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Archive for the ‘Kino’ Category

Die chilenische Serie „Una historia necesaria“ verarbeitet in 16 Kurzfilmen die Schicksale von Menschen während der Militärdiktatur. Die Episoden basieren auf Berichten von Hinterbliebenen und offiziellen Dokumenten und behandeln in jeweils ca. 5 Minuten verschiedene Aspekte des totalitären Regimes unter Augusto Pinochet.

In der Stufe 11 arbeite ich dieses Schuljahr ohne Lehrbuch und ich probiere verschiedene Themen und unterschiedliches Material aus. Zwischen den Herbst- und den Weihnachtsferien haben wir über die chilenische Militärdiktatur gesprochen. Einen ersten Zugang bildete eine stark verkürzte Version des cuento „La composición“ von Antonio Skármeta. Von da aus haben wir uns über einige Sachtexte die wesentlichen Hintergrundinformationen und das entsprechende Vokabular erarbeitet (siehe den Post „Arbeiten mit Mindmaps„).

So vorbereitet, habe ich eine Folge der Kurzfilm-Reihe „Una historia necesaria“ gezeigt. In nicht einmal vier Minuten wird erzählt, wie der 26jährige Jorge D’Orival zum letzten Mal von seiner Familie gesehen wird. Angehörige der DINA bringen ihn, von Folter bereits deutlich gezeichnet, zu seinem Haus. Die verzweifelte Mutter darf ihren Sohn wenige Minuten im Auto der Geheimpolizei sehen. Dann schlägt man der Mutter vor, den Sohn gegen seinen Bruder Antonio auszutauschen. Gleichzeitig sieht man, wie es Antonio gelingt, über die Gartenmauer des Hauses zu entkommen. Die Episode zeigt das Vorgehen der DINA: Menschen werden unter Druck gesetzt, emotional erpresst, ihre Gefühle ausgenutzt und Familienmitglieder gegeneinander ausgespielt.

Ich habe die Episode einmal ohne Untertitel gezeigt, erste Kommentare gesammelt und sie dann ein zweites Mal mit spanischen Untertiteln gezeigt. Nach Klärung des Inhaltes habe ich einige Minuten offen diskutieren lassen. Sowohl der Inhalt als auch filmische Techniken wurden kommentiert; im Anschluss habe ich etwas zur Produktion erzählt.

Der nächste Arbeitsschritt bestand darin, ein Resumen der Folge anzufertigen. Die von Prosatexten bekannte (und an der Kurzgeschichte „La composición“ beispielhaft geübte) Textsorte musste auf den Kurzfilm übertragen werden.

Möglichkeiten, mit der Episode weiterzuarbeiten

  • In einem spielfreudigen Kurs kann man eine an das Geschehen des Films anschließende Szene spielen lassen, in der die zurückgebliebenen Familienmitglieder sich unterhalten.
  • Die SuS können in einem testimonio die Geschichte rückblickend aus der Perspektive der Mutter, der Schwester oder des Bruders erzählen. (Die Bedeutung des „testimonios“ sollte hier vorher besprochen werden.)
  • SuS können den Namen des Opfers Jorge D’Orival recherchieren oder die Namen der Täter, die am Ende der Episode gezeigt werden.

Man kann eine der kurzen Folgen auch für eine Klausur verwenden Ich habe zu Beginn der Klausur die Folge 13 zwei Mal mit Untertiteln gezeigt und dann mit der Aufgabenstellung ein Transkript der Episode verteilt. Mögliche Aufgabenstellungen: Anfertigung einer Zusammenfassung; Fragen zum Seh-Hör-Lese-Verstehen; kreative Aufgabe.

Informationen zur Serie

Die Serie ist erstmalig am 11. September 2017 im chilenischen Fernsehen ausgestrahlt worden, genau 44 Jahre nach dem Militärputsch. Im Oktober 2018 erhielt sie einen Emmy International. Der Regisseur Hernán Caffiero hat in den 16 voneinander unabhängigen Episoden unterschiedliche Perspektiven und Ausschnitte seines Sujets gewählt. Zwar geht es immer um Opfer, aber mal steht ihre eigene Geschichte im Vordergrund, mal die der Hinterbliebenen. Mal geht es um die Suche nach den Verschwundenen, mal darum, wie ein Weiterleben möglich ist, mal um die Aufklärung Jahrzehnte später. Manche Episoden sind voll von expliziter Gewalt und Sadismus, andere fokussieren mehr oder weniger subtil die psychische Grausamkeit und das perfide systematische Vorgehen der Geheimpolizei – und die Auswirkungen auf Familien und die gesamte Gesellschaft.

In einem Interview betont Caffiero die „la necesidad que todavía tenemos como sociedad de hacernos cargo de nuestra historia, no sólo para quienes la vivimos, sino que principalmente para aquellos que no, y por ende, no han proyectado emocionalmente lo que la dictadura significó para Chile“ (nachzulesen in El mostrador). Das hebt einen bestimmten Umgang mit der eigenen Geschichte hervor, den im Unterricht zu thematisieren, sich ebenfalls lohnen würde.

Episoden, die sich zur Vertiefung bestimmter Aspekte eignen

Episode 4: Einem jungen Rekruten der FACH (Fuerza Aerea de Chile) wird es zum Verhängnis, dass er Verhafteten hilft.

Episode 5: Die Episode zeigt zum einen die Willkür der Verhaftungen und zum anderen, wie die Trauer der Hinterbliebenen mit Füßen getreten wird.

Episode 13: Aus der Perspektive eines jungen Mädchens wird die Suche nach dem Vater gezeigt.

Episode 16: Im Mittelpunkt steht Ana Gonzalez, die nach dem Verschwinden ihrer Tochter und ihres Mannes ihren Enkel aufzieht. Sie ist für den Rest ihres Lebens auf der Suche nach ihrer Tochter, nach der Wahrheit und nach Gerechtigkeit. Sie ist dabei nicht allein, sondern Teil der Bewegung „¿Dónde están?“, in der unzählige Chilenen nach den Detenidos Desaparecidos suchen.

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Lehrer wählen die 89 besten internationalen Filme über Schule und Erziehung.

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Die Universidad Internacional de la Rioja hat eine Umfrage unter Lehrern zu ihren liebsten Filmen zum Thema Erziehung durchgeführt. Mit nur 68 Teilnehmenden und insgesamt 160 Stimmen ist die Umfrage sicherlich nicht repräsentativ zu nennen. Aber allein die Anzahl von 89 genannten Filmen legt nahe, dass dort der eine oder andere Film zu entdecken ist. Sehr anregend ist außerdem die Liste mit Informationen und Inhaltszusammenfassungen. In der Liste finden sich Klassiker und animierte Filme; die beiden ältesten Filme, bei denen das Entstehungsjahr angegeben ist, sind aus dem Jahr 1943.

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Zwei lateinamerikanische Dokumentarfilme werden auf der Berlinale mit Preisen ausgezeichnet für ihre Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Realität und deren Aufarbeitung.

Der Amnesty-Filmpreis wurde im Rahmen der Berlinale am 18.Februar an den mexikanischen Dokumentarfilm „La libertad del diablo – Devil’s Freedom“ verliehen. Der Regisseur Everardo González lässt Täter und Opfer der mexikanischen Banden- und Drogenkriminalität in Interviews zu Wort kommen. Man sieht Junge und Alte, Männer, Frauen und Kinder hinter Masken, die nur Augen und Mund erkennen lassen. Sie sprechen über ihre Erlebnisse und man hört und spürt hinter den Masken Verzweiflung, Grauen, Schmerz, Hass und Ausweglosigkeit.

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Am selben Tag ging der 32.Friedensfilmpreis an den Dokumentarfilm „El pacto de Adriana“ der chilenischen Regisseurin Lisette Orozco. Sie forscht der Vergangenheit ihrer Tante Adriana nach und deren Verstrickungen in die Diktatur unter Pinochet. Dabei arbeitet sie Geschichte auf, ohne zu urteilen.

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Spanischsprachige Kurzfilme erfüllen den Wunsch vieler SuS: „Och, wollen wir nicht einen Film gucken?“, ermöglichen das Training von Hör/Seh-Verstehen, transportieren landeskundliche Aspekte und bieten gleichzeitig interessante Sprechanlässe.

Für meine letzte Stunde vor den Ferien in der 10 (dritte Fremdsprache, also gerade vier Monate Spanisch) habe ich mal wieder nach Kurzfilmen gesucht. Vor eineinhalb Jahren habe ich sehr taugliche Kurzfilme (3-10 Minuten) für den Spanischunterricht zusammen gestellt, trotzdem bin ich immer auf der Suche nach neuen, frischen Produktionen. Ich habe dann eine ganz Doppelstunde mit fünf Filmen,drei Netzen Mandarinen und mehreren Packungen Keksen bestritten.

  • Anónimos von Félix Llorente, 2011. 8:53 min, englische Untertitel.

Eine junge Frau und ein junger Mann schlendern durch Venedig, nicht gemeinsam, aber sie telefonieren miteinander. Offenbar kennen sie einander nicht, wollen sich aber irgendwo im Gewirr aus Gassen, Kirchen und Brücken treffen.

Ich würde den Film nicht in einem Rutsch durchsehen. Tatsächlich habe ich einen ersten Stopp bei 1:58 gemacht, um ein paar Basics abzufragen: ¿Dónde están?, ¿Se conocen?, ¿Por qué se quieren encontrar? ¿De dónde son?

Bei 3:09 min kann man anhalten und beschreiben lassen, wie die beiden sich gerade verpasst haben und warum das passieren konnte.

Bei 3:52 min könnte man fragen ¿Qué hacen en Venecia?

Aber allerspätestens sollte man einen Halt machen, direkt ehe die beiden sich tatsächlich begegnen, etwa bei 4:38 min. Hier sollte man unbedingt fragen: ¿Qué ha pasado? o ¿Por qué se encuentran?

Bei 4:50 gab es bei mir dann erleichtertes Lachen, auf einmal war allen klar, was geschehen war. Bei 6:17 min scheint alles vorbei zu sein, sie haben sich verabschiedet und gehen ihrer Wege. Frage hier: ¿Qué va a pasar ahora?

Ein leichtfüßiger, romantischer kleiner Film vor Urlaubskulisse mit offenem Ende: ¿Cómo sigue la historia? Die englischen Untertitel erleichtern das Verstehen, lenken aber vom gesprochenen Text ab. Leider habe ich keine Version ohne Untertitel gefunden.

Eine andere Möglichkeit: Man zeigt zunächst einen 45 Sekunden langen Trailer – ohne Untertitel und lässt spekulieren und frei assoziieren. Dann den Film in voller Länge.

  • Despierta von Christian Avilés (2013), englische Untertitel; technische Daten.

Diesen Film mit 3:28 min habe ich ohne Unterbrechungen gezeigt. Die Protagonistin/der Protagonist schlüpft beim Aufwachen unfreiwillig jedes Mal in das Leben eines anderen Menschen. Der Kurzfilm hat für Befremden gesorgt, es gab Reaktionen wie „Psycho!“ oder „So ein Quatsch!“. Ich habe die SuS erstmal beschreiben lassen, was sie gesehen haben. Und gefragt, was denn daran Quatsch sei. Dann haben wir gemeinsam überlegt, wie der Film gemeint sein könnte.

Hierzu könnte man den Satz anschreiben, der als sinopsis des Films zu finden ist: María nunca recuerda sus sueños… ¿Y tú? 

Falls weitere Inspiration nötig ist: ¿Qué sientes cuando estás despertando de un sueño?

Oder: ¿Por que la protagonista hace repetir a su novio todos los detalles sobre su vida?

Schließlich: ¿Qué significa el título?

Vielleicht kommt man ja gemeinsam im Gespräch auf die philosophische Frage, wie sicher wir uns unseres Lebens und unserer Gewissheiten im Allgemeinen so sein können …

  • ¿Quieres ser mi amiga? von Sergio Sánchez. 2010. 3:15 min.; englische Untertitel.

Am liebsten hätte ich diesen Film zunächst ohne Ton, bzw. ohne den Dialog gezeigt. Da ich aber keine Version ohne Untertitel gefunden habe, war das keine Option.

Alternative: Den Text ganz durchsehen und das Thema in einem Satz formulieren lassen. Vielleicht kann man ja unterstützend die so genannte sinopsis des Films erwähnen: Hoy día la amistad es algo relativo… Spätestens damit sollte man auf soziale Netzwerke, digitale Freundschaften, geteilte Bilder und Likes zu sprechen kommen und hoffentlich ein paar Meinungen und Erfahrungen austauschen.

  • Lo que tú quieras oír von Guillermo Zapata (2005). Spanische Untertitel. Wikipedia-Eintrag.

Erfreulicherweise ein Film mit spanischen Untertiteln: Das ermöglicht, immer mal wieder anzuhalten und den Text mitlesen zu lassen.

Erster inhaltlicher Stopp bei 3:37: Explica la situación de Sofía. – ¿Cómo ha vivido hasta este momento? – ¿Qué ha pasado? – Explica la frase „estás con tus niños y tus plantas“.

Einige der Sätze bis dahin würden eine Betrachtung schon lohnen – grammatikalisch und/oder inhaltlich (zB „No, a Miguel no creo que le importe, no se fija en las paredes“ (1:25); „necesito que me des algo de tiempo“ (2:41); „puede que no lo merezca“ (2:45); „podíamos intentar salvar lo nuestro“ (2:48)) – allerdings würde ich beim ersten Sehen den Film nicht allzu sehr zerstückeln.

Nächster Stopp bei 5:04: ¿De qué se da cuenta? ¿Qué va a hacer?

Und dann bis zum Ende: ¿Qué ha hecho Sofía? ¿Y por qué? ¿Puede ser una solución? ¿Qué efecto tiene para ella?

Und auch hier ergibt sich vielleicht eine tiefer gehende Frage: die Frage, ob man die Wirklichkeit vielleicht ein kleines bisschen verdrehen kann, um eine eigene Entscheidung treffen zu können und mit einer Tatsache besser umgehen zu können.

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Die Behandlung des Romans von Miguel Delibes im Unterricht stellt sprachlich eine große Herausforderung dar. Ich habe für den Einstieg die Verfilmung zu Hilfe genommen.

Nach der Wiederholung des geschichtlichen Hintergrundes habe ich auf weitere Textentlastung verzichtet und als Wochenaufgabe das erste Kapitel als Lektüre aufgegeben. Eine Überforderung einiger SuS (darunter auch gN) hatte ich einkalkuliert. Einziger Hinweis meinerseits: Ja, der Text sei sehr anspruchsvoll und es sei wichtig, zu lernen, nicht jedes Wort nachzuschlagen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was man überlesen kann. Miguel Delibes beschreibt Örtlichkeiten, Situationen und Menschen minutiös, er verwendet dafür viele Synonyme und häufig Fachbegriffe (zB zu Beginn des Textes aus der Architektur). Die Annotationen in der Textausgabe von Klett finde ich oft unzureichend. In vielen Fällen wäre eine Übersetzung ins Deutsche hilfreicher und auch weniger frustrierend als eine schwammige und schwer verständliche Umschreibung, die zu neuen Fragezeichen führt. Kein Wunder also, dass die Lektürephase einige SuS entmutigt hat. Das hatte ich erwartet und das galt es nun aufzufangen. Wir haben einen Lektüretest geschrieben, der allerdings nicht zum Benoten gedacht war, sondern zur eigenen Bewusstmachung des Verstandenen.

Die Fragen:

  1. ¿Quiénes son las personas más importantes en el primer capítulo?
  2. ¿Dónde está situado el primer capítulo?
  3. ¿A qué se dedican las personas?
  4. ¿En qué año está situado el argumento?
  5. ¿Quién es Víctor? ¿Qué sabes de él?
  6. ¿Qué te parece el personaje de Arturo?

Das Interessante war, dass auch diejenigen, die jammerten, sie hätten nichts verstanden, zu allen Fragen etwas schreiben konnten, das nicht ganz abwegig war. Ich habe Feedbacks bekommen, die besagten, dass bei dieser Reduzierung auf Eckdaten plötzlich einiges viel klarer wurde. Im Anschluss haben wir die Antworten verglichen und ergänzt.

Einsatz des Films

In der zweiten Hälfte der Doppelstunde habe ich die Verfilmung des Romans eingesetzt, die viele Dialoge annähernd wörtlich übernimmt. Ich habe die Minuten aus dem Film gezeigt, die das erste Kapitel wiedergeben (5:44-9:55).

Sammlung erster Kommentare: ¿Qué es diferente? ¿Qué te has imaginado de otra manera? ¿Qué te llamó la atención? Besonders beeindruckt waren die SuS davon, dass die langen und detaillierten Beschreibungen Delibes‘ im Film so einfach und kurz durch Bilder dargestellt werden können, ohne dass viel verloren geht. Daran schloss sich ein kleiner spontaner Exkurs zum Thema „Darstellung in Text vs. Bild“. Wir haben den Ausschnitt noch einige Male gesehen und jedes Mal etwas Neues entdeckt, was kommentiert wurde (zB die große Reproduktion des Gemäldes Guernica in der Zentrale der PSOE, das wir ja im Einstieg zur Geschichte gesehen hatten). Zum Ende der Stunde habe ich Arbeitsblätter ausgeteilt, auf denen ich 12 Snapshots des ersten Kapitels zusammengestellt hatte. Die Reihenfolge war durcheinander und die Hausaufgabe war, die Bilder zu sortieren und mit einem Satz zu untertiteln. Gerade durch den Ausschnitt aus dem Film haben sich auch diejenigen SuS wieder abgeholt gefühlt, die während der Lektüre etwas verloren waren.

Schlüsselstellen

In der folgenden Doppelstunde haben wir die Hausaufgabe (Sortierung und Untertitelung) verglichen und kommentiert. Daran schloss sich eine weitere Aufgabe zum ersten Kapitel. Ich hatte 20 verschiedene Stichwörter aus dem Text herausgesucht und in eine Tabelle gesetzt: cayo_capI Die Themen/Zitate mussten einer Figur zugeordnet und mündlich kurz erläutert werden. (Daraus kann man natürlich auch eine schriftliche Aufgabe machen.) Wichtig war mir dabei, dass alle mit ihren Büchern arbeiten sollten (gerne auch in Partnerarbeit), da es darum ging, die Textstellen zu finden und den Kontext richtig zu erkennen. Bei dieser Aufgabe war die Auswertung sehr ausführlich und hat den Rest der Doppelstunde in Anspruch genommen. Ausgehend von diesen Zuordnungen kann man eine erste Beschreibung der Figuren anschließen. Bei uns hat sich das automatisch aus der Aufgabe ergeben und führte zu der schriftlichen Hausaufgabe, die Figuren mit Textbelegen zu charakterisieren. Zwei ganz wichtige Sachen haben wir für den weiteren Verlauf der Lektüre gemeinsam festgehalten:

  1. Wenn die Verständnisprobleme sehr groß sind, kann man sich auf die dialogischen Passagen beschränken und die Beschreibungen zunächst ausblenden.
  2. Auf jeder Seite müssen zur schnellen Orientierung im Text Schlüsselbegriffe markiert sein oder Stichworte an den Rand geschrieben werden.

Damit haben die SuS eine gute Grundlage für den weiteren Verlauf des Textes.

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„El secreto de sus ojos“ ist ein argentinisches Thriller-Drama aus dem Jahr 2009, dem es gelingt, spannend zu sein, ohne sich ständig auf den allzu ausgetretenen Wegen des Genres zu bewegen.

Juan José Campanella erzählt in Rückblenden über 25 Jahre hinweg die Geschichte eines Verbrechens, seiner Folgen, der langsamen Aufklärung, Rache und Sühne. Er erzählt langsam, und zieht sein Publikum ebenso langsam aber sicher immer tiefer in den Bann der Geschehnisse. Aber auch in den Bann des Rekonstruierens, des Erkennens. Die Perspektiven ändern sich im Laufe der Zeit, Beobachtungen bekommen erst nach und nach ihr Gewicht und ihre Bedeutung.

Protagonist ist Benjamín Esposito (Ricardo Darín), ein Gerichtsbeamter, der nach seiner Pensionierung 1999 endlich die Zeit findet, über sein Leben nachzudenken. Dabei wird ihm bewusst, dass ihm einige offenen Fragen und unerledigte Dinge keine Ruhe lassen, die ihn alle zu ein und demselben Fall führen, mit dem er zum ersten Mal 1974 befasst war. Er beschließt, dieses Kapitel seines Lebens zu neu zu öffnen und zu verarbeiten, indem er einen Roman darüber schreibt.

Abwechselnd erleben wir seine Erinnerungen an die Ereignisse der Vergangenheit in Rückblenden und seine Gegenwart, in der er versucht, die Fragmente richtig einzuordnen und letzte Puzzlestücke zu finden. Er trifft seine damalige Chefin Irene Menéndez Hastings (Soledad Villamil) wieder, für die er all die Jahre leidenschaftliche Gefühle hegte. Er muss sich wieder mit dem Tod seines Mitarbeiters und Freundes Pablo Sandoval auseinander setzen, der unter nicht geklärten Umständen während der Ermittlungen ermordet wurde. Und er sucht Ricardo Morales auf, den Witwer der jungen Frau, die vor 25 Jahren vergewaltigt und getötet wurde.

Man erlebt Esposito als jemanden, der viel dafür aufs Spiel setzt, das Verbrechen aufzuklären. Dafür muss er tief in das Leben anderer Menschen eindringen, er stellt unerbittlich Fragen und bemüht sich, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Immer deutlicher wird aber auch, dass er dabei getrieben ist von der Notwendigkeit, die Leerstellen seines eigenen Lebens zu füllen. Von Anfang an wirkt er wie besessen von dem Fall, den darin verstrickten Personen und insbesondere der Leidenschaftlichkeit und Zielstrebigkeit von Morales. Sein Blick auf die Personen ändert sich über die Jahre zwar, nicht aber seine Anteilnahme an dem Fall und die Gewissheit, dass er nicht zur Ruhe kommen wird, ehe er Antworten bekommt.

Die Militärdiktatur (1976-1983) wird nicht explizit genannt oder dargestellt, doch werden Korruption und Rechtsbeugung thematisiert, zu deren Opfer Esposito und Morales werden.

Achtung, Spoiler! Am Ende bekommt Esposito die Antworten, die er gesucht hat: Er erfährt, wie Morales mit dem Verlust seiner Frau zu leben gelernt hat, dass Sandoval als guter Freund gestorben ist und er bekommt Hastings.

Ich habe den Film sehr gerne gesehen. Er kommt zunächst nur langsam in Gang, entwickelt dann aber eine Sogwirkung auf die Zuschauer/innen. Manchmal scheint er mir seltsam unentschieden zwischen Thriller und Liebesgeschichte, aber die Mischung ist dann doch wieder gut gelungen, was auch an den überzeugenden Schauspielleistung der Protagonisten liegt.

Filmdaten

Titel El secreto de sus ojos
Regie Juan José Campanella
Land Argentinien
Jahr 2009
Länge 129 Minuten
Besetzung Ricardo Darín, Soledad Villamil

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