischen Standard geben, wie z. B. die Netzschalter:dollarstreet netzschalter

Dabei sind die Familien immer von links nach rechts nach ihrem Einkommen in aufsteigender Reihenfolge sortiert.

Ungeachtet des Namens der Seite wird deutlich, dass Geld nicht alles ist. Es gibt Bilder, die die menschlich-emotionale Dimension verdeutlichen: wunderbare „Familien-Schnappschüsse“, „Dinge, von deren Besitz ich träume“ oder „Spielzeug“:

dollarstreet spielzeugZunächst möchte ich diese Seite gerne teilen und verbreiten, weil ich sie beeindruckend und lehrreich finde. Die ungewöhnlichen Einblicke in unterschiedlichste Familien und Lebensumstände haben mich sehr berührt.

Darüber hinaus denke ich, dass Rosling recht hat, wenn er sich von Lehrer*innen wünscht, im landeskundlichen Teil ihres Unterrichts überholte Stereotypen wie „den Sombrero“ einzutauschen gegen echte Menschen und ihre Leben.

Was kann das für den Spanischunterricht bedeuten? 

Aus dem spanischsprachigen Raum sind Familien aus Spanien, Bolivien, Kolumbien, Mexiko und Peru zu sehen. Man kann diese Bilder nutzen für Landeskunde Spaniens oder Lateinamerikas und die SuS selbständig die Möglichkeiten dieser Seite entdecken lassen. Oder man gibt ganz konkrete Aufgaben, wie z. B.

  • Vergleiche die Zahnbürsten, Radios und Haustüren der ärmsten und der reichsten Familien in Lateinamerika. (Hier kann man prima den Komparativ und Superlativ üben.)
  • Bilder der Rubrik „Cosas que sueño tener“ anschauen und Konditionalsätze bilden: Si tuviera dinero …
  • Bilder der Rubrik „Las cosas importantes que planeo comprar pronto“ betrachten und Sätze im Futuro oder Futuro inmediato bilden lassen.
  • Bilder der Rubrik „Muebles comprados recientemente“ ansehen und Sätze im Pretérito perfecto bilden lassen (ggf. wegen der Gleichförmigkeit von „han comprado“ noch ergänzen mit „… y ahora pueden …“)
  • Vergleiche die Herde in Kolumbien mit denen in Spanien. (Leider gibt es bisher noch keine Fotos aus deutschen Haushalten.)
  • Die Rubrik
  • Beschreibe Straßenansichten aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas.
  • Beschreibe 6 Gegenstände einer mexikanischen Familie.
  • Die Seite kann man sich auf Spanisch anzeigen lassen, dann können anhand der Haushaltsgegenstände, die alle beschriftet sind, Vokabeln gelernt werden.
  • Kreative Texte schreiben lassen: einen Brief, Tagebucheintrag oder eine Geschichte aus der Perspektive einer Person aus einer bestimmten Familie schreiben lassen.
  • Macht Fotos aus eurem eigenen Haushalt und vergleicht die Bilder.
  • Oder man verwendet einzelne Bilder der Seite für eigene Aufgaben.

Wichtig zu wissen: Das Material (Texte und Fotos) ist unter der Creative Commons Lizenz 4.0 lizensiert, das heißt, dass du die Bilder weiterverwenden, bearbeiten und teilen darfst.

Unter dem Menüpunkt „Wie kann ich helfen?“ findet man verschiedene Möglichkeiten, zum Projekt beizutragen: unter anderem Fotos machen, Texte schreiben und übersetzen. So etwas könnte man als Projekt für einen Kurs anbieten.

Speziell als Lehrer*in kann man beitragen, indem man Unterrichtsmaterialien ausprobiert oder eigene entwickelt. Diese Materialien habe ich mir noch nicht angesehen, Informationen dazu finden sich auf der Site der unabhängigen schwedischen Stiftung Gapminder.

Allerdings …

Sicherlich muss man immer wieder darauf hinweisen, dass die Familien zufällig ausgewählt wurden. Dollar Street hat nicht den Anspruch, repräsentative Bilder zu zeigen. Es sind Bilder von Familien, die sich einverstanden erklären, ihr Zuhause zu zeigen und es ist eine Zufallsauswahl. Eine Familie, die für ein Land am rechten Ende der Dollar Street steht, ist deshalb nicht die Familie mit dem höchsten Einkommen des Landes, sondern eben nur von denjenigen, die sich haben fotografieren lassen.

Außerdem finden sich keine Zeitangaben, die besagen, wann die Bilder aufgenommen wurden. Ich konnte daher auch nicht feststellen, ob tatsächlich weiterhin Bilder eingestellt werden.

Trotz dieser Einschränkungen ist Dollar Street eine facettenreiche Seite und bietet eine große Menge an Material. Sicher fallen euch noch ganz andere Möglichkeiten der Nutzung ein.
Ich würde mich freuen über eure Ideen in den Kommentaren!

 

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Es ist keine neue Idee, aber ich habe dieses Jahr zum ersten Mal in einer der letzten Stunden vor den Weihnachtsferien über die Lotería de Navidad gesprochen. Damit habe ich gleichzeitig Landeskunde betrieben, das Hör-Seh-Verstehen geschult, Sprechanlässe geschaffen und Vorweihnachtsstimmung verbreitet – mehr kann man nicht erwarten so kurz vor den Ferien.

Ich wollte mit der Stufe 11 Neubeginner (3. Fremdsprache) nach viel Grammatik in den letzten Wochen einen netten, grammatikfreien Jahresausklang. Dabei bin ich das Thema komplett lehrerzentriert angegangen und habe zunächst die Bedeutung der Lotería de Navidad erklärt. Hätte ich mich nicht so spontan erst kurz vor der Stunde für das Thema entschieden, hätte ich einen anderen Einstieg gewählt und dem Kurs zB einen Décimo gezeigt und die SuS mutmaßen lassen, worum es sich handelt. Mithilfe der unten stehenden Seiten kann man dann die Vermutungen stützen oder korrigieren.

Im Mittelpunkt meiner Stunde standen eigentlich die Anuncios, die Werbefilme, die alljährlich die Lotterie recht unterhaltsam bewerben. Wir haben uns den Anuncio dieses Jahres angesehen. Daran wurden viele weitere Aspekte der Lotterie deutlich. Im Anschluss haben wir noch den Anuncio von 2015 gesehen.

Der Anuncio 2018 entfaltet einen besonderen Witz, wenn man den Film „Groundhog Day“ („Und täglich grüßt das Murmeltier“) kennt. Meinen SuS war der Film aus dem Jahr 1993 zwar komplett unbekannt – trotzdem mochten sie den Anuncio. In jedem Fall wird die leicht hysterische Begeisterung für die Lotería in Spanien sehr deutlich und außerdem verbreitet er in typischer Weihnachtsfilmmanier viel sentimentales Miteinander.

Der Anuncio 2015 ist ein animierter Film ohne Text, den den SuS noch besser gefiel. Er bietet Sprechanlässe und man kann herausarbeiten, wie das Glücksspiel zum Gemeinschaftserlebnis wird und Gruppen verbindet.

Die Stunde war eine gelungene vorletzte Stunde – in der letzten haben wir Polvorones gebacken 🙂

 

 

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